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*6.
Einleitung
Suiseki nennt man Betrachtungssteine*1.,
die nicht zu groß sind, um per Hand transportiert und ausgestellt zu werden.
Sie sind manchmal Begleiter eines Bonsai. Oft sind sie eigenständige Ausstellungsstücke,
die uns durch ihre Farbe, Form und Struktur an etwas erinnern: an ein
Gebirge, eine Insel, eine Landschaft, eine Kaskade, ein Tier, eine menschliche
Figur oder auch eine Hütte. Zusammengefasst sind Suiseki Steine, die etwas
in uns anregen, das uns zumindest neugierig macht. Im Prinzip versucht
ein Suiseki, wird er von einem Bonsai begleitet, einen Teil der Natur
darzustellen, in dem beide Elemente ein harmonisches Ganzes bilden.
Die Qualität eines Suiseki hängt von einer Reihe von
Eigenschaften ab, die nicht so stark reglementiert sind, wie die Stilformen
im Bonsai. Auch wenn diese Eigenschaften nicht Gegenstand dieses Artikels
sind*2., so sollte doch nicht unerwähnt bleiben, dass ein weicher
Stein zum Beispiel weniger geschätzt wird als ein harter und ein dunkler
mehr als ein heller*3.. Denjenigen, die mit diesem Hobby erst beginnen,
und an sie ist dieser Artikel gerichtet, möchte ich sagen, dass man überall
schöne Steine finden kann. Wir müssen uns bei unseren Spaziergängen nur
daran gewöhnen, mit einem suchenden Blick auf Steine zu achten. Insbesondere
gilt es, eine solide Basis zu finden*4., die den Stein im Gleichgewicht
hält. Ist die Unterseite ganz flach, so ist dies besonders günstig, da
uns später, wie wir noch sehen werden, eine flache Basis die Präsentation
erheblich erleichtert.
Was die Größe von Suiseki betrifft, so gibt es eine
Mindest- und eine Maximalgröße*5.. Als Mindestgröße können wir
einen Stein von 4 oder 6 cm betrachten. Dieser untere Wert orientiert
sich an der Funktion, einen Bonsai im Rahmen eines ausgewogenen Gesamteindrucks
zu begleiten. Wie klein auch immer der Mame sein mag, den der Suiseki
begleiten soll, dieses Maß ist eigentlich kaum zