Bildband der bedeutendsten Bonsai-Ausstellung Japans

Rezension von Chefredakteurin Heike van Gunst aus BONSAI ART 145

Jedes Jahr Anfang Februar findet die Kokufu-ten in Tokio statt, die bedeutendste Bonsai-Ausstellung Japans. Der Bildband der 91. Kokufu-ten enthält Fotos aller dort in diesem Jahr gezeigten Bonsai und Displays und liefert damit aktuelles Anschauungsmaterial auf höchstem Niveau.

kokufu ten 91 kokufu ten 91

Der aktuelle Kokufu-ten-Bildband wurde im gewohnten quadratischen Format und mit dem bekannten Layout gestaltet, ist mit Schutzumschlag und Schuber ausgestattet und hat diesmal 372 Seiten.

Wie schon in den letzten Jahren wurde die Ausstellung im Metropolitan Art Museum in zwei Teilen abgehalten, wobei jeder Teil vier Tage lang dem Publikum präsentiert wurde und dazwischen eine eintägige Umbaupause erfolgte.

Der Bildband zeigt die Exponate ebenfalls in diese zwei Teile gegliedert. Teil 1 bestand aus 179 Präsentationen, von denen fünf Shohin-Displays mit je fünf bis sechs Bäumen waren und 44 Chuhin-Präsentationen mit je zwei Bonsai plus Akzentpflanze, so dass insgesamt etwa 300 Bonsai zu sehen waren. Sechs Kokufu-Preise wurden in der ersten Abteilung verliehen, für eine große Satsuki-Azalee der Sorte ‘Osakazuki’, eine Schwarz- und eine Mädchen-Kiefer, einen mittelgroßen Dreispitz-Ahorn über Stein mit einer bemerkenswert dichten Verzweigung, einen mittelgroßen Shimpaku-Wacholder und eine wundervolle vielstämmige Chojubai-Zierquitte, die bereits 2012 einmal auf der Kokufu-ten ausgestellt war.

Auch Teil 2 der Ausstellung bestand aus 179 Exponaten, darunter 51 Chuhin-Präsentationen und 6 Shohin-Displays. Hier wurden fünf Kokufu-Preise verliehen, an zwei Chinesische Quitten, davon eine mit einem ungewöhnlichen Nebenstamm, einen großen Shimpaku-Wacholder mit massivem Stamm und eleganten Saftbahnverläufen, eine schöne kleine Schwarz-Kiefer und an eine wunderbare große Mädchen-Kiefer mit einem unverwechselbaren Shari-Bereich vorne am Stamm (Seite 288).

Letztere ist mir persönlich auch besonders intensiv im Gedächtnis geblieben, als ich sie im April auf der World Bonsai Convention in natura sehen konnte. Auf der Ausstellung waren insgesamt 24 „Wichtige Bonsai-Meisterwerke“ (Important Bonsai Masterpieces) vertreten und diese sind im Bildband auch entsprechend ausgewiesen. Bonsai mit diesem Status, von denen insgesamt schätzungsweise 600 in Japan existieren, werden bei der Anmeldung grundsätzlich zur Kokufu-ten zugelassen.

Ein Baum, der einen Kokufu-Preis gewonnen hat, darf jedoch zukünftig nicht mehr teilnehmen. Die Nippon Bonsai Association hat in diesem Jahr im Hauptraum der Ausstellung, wo die großen Bäume präsentiert wurden, neue weiße, leicht reflektierende Hintergründe verwendet. Diese wirkten gegenüber den alten beigen Hintergründen, die noch in den anderen Ausstellungsräumen zum Einsatz kamen, deutlich besser. Die Fotos für den Bildband wurden jedoch wie üblich unter Fotostudio-Bedingungen aufgenommen.

Insgesamt war die 91. Kokufu-ten wieder einmal sehr nadelbaumlastig. Zwischen zahlreichen herrlichen Kiefern, Wacholdern, Fichten, Hemlocktannen und Eiben mit teilweise spektakulären Totholzformationen finden sich jedoch unter anderem auch einige wunderbare
Ahorne, blühende Zierquitten und Aprikosen, sowie ein subtropischer Hibiskus und unglaublich knorrige, verdrehte Granatäpfel.

Durchweg sind die Bäume eher klassisch und sehr akkurat gestaltet. Ungewöhnliche, gewagte Kreationen sucht man im diesjährigen Kokufu-Bildband vergeblich. Der bizarre Japanische Perlschweif (Stachyurus praecox) auf Seite 65 könnte noch am ehesten in diese Kategorie fallen.

Wer japanische Spitzen-Bonsai liebt, wird auf den Kokufu-Bildband Nr. 91 nicht verzichten mögen und sich immer wieder in die inspirierenden Fotos vertiefen.

„Kokufu-Bildband 91“. Ausstellung 2017.
372 Seiten, 26 cm x 25 cm, durchweg farbig, Hardcover, Schuber, 119 EUR >> zum Shop

Rezension von Chefredakteurin Heike van Gunst aus BONSAI ART 145