Starkstrom
im Hosensaum
Lesermails zum Thema „Glasfaserband“
Hallo liebe Bonsaifreunde,
in dem Artikel „Biss ins Marc“ bebildern Sie u. a. Marcs
Trick gegen das Einwachsen des Drahtes in die Rinde. Wie das selbstverschweißende
Klebeband heißt, haben Sie genannt. Aber woher kann man das Glasfasergewebeband
beziehen, bzw. welches Produkt eignet sich dazu?
Dr. Frank Dieke aus der Lutherstadt Wittenberg
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Ihrem Artikel „Shrink to fit“ berichten Sie über
das verschweißbare Isolierband. Ich möchte auf diesem Wege
anfragen, ob Sie mir mitteilen können, wer der Hersteller des zum
Schutz des Baumes verwendeten Glasfaserbandes ist und wo man dieses beziehen
kann. Gibt es eine bestimmte Bezeichnung für dieses Glasfaserband?
Frank Bentfeldt 
In BONSAI ART 87 stellten wir eine spektakuläre Eibengestaltung
von Marc Noelanders vor (Ausgabe Januar/Februar 2008, Seite 76 ff.).
Zwar war mir die Verwendung von selbstverschweißendem Isolierband
anstelle von Raffiabast lange bekannt, doch spätestens bei der Beschaffung
desselben stößt man schnell auf Probleme. Auch wenn einige
Bonsai-Fachhändler dieses Hilfsmittel im Sortiment haben, kann nicht
jeder Hobbyist in den Weiten der Republik darauf zugreifen. Klar ist,
dass dieses Material nicht speziell für Bonsai hergestellt wird.
In weiser Voraussicht hat unser Redaktionsmitglied Tom Heyken einen kleinen
Artikel auf Seite 8 („Shrink to fit“) desselben Hefts verfasst,
um den sicher anstehenden Leserfragen vorzugreifen.

Was wir allerdings nicht bedacht hatten, dass auch das von Marc Noelanders
verwendete „Glasfaserband“, das er noch zum Schutz unter
das schwarze Isolierband um den Ast gewickelt hatte, gleichwohl unsere
Leser interessiert – denn das war das eigentlich Neue.
Ende Januar dieses Jahres begab ich mich auf eine neuntägige Artikelreise
zu Othmar Auer nach Brixen in Südtirol. Der Präsident der Nippon
Sakka Kyookai Europe, des europäischen Zweigs der Bonsaikünstlervereinigung
Japans, hatte eine Schar italienischer Mitglieder geladen, um mit mir
einige Gestaltungsartikel zu produzieren. Einer von ihnen war Edoardo
Rossi. Bei der Vorbereitung der Äste einer Bergkiefer zum Biegen
fiel mir gleich das von Noelanders benutzte „Glasfaserband“ auf.
Auf Nachfrage erklärte mir Edoardo, dass dieses Band eigentlich
zum Zusammenhalten von Kabelbäumen dient. Na ja, was man dann so
auf Englisch versteht. Jedenfalls rief ich zu Hause gleich meinen Elektriker
an, um herauszukriegen, wo es dieses Band zu kaufen gibt und vor allem,
wie es richtig heißt. Leider konnte mir der Strippenzieher nicht
weiterhelfen, es schien sich um ein speziell in Italien gebräuchliches
Elektro-Band zu handeln. Um es einfach zu machen, habe ich zum Hörer
gegriffen und Marc Noelanders angerufen. Endlich hatte das Verwirrspiel
ein Ende. Das Band mit der roten Naht in der Mitte ist ein Saumband,
das am Ende von z. B. Hosenbeinen eingenäht wird. Beim Besuch des
ortsansässigen Kurzwaren- und Stoffhändlers musste ich zu allem Übel
feststellen, dass es zig verschiedene Ausführungen gibt. Letztlich
ist es gleich, ob das Band eine rote Naht in der Mitte hat. Ich denke,
es muss nicht einmal ein Saumband sein. Wichtig ist der Zweck, bei dem
der Ast einen Schutz zwischen Rinde und Klebeband erfährt und somit
beim Biegen mit Draht besser geschützt bleibt.

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