Ein Dai für einen Suiseki

An dieser Stelle möchten wir Ihnen unseren Artikel aus BONSAI ART 45 mit Anmerkungen von Herrn Dipl. Ing. Willi Benz, dem Präsidenten der Deutschen Suiseki-Gesellschaft e.V., zeigen: Auf der linken Seite befindet sich der Originalartikel. Dort verweist *Ziffer auf die rechts stehenden Anmerkungen von Herrn Benz.

Erste Erfahrungen mit Suiseki und Dai  *6.

Einleitung

   Suiseki nennt man Betrachtungssteine*1., die nicht zu groß sind, um per Hand transportiert und ausgestellt zu werden. Sie sind manchmal Begleiter eines Bonsai. Oft sind sie eigenständige Ausstellungsstücke, die uns durch ihre Farbe, Form und Struktur an etwas erinnern: an ein Gebirge, eine Insel, eine Landschaft, eine Kaskade, ein Tier, eine menschliche Figur oder auch eine Hütte. Zusammengefasst sind Suiseki Steine, die etwas in uns anregen, das uns zumindest neugierig macht. Im Prinzip versucht ein Suiseki, wird er von einem Bonsai begleitet, einen Teil der Natur darzustellen, in dem beide Elemente ein harmonisches Ganzes bilden.
   Die Qualität eines Suiseki hängt von einer Reihe von Eigenschaften ab, die nicht so stark reglementiert sind, wie die Stilformen im Bonsai. Auch wenn diese Eigenschaften nicht Gegenstand dieses Artikels sind*2., so sollte doch nicht unerwähnt bleiben, dass ein weicher Stein zum Beispiel weniger geschätzt wird als ein harter und ein dunkler mehr als ein heller*3.. Denjenigen, die mit diesem Hobby erst beginnen, und an sie ist dieser Artikel gerichtet, möchte ich sagen, dass man überall schöne Steine finden kann. Wir müssen uns bei unseren Spaziergängen nur daran gewöhnen, mit einem suchenden Blick auf Steine zu achten. Insbesondere gilt es, eine solide Basis zu finden*4., die den Stein im Gleichgewicht hält. Ist die Unterseite ganz flach, so ist dies besonders günstig, da uns später, wie wir noch sehen werden, eine flache Basis die Präsentation erheblich erleichtert.
    Was die Größe von Suiseki betrifft, so gibt es eine Mindest- und eine Maximalgröße*5.. Als Mindestgröße können wir einen Stein von 4 oder 6 cm betrachten. Dieser untere Wert orientiert sich an der Funktion, einen Bonsai im Rahmen eines ausgewogenen Gesamteindrucks zu begleiten. Wie klein auch immer der Mame sein mag, den der Suiseki begleiten soll, dieses Maß ist eigentlich kaum zu unterschreiten. Es gibt auch Auffassungen, die mindestens von der Größe eines Schmuckstückes oder eines Anhängers ausgehen. Von dem Gesagten sind aber zwei Ausnahmen zu machen: Erstens habe ich sehr wohl schon interessante, ungefähr 2 cm große Miniaturen gesehen, die eine Ausstrahlung hatten. Zweitens sollte klar sein, dass es bei einem Hobby um das persönliche Vergnügen geht. Ein 4, 3 oder auch 2 cm großer Stein muss, wenn er einem denn gefällt, keinem vorgegebenen Maß entsprechen oder sich in anderer Weise rechtfertigen.
    Das obere Maß hingegen bestimmt sich sehr schnell durch das Gewicht. Wenn wir einen Stein gefunden haben, müssen wir ihn ja noch zum Auto tragen! Als Orientierung sind 40 oder 50 cm völlig ausreichend. Suiseki sind nicht mit für den Garten bestimmten Steinen zu verwechseln*7.. Die Größe muss also jeder für sich selbst bestimmen. Am häufigsten sieht man Suiseki zwischen 10 und 20 cm. Wenn wir einen Stein, der unsere Neugier erweckt, gefunden haben, suchen wir seine natürliche Basis und drehen ihn vor unseren Augen, so wie wir dies auch bei einem Bonsai machen würden, und versuchen, die beste Ansichtsseite zu finden. Danach bewerten wir die übrigen Eigenschaften oder Fehler des Steines. Hierbei sollten wir durchaus kritisch sein:
   Die Struktur sollte kompakt und nicht bröselig sein. Die Ecken sollten nicht scharfkantig sein, also natürliche Erosion zeigen. Der Stein sollte keine Risse haben, die zum Zerbrechen führen könnten.
    Schöner sind dunkle Farben (helle Quarze vermeiden)*8., allerdings können weiße Adern oder Flecken sehr interessant und nützlich sein, wenn sie Schnee, einen Wasserfall, Blumen oder anderes andeuten.
    Die Struktur kann glatt oder rauh sein. Glatte Steine sollten einen natürlichen Glanz haben, können aber auch im Laufe der Jahre diese geschätzte Qualität bekommen. Sehr begehrt sind auch faltige Strukturen und matte Farben mit einer Vielzahl von Vertiefungen und Auswaschungen.
    Aber, um es noch einmal zu sagen, das Wichtigste ist, dass Suiseki uns etwas vermitteln, dass die Formen ausgewogen sind und dass der Stein uns ein Gefühl von Ernst und Gelassenheit gibt. Wichtig ist natürlich, dass er seinem Besitzer gefällt. Später werden dann, genau wie bei den Bonsai, die schönsten Steine auf Ausstellungen prämiert*9..

Präparation
    Ist unser Suiseki erst einmal zu Hause, so ist über die Art und Weise seiner Präsentation nachzudenken*10., um seine Vorteile ins rechte Licht zu rücken. Zunächst einmal wird der Stein unter einem Wasserstrahl gereinigt (ideal dafür sind die Hochdruckreiniger)*11., um den Staub und die Bodenreste vollständig aus allen möglichen Spalten zu entfernen. Nebenbei können wir so die wirklichen Farben des Steines erkennen. Ist der Stein glatt, so kann man ihn auf traditionelle japanische Art behandeln. Das heißt, man poliert ihn mit dem natürlichen Fett der menschlichen Haut durch tägliches Reiben mit der Hand über Jahre oder Jahrzehnte hinweg*12..
    Man kann aber auch weniger orthodoxe Methoden anwenden, wie das wiederholte Auftragen von Öl*13., das sich mit dem Lagern der Steine in der Sonne abwechselt. Möglich ist aber auch, eine feine Wachsschicht aufzutragen, um dann durch Reiben keine hochglänzende Fläche*14., sondern eine leichte Patina zu erhalten, die dem Stein einen natürlichen Charme verleiht. Je nach Struktur des Steins kann es angeraten sein, diesen vorab mit einer feinen, weichen Metallbürste abzuschrubben, die allerdings keine Spuren hinterlassen darf. Andere Steine wiederum sollten aufgrund ihrer rauhen und ausgewaschenen Struktur nicht behandelt und nach dem Waschen, so wie sie sind, präsentiert werden. Dai ist die Kurzform für Daiza

Präsentation
   Traditionell wird der Suiseki auf zwei verschiedenen Unterlagen ausgestellt.
   Die erste Unterlage ist der Suiban, eine Schale, ähnlich wie sie für Bonsaiwälder verwendet wird. Sie ist flach und hat keine Löcher. Ein Suiban kann rechtwinkelig, oval oder rund sein, was ganz von dem auszustellenden Suiseki abhängt. Meist sind sie aus Keramik, die schönsten Suiban aber sind aus Kupfer oder sogar Bronze*15.. Für die Präsentation wird der Boden des Suiban mit einer Schicht feinen Sandes*16. bedeckt, in die der Suiseki eingebettet wird. Manchmal wird je nach der Landschaft, die dargestellt werden soll, statt Sand auch Wasser verwendet.
    Eine andere Form der Ausstellung eines Suiseki ist der Dai*17., eine Art Podest aus Holz, der in seinen Maßen dem Stein angepasst ist. Um die Herstellung dieser Dai soll es im Folgenden gehen.

 

 

 

 

 

 

 

1. „Betrachtungssteine“ ist eine typisch amerikanische Bezeichnung, die der asiatischen Bedeutung der Steinverehrung nicht gerecht wird. Suiseki ist dagegen die Kurzform einer verhältnismäßig jungen japanischen Bezeichnung (erst 150 Jahre alt) für solche Steine. Aus der Wortverbindung Berg, Wasser, Szene (Landschaft), Sediment, Stein hat man die Schriftzeichen für Wasser und Stein zu dem Wort Suiseki (Sui = Wasser, Seki = Stein) zusammengefügt. Diese Wortschöpfung wird jedoch der wahren Bedeutung der Suisekikunst nicht gerecht.
2. Unter dem Begriff Qualität sind nach japanischer Auffassung folgende Eigenschaften zusammengefasst: 1. Form, Gestalt, Suggestivkraft, Balance des Steins 2. Härte, mineralische Eigenschaften des Steins 3. Farbe, Textur, Oberfläche des Steins 4. Alter, Charakter, Reife, Patina des Suiseki 5. Form, Größe und Farbe von Daiza, Suiban oder Doban im Verhältnis zum Stein. Diese Eigenschaften werden im asiatischen Raum von den Fachleuten sehr streng beachtet. Außerdem gibt es eine umfangreiche Klassifikation der Stilarten für Suiseki.
3. Die Begriffe „weich“ und „hart“ sind irreführend. Diamant ist ein sehr harter Stein, für Suiseki jedoch vollkommen ungeeignet. Das Gleiche gilt für die ebenfalls sehr harten Steine Rubin, Saphir, Spinell,... Nur Gesteine der Kalk-, Basalt-, Quarz-, Serpentin- und der Gabbrogruppe sind im wesentlichen für Suiseki geeignet, sofern die übrigen Kriterien stimmen, die einen Suiseki ausmachen.
4. Welche Eigenschaften sind in dem Begriff „solide Basis“ zu sehen?
5. Bei Suiseki gibt es keine Mindest- oder Maximalgröße. Es gibt auch keinen „unteren Wert“, der sich an irgendeinem anderen Gegenstand zu orientieren hätte.
6. Das Maß „H“ sollte mindest fünfmal größer sein als die Dicke „D“eines Daiza.
7. Man unterscheidet zwischen Indoor- und Outdoorsuiseki. Outdoorsuiseki sind jedoch keine Gartensteine im üblichen Sinne.
8. Manche Japaner bevorzugen dunkle Steine der verschiedensten Farbgebungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur solche Steine besonders wertvoll sind. Die ganze Farbpalette des Regenbogens ist bei wertvollen Suiseki zu finden. Auch helle Quarze werden als Suiseki gesammelt. 9. Den schönsten Stein einer Ausstellung zu finden, ist äußerst schwer. Daher werden Prämierungen gerade im japanischen Raum oftmals nach politischen Gegebenheiten vorgenommen. Die Ästhetik steht jedoch immer im Vordergrund.
10. Zuerst wird ein Stein gereinigt und nach Fehlern untersucht. Erst wenn ein Stein als Suiseki geeignet erscheint, macht man sich Gedanken über die beste Präsentation.
11. Hochdruckreiniger können nur (!!!) von Fachleuten bei harten Gesteinsarten zur Reinigung sinnvoll eingesetzt werden. Für den allgemeinen Fall scheidet diese Methode aus verschiedensten Gründen (auch sicherheitstechnischer Art) aus.
12. Steine für Suiseki werden nicht poliert. Das Reiben der Steine mit der Hand ergibt nach Jahren einer solchen Behandlung eine gewisse „Patina“, die sehr beliebt ist.
13. Das wiederholte Auftragen von Öl sollte sollte in jedem Fall vermieden werden! Nur im äußersten Fall kann Öl zu einer speziellen Reinigungsmaßnahme von einen Fachmann an harten Steinen eingesetzt werden. Ich habe schon sehr viele geölte Steine gesehen, die durch das Ölen vollkommen wertlos geworden sind.
14. Für eine Behandlung eines Steins mit Wachs gilt im grunde genommen die gleiche Aussage wie für eine Behandlung mit Öl. Wachs sollte nicht zur Erzeugung einer „Patina“ verwendet werden! 15. Die Aussage „Die schönsten Suiban sind aus Kupfer oder Bronze“ ist falsch. Das Wort „Suiban“ ins Deutsche übersetzt bedeutet „Wasserschale“, wobei diese Bezeichnung nur für Keramik- oder Lackschalen benutzt wird. Bronze- oder Metallschalen nennt man „Doban“. 16. In Suiban oder Doban wird kein Sand eingefüllt, sondern ein gewaschenes Granulat mit einer bestimmten Korngröße. Die Korngröße des Granulats ist abhängig von der Höhe des Steins, der in das Granulat gestellt werden soll.
17. „Dai“ ist die Kurzform für „Daiza“. Ein Daiza ist ein kunstvolll gefertigter Holzsockel für einen Stein.


Die Herstellung eines Dai

Das Zeichnen der Kontur auf Holz

   Schon vor langer Zeit sind mir die schönen, japanischen Suiseki aufgefallen, die man in Büchern und Zeitschriften sehen kann. Die Herstellung eines Dai scheint aber erst einmal nicht so nahe zu liegen, da sie sehr kompliziert zu sein scheint. In Wirklichkeit ist das aber gar nicht der Fall*18. Ich habe noch nie mit Holz gearbeitet oder sonst wie modelliert und dennoch sind einige der Dai, die ich gemacht habe, zwar keine Kunstwerke, aber durchaus brauchbar geworden.
    Ich habe mit einem schönen Stein angefangen, den ich eines Tages bei einem Spaziergang durch Ampurdan gefunden habe. Aus irgendeinem Grund hatte ich mich dazu entschlossen, es zu versuchen, und bin durch das Ergebnis sehr ermutigt worden. Natürlich habe ich nach einiger Zeit Fortschritte gemacht, und die letzten Dai sind ein ganzes Stück besser geworden, auch wenn ich noch eine Menge zu lernen habe. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, um auch anderen Mut zu machen. Es ist eine sehr dankbare Arbeit! Zu Beginn braucht man als Mindestausstattung ein Stück Holz, einige Werkzeuge und ein wenig Geduld.

Das Holz
   
Was das Holz betrifft, so gehen wir von einem 1,5 bis 2 cm dickem Brett aus. Das Holz kann Buche, Eiche*19, Kirsche oder auch anderes eher feinfaseriges Holz sein. Eigentlich ist die Holzsorte egal*20, aber ich bevorzuge eine Holzsorte ohne zu starke Maserung. Auch wenn ich die ersten Dai aus Kiefernholz gemacht habe, habe ich die Koniferen wegen ihrer starken Maserung schon bald verlassen. Je härter das Holz ist, um so schwieriger ist es zu bearbeiten*21, aber um so schöner sind auch die Ergebnisse. Sobald wir das Holzstück haben, stellen wir den Stein darauf, um die Kontur mit einem Bleistift aufzuzeichnen. Der Strich muss so eng wie möglich um den Stein gezogen werden, da hiervon die genaue, spätere Fassung des Steins abhängt. Zuviel Spiel hinterlässt einen schlechten Eindruck.
   Danach wird das Holz mit Zwingen auf dem Arbeitstisch befestigt und mit Hohlmeißeln das Basrelief geschnitzt. Für den Anfang gebraucht man mindestens zwei Hohlmeißel, einen mit halber Schaftbreite von rund 1 cm und einen sehr viel schmaleren Hohlmeißel oder Stichel. Bald werden Sie sehen, dass die Qualität dieser Werkzeuge außerordentlich wichtig ist, vor allem von einer bestimmten Holzhärte an. Wichtig ist außerdem das Schärfen der Schneidkanten. Das Werkzeug sollte professionell sein. Natürlich ist es um so besser, je genauer der Stein in das Holz passt, aber zu wenig ist immer besser als zu viel*22.

