Wacholder – Juniperus (erschienen in BONSAI ART 76)
Juniperus, was übersetzt etwa grob oder rau bedeutet,
bezeichnete zunächst nur eine einzige Spezies, wurde dann nach und
nach jedoch der Name einer Gattung, die zur Familie der Cupressaceae gehört.
Zurzeit werden dieser rund siebzig Spezies zugerechnet, die weit über
die Regionen der nördlichen Hemisphäre in kalten und milden Klimaten
verbreitet sind. In Europa ist der Gemeine oder Heidewacholder (Juniperus
communis) in Höhen zwischen 100 und 3500 Metern verbreitet; in Südeuropa
wachsen Juniperus oxycedrus und J. sabina wild.
Es handelt sich um harzhaltige, immergrüne Bäume oder Sträucher,
deren Zweige in alle Richtungen wachsen. Die Blätter sind nadel- oder
schuppenförmig; nadelförmige Blätter bilden auch die jungen
Triebe der Schuppenwacholder, die schuppenförmigen überwiegen
dann bei den erwachsenen Pflanzen. Wacholder sind meistens zweihäusig,
nur selten einhäusig. Die gelblichen Fruchtzapfen haben eine Vielzahl
von Staubblättern, von denen jedes an die 4 bis 6 Pollensäcke
trägt. Die Frucht ist fleischig und wird als Beere bezeichnet.
Wirtschaftlich gesehen spielt der Wacholder keine wichtige Rolle in der
Holzproduktion, dies vor allem wegen des langsamen Wachstums seines Holzes.
Auch die charakteristisch gebogene Form seines Stammes beschränkt das
forstwirtschaftliche Interesse. Viel wichtiger ist dagegen der Nutzen für
den Weinbau. Die Früchte einiger Arten, vor allem des Gemeinen Wacholders,
werden für die Herstellung von Branntwein genutzt, das berühmteste
Beispiel ist der Gin. Von je her wird die Frucht auch als Aromastoff für
Nahrungsmittel verwendet. Häufig wird sie auch in der Medizin gebraucht,
denn die Beeren haben eine harntreibende und abführende Wirkung, außerdem
sind sie hervorragend für die Verdauung geeignet und stimulieren das
Nervensystem. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Wacholder schon seit
langer Zeit wegen ihrer großen Anpassungsfähigkeit an verschiedene
Bodentypen und Klimabedingungen auch als Gartenpflanzen verwendet werden.
Der Wacholder als Bonsai
In der Bonsaikunst gehören die Wacholder sicherlich zu den am häufigsten
verwendeten Pflanzen. In Japan und in China bilden Igelwacholder (Juniperus
rigida) und Chin. Wacholder (Juniperus chinensis) geradezu eigenständige
Gruppen auf Ausstellungen und in den Sammlungen, sowohl wegen der großen
Anzahl ausgestellter Exemplare, als auch wegen der Schönheit, die
sie auszeichnet. Auch bei uns sind sie besonders verbreitet, denn wegen
ihrer Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Bedingungen
sind sie ideale Pflanzen für die Bonsaikultur. Sie reagieren positiv
auf fast alle Techniken, auch auf solche, die mit der Bearbeitung von
Totholz zu tun haben. Diese verleiht den Bäumen einen kräftigen
und suggestiven Charakter. Wegen ihres langsamen Wachstums werden hochwertige
Ergebnisse erst mit der Zeit sichtbar. Folgt man aber den Kultivierungsregeln
und wendet die Techniken richtig an, gelingen Exemplare außerordentlicher
Qualität.
Vermehrung
Für die Vermehrung des Wacholders können fast alle gemeinhin
bekannten Methoden verwendet werden, darunter die Vermehrung durch Aussähen,
Stecklinge, Abmoosen, Veredeln und Ausgraben in der Natur (in Deutschland
stehen Wacholder unter Naturschutz!). Den Samen verwendet man in der Regel
nur für die Vermehrung der Arten, wobei die reifen Früchte im
Winter gesammelt werden, um sie dann an einem kühlen und belüfteten
Ort zu trocknen. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr, wobei das Saatbeet
immer ausreichend feucht gehalten werden muss, um dass Auskeimen zu begünstigen,
das in der Regel nach 5 oder 6 Wochen erfolgt.
Als Stecklinge werden junge Zweige verwendet, wobei die Triebe am unteren
Teil angeschnitten und gekürzt werden. Nachdem sie soweit vorbereitet
sind, werden die Stecklinge in 5 bis 10 cm hohe Schalen in eine Erdmischung
aus Akadama, Flusssand und Komposterde gepflanzt. Schließlich wird
die Oberfläche mit Moos abgedeckt und sorgfältig gegossen. Der
ideale Standort ist im Schatten vor Wind geschützt, aber durchaus
mit Morgensonne; die Schalen sollten leicht geneigt stehen, damit Wasser
gut ablaufen kann. Der beste Zeitpunkt für diese Vermehrungsmethode
liegt zwischen Ende Juli und Ende August. Nach der Wurzelbildung können
die Stecklinge zwischen April und Mai des darauf folgenden Jahres getrennt
in einzelne Töpfe gesetzt werden. Sobald das neue Wachstum sprießt,
beginnt das Düngen, das über den gesamten Wachstumszeitraum
erfolgt.
Wacholder lassen sich auch gut durch Abmoosen vermehren, sowohl über
der Erde, als auch im Boden. Beide Methoden sind eher einfach und schnell,
sie sollten im späten Frühjahr durchgeführt werden. Pflanzen
mit schwieriger Wurzelbildung werden in den Monaten Februar und März
durch Pfropfen vermehrt, wobei die Trägerpflanze einen Durchmesser
von 0,5 cm haben und zum Zeitpunkt des Pfropfens gut verwurzelt sein
sollte. Für das Pfropfen werden diesjährige Zweige verwendet,
deren Durchmesser dem der Trägerpflanze entspricht.
Viel schwieriger ist dagegen das Ausgraben in der Natur, nicht nur weil
die Wacholder langsam aus unserer Bergwelt verschwinden. Sie gehören
heute zu den geschützten Arten und können nur mit vorheriger
Erlaubnis ausgegraben werden. Findet man nach Erlangung der benötigten
Genehmigungen eine Pflanze, die geeignet ist, ausgegraben zu werden, muss
man noch berücksichtigen, dass die für diese Arbeit geeigneten
Monate März, April und August sind. Eine aufwändige Pflege (hohe
Luftfeuchtigkeit) im ersten Jahr nach dem Ausgraben ist zumindest bei
älteren Exemplaren Voraussetzung für ein Überleben.
Standort
Ihr idealer Standort liegt, wie man sich leicht vorstellen kann, draußen,
an einem sonnigen und gut gelüfteten Platz. Sie müssen nur vor
übermäßiger Hitze und intensiver Kälte geschützt
werden. Diese Pflanzen werden kaum Probleme aus atmosphärischen Gründen
bereiten, denn in der Natur wachsen sie auch in besonders unwegsamen Regionen,
wo sie den unwirtlichsten Bedingungen ausgesetzt sind; so ausgesetzt,
tritt ihr starker und reifer Charakter umso stärker hervor.
Gießen
Der Boden muss immer leicht feucht sein, ohne übermäßig
zu gießen, noch Wassermangel entstehen zu lassen. Hilfreich ist
außerdem, den Baum täglich an Nadeln und Zweigen zu besprühen,
vorzugsweise in den ersten Stunden des Tages. Man sollte sich nicht davon
täuschen lassen, dass sie in der Natur auf fast trockenen Böden
leben, denn Wacholder brauchen immer eine gewisse Feuchtigkeit, um gut
zu wachsen.
Beschneiden
Zwei verschiedene Arten des Beschneidens müssen unterschieden werden:
der Gestaltungs- und der Erhaltungsschnitt. Im ersten Fall dient das Beschneiden
dazu, das gesamte unerwünschte Wachstum zu entfernen, um eine harmonische
Entwicklung und ein harmonisches Gleichgewicht der verschiedenen Pflanzenbereiche
auf der Grundlage der angestrebten Form zu erreichen (Strukturierung).
Der starke Rückschnitt der Hauptäste kann während der Monate
der Vegetationsruhe erfolgen, besonders zwischen Februar und März
im dritten oder vierten Jahr des Lebens der Pflanze. Dem drastischen Rückschnitt
ist aber das graduale, fortschreitende Beschneiden vorzuziehen. Zunächst
werden die Äste soweit möglich zurückgeschnitten, wobei
immer eine ausreichende Anzahl gesunder und kräftiger Triebe stehen
bleiben sollte. Um einen Ast zu entfernen, lässt man in der Regel
verschiedene Triebe an der Spitze sowie einen nahe beim Stamm wachsen,
die anderen werden zurückgeschnitten oder entfernt. Während
sich das ausgewählte Zweigwerk entwickelt, wird das Wachstum der
Zweige an der Spitze begrenzt und das am Ansatz gefördert. Sobald
Triebe am Ansatz einen ansprechenden Reifegrad erreicht haben, wird der
Rest des Astes entfernt.