Komplizierte Unterseite

    Aus diesem Grund sollte man ausprobieren, wo der Stein aufsetzt, um diese Stelle mit Bleistift zu markieren und sie dann abzuarbeiten. Wir arbeiten so weiter, bis der Stein perfekt sitzt. Sitzt der Stein gut, so geht das ihn einfassende Stück beim Anheben in der Regel mit. Die Mindesttiefe ist 2 bis 3 mm, hängt aber letztlich von der Basis des Steines ab. Jetzt können wir sehen, warum eine möglichst glatte Unterseite des Steines so wichtig ist: Das Bearbeiten des Holzes ist dann relativ einfach.
    Sollte dies nicht der Fall sein, so müssen wir sehen, was die beste Lösung ist. Möglich ist, das Holz entsprechend der Unterseite des Steines zu bearbeiten oder den Stein abzusägen*23. Dadurch verliert er allerdings an Wert. Wie man sich entscheidet, hängt von der zu entfernenden Masse und dem Steintyp ab. Geht es nur um Millimeter, so ist es vernünftiger, das Holz abzuarbeiten. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich bemale den herausstehenden Teil des Steins mit Bleistift, und beim Aufsetzen auf das Holz werden so die Berührungspunkte markiert. Man kann auch einen Abdruck machen. Wenn das herausstehende Stück aber so groß ist, das es vom Dai unmöglich aufgenommen werden kann, dann ist es unter Umständen angebracht, den Stein mit einer Diamantscheibe zu schneiden*24. Natürlich kann man einwenden, dass der Stein dann erheblich an Wert verliert. Und? Ist der Sitz fertig, zeichnen wir eine weitere Linie parallel in 5mm Abstand um die vorherige, die unsere Schnittlinie ist. Mit einer Stichsäge, einem Fuchsschwanz oder einer Bandsäge sägen wir diese Linie entlang. Ist der Dai ausgeschnitten, zeichnen wir die Füße auf. Für die Positionierung der Füße schauen wir, welche Bereiche des Steins am weitesten aus dem Profil herausstehen. Diese entsprechen meist den optischen Schwerpunkten. An diesen Stellen, auf denen das Gewicht des Steines zu ruhen scheint, versuchen wir die Füße, vernünftig verteilt, aber nicht symmetrisch, aufzuzeichnen. Damit sie uns die Arbeit hinterher nicht erschweren, sollten sie nicht zu eng zusammenstehen. Natürlich ist drei das Minimum und für den ersten Versuch empfehlenswert, weil der Dai dann immer einen guten Stand hat. Später wird es uns selber danach verlangen, die Anzahl der Füße zu erhöhen.
    Sind die Stellen, an die die Füße gesetzt werden sollen, einmal bestimmt, so arbeiten wir den Dai mit einem Hohlmeißel an der unteren Seite weiter aus und lassen dabei die für die Füße vorgesehenen Stellen aus. Viel muss nicht abgearbeitet werden, denn hierdurch bestimmen wir die Höhe der Füße*25: Wenn der Dai niedrig ist, wird die Höhe der Füße entsprechend gering sein. Das Wichtige sollte nicht der Dai, sondern der Suiseki sein. Besonders hilfreich ist, wie immer, möglichst viele Fotos japanischer Modelle zu sehen.
    Nach dem Fertigstellen des unteren Teils beginnen wir, die äußeren Kanten unten und oben zu schleifen. Um die dicksten Bereiche grob zu bearbeiten, ist ein Bandschleifer sehr nützlich. Sobald wir aber nahe an der endgültigen Form sind, müssen wir mit der Hand schmirgeln. Das tun wir zuerst mit gröberem und dann mit immer feinerem Papier, um zuletzt Aluminiumfasern*26 einzusetzen. Damit keine Holzsplitter angehoben werden, muss immer in Richtung Maserung geschmirgelt werden.
    In dem Maße, in dem das Stück Form annimmt, müssen wir mit dem Ausarbeiten der Füße beginnen. Hierzu brauchen wir den Hohlmeißel wieder. Innen und außen entfernen wir gleichviel Material. Gerade an den Füßen lässt sich feststellen, ob ein Dai mit dem Hohlmeißel geschnitzt worden ist oder ob mechanische Werkzeuge benutzt worden sind. Viereckige Füße sind nicht gerade eine Augenweide. Ebenso das getrennte Herstellen der Füße und das spätere Ankleben*27 schadet der Qualität. Auch, wenn man mehrere Arbeitsstunden sparen könnte, die Mühe, die Füße aus dem Brett herauszuarbeiten, lohnt sich immer.
    Beim Schnitzen der Füße müssen wir zumindest eine Vorstellung davon haben, wo wir hinwollen. Man sollte das Ergebnis vor Augen haben und sehen, was entfernt werden muss: Kanten werden geschmirgelt und das Basrelief mit dem Hohlmeißel ausgeschnitten. Ich helfe mir meist, indem ich mit Bleistift eine Linie mit einem festen Abstand von zum Beispiel 5 mm zum Boden zeichne, um dann mit einer Metallsäge dort eine Furche zu schneiden, wo ich Material abnehmen will. Danach ist die Arbeit mit dem Hohlmeißel viel leichter.
    Mit feinster Polierwolle geben wir dann dem fertigen und geschmirgelten Dai den letzten Schliff*28. Je mehr das Holz poliert*29 wird, desto besser ist hinterher der Endzustand.
    Nach dem Schleifen und Polieren müssen wir an den Anstrich denken. Soll das Holz durchsichtig lackiert werden oder will man die Farbe ändern? Der Markt hält verschiedene Lacke*30 und Farben bereit. Ich verwende Anilinfarben, die es in verschiedenen Tönen gibt und die entweder in Wasser oder Alkohol löslich sind. Letztere trocknen schneller, weshalb ich sie empfehle. Vor allem, wenn wir wasserlösliche Farben verwenden, sollten wir den Dai nicht zu dick lasieren, damit er sich beim Trocknen nicht verzieht und dann der Stein eventuell nicht mehr passt*31. Der erste Auftrag sollte sehr dünn sein, um dann nach dem Trocknen notfalls noch eine zweite oder dritte Schicht aufzubringen. Zumindest die ersten Male sollte man auch auf einem nicht mehr benötigten Stück Holz eine Farbprobe machen. Auf einem Reststück können wir die Farbe trocknen lassen und dann erneut lackieren, um das Ergebnis zu sehen.