Der Erhaltungsschnitt an einem gut gestalteten Wacholder besteht hauptsächlich
im Entfernen aller Triebe, die aus dem Stamm wachsen, und im Kürzen
derer, die an den Hauptästen entstehen. Soll ein Teil der Pflanze
verjüngt werden, bleiben einer oder mehrere Triebe erhalten.
Drahten
Der Gestaltungsprozess wird durch das Drahten vervollständigt, das
mit Aluminiumdraht oder, wenn man über eine gewisse Erfahrung verfügt,
mit Kupferdraht erfolgt. Ist ein Ast zu steif, ist es besser, für
Schutz zu sorgen, indem man den Ast, der geformt werden soll, vorher mit
feuchtem Raffiabast umwickelt. Der für diese Arbeit geeignete Zeitraum
reicht vom Herbst bis in den Winter (von Oktober bis Februar). Man kann
den Draht lange an der Pflanze belassen, muss ihn aber sofort entfernen,
wenn er sich in die Rinde einzuschneiden beginnt, damit keine unschönen
Verdickungen entstehen.
Pinzieren
Wacholder wachsen durchgehend vom Beginn des Frühjahrs bis in den
Herbst, weshalb ausgereifte Exemplare während des gesamten Wachstumszeitraums
pinziert werden können. Man nimmt die Wachstumsbüschel einzeln
zwischen die Finger und bricht vorsichtig die neuen Schuppen, die fächerförmig
aus dem Profil austreten, heraus. Dieses Pinzieren fördert die Entwicklung
seitlicher Triebe, weshalb die gleiche Arbeit mehrmals in der Saison wiederholt
wird. Indem man die Kraft des Baumes nach innen lenkt, entwickeln die
Etagen in kurzer Zeit dichten Bewuchs.
Nach drastischem Beschneiden des Laubes oder nach dem Drahten kann der
Baum Blätter in Nadelform hervorbringen. Entfernt man diese Nadeltriebe
nicht, entwickelt der Baum wieder sein Schuppenlaub. Dann folgt man dem
normalen Rhythmus, solange sich keine neuen nadelförmigen Triebe
bilden.
Was die Nadelwacholder betrifft, so pinziert man die gesamte Wachstumsperiode
über durch Auszupfen der Spitze des neuen Triebs mit den Fingerspitzen.
Umpflanzen
Der ideale Zeitpunkt für das Umpflanzen der Wacholder ist im Frühjahr,
wenn die Knospen anzuschwellen beginnen. Junge Pflanzen, die sich in der
Wachstumsphase befinden, werden alle zwei Jahre umgepflanzt, die bereits
gestalteten alle vier bis fünf Jahre. Bei beiden muss man beim Beschneiden
der feinen Wurzeln sehr vorsichtig sein, damit ihre Entwicklung, die besonders
wichtig ist, nicht aufs Spiel gesetzt wird. Akadama ist sicherlich das
am besten geeignete Substrat für diese Spezies.
Düngen
Besonders die jungen und die sich in der Entwicklung befindlichen Exemplare
müssen während der Wachstumszeit reichlich gedüngt werden.
Zu empfehlen ist organischer sich langsam zersetzender Dünger, der
im Substrat über die gesamte notwendige Zeit einen konstanten Nährstoffspiegel
aufrecht hält. Bei hohen sommerlichen Temperaturen muss auf das Düngen
verzichtet werden.
Krankheiten
Wacholder sind normalerweise kräftige Pflanzen, die nicht besonders
unter Parasiten leiden. Besonders achten sollte man auf Blatt- und Schildläuse
sowie die Spinnmilbe, denen man durch einen optimalen, hellen und belüfteten
Standort und häufiges Besprühen des Grüns vorbeugen kann.
Als überaus schädlich sind die Rostpilze (z.B. Birnengitterrost)
anzusehen, für deren Vermehrung Wacholder die Zwischenwirte darstellen.
Ist ein Wacholder befallen, ist er kaum zu retten.
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