Die Formung ist vollendet

    Nach dem Färben des Dai bringe ich wenigstens zwei Schichten eines hochwertigen Mittels zum Verschließen der Poren auf. Nach dem ersten Auftrag lässt man das Ganze trocknen und schmirgelt ein wenig mit Stahlwolle, um die Farbe nicht zu entfernen. Für das Endlackieren empfehle ich nach einigen Tests mit einem Stoffknäuel aufgetragenen Gummilack*32. Nach der Fertigstellung erinnert das Ergebnis an das Aussehen alter Möbel. (Das Stoffknäuel besteht aus Watte, die in ein Tuch eingewickelt wurde.) Aufgetragen werden feine Schichten die jeweils leicht angeschliffen werden. Am besten ist es immer, den Anweisungen des Herstellers zu folgen. Nach der letzten Schicht kann der Glanz bestimmt werden: Soll es etwas mehr sein, so kann mit einem Tuch gerieben werden, soll es etwas weniger sein, kann man leicht schmirgeln*33. Versuchen Sie es, Sie werden viel Freude daran haben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18. Die Anfertigung eines Daiza sollte sehr sorgfältig mit hoher Präzision vorgenommen werden. Non-professionell gefertigte Daiza kann man mit den „5-DM-Bonsai“ aus Supermärkten gleichsetzten.


 

19. In Europa sollte man schöne Hölzer von Obstbäumen und einigen Laubbäumen zur Anfertigung von Daiza verwenden. Buche, Eiche und Nadelhölzer sind zur Anfertigung eines Daiza praktisch ungeeignet. „Zu einem edlen Stein gehört ein schöner Daiza aus edlem Holz.“ Das ist ein häufig benutztes Zitat meinerseits.
20. Wie man aus dem vorhergehenden Abschnitt ersehen kann, ist die Holzsorte nicht (!!!) „egal“. Es sollten nur hochwertige Hölzer verwendet werden.
21. Die Methode der Herstellung und die Art der verwendetenWerkzeuge haben großen Einfluss auf das Ergebnis bei der Herstellung eines Daiza. Nur erstklassische Profiwerkzeuge und professionelles Handeln lassen gute Ergebnisse erwarten.
22. Dieser Satz ist irreführend: „Der Stein muss so weit in das Holz eingepasst werden, wie dies aus ästhetischen gründen erforderlich ist.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

23. Von asiatischen und europäischen Ästheten wird das Absägen eines Steins abgelehnt.

 

 


24. Nur wenn eine sehr kleine Spitze an der Unterseite des Steins störend wirkt, könnte man eventuell den Stein an dieser Stelle bearbeiten. „Suiseki sind nur durch die Natur geformte Steine.“

 

 

 

 

 


25. Die Art der Füße eines Daiza sind durch die Stilart des Daiza festgelegt.

 

26. Aluminiumfasern sind zu weich, um eine gezielte Holzbearbeitung hoher Güte zu erreichen.

 

27. In der Regel werden die Füße eines Daiza aus dem massiven Holz herausgearbeitet und nicht angeklebt. Es gibt lediglich eine Ausnahme. Dies ist bei einem Daiza im Jiangnan-Stil der Fall.

28. Im Gegensatz zu der Beschreibung im Artikel muss vor dem letzten Schliff das Holz erst einmal befeuchtet werden, anschließend getrocknet und dann mit einem sehr scharfen, feinen Schleifmittel behandelt werden.

29. Bei diesem Fertigungsstand spricht man von Schleifen.

 

30. Man verwendet Beizen, Lacke, Lasuren, Polituren, Öle, Wachse, ... zur Oberflächenbehandlung des Holzes.


31. Bei fachgerechter Behandlung verzieht sich ein Daiza während der Oberflächenbehandlung nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

32. „Gummilack“ ist keine fachgemäße Bezeichnung.


33. Bei diesem Fertigungsstand sollte man nicht mehr Schmirgeln. Man sollte dagegen eine andere sinnvolle Methode wählen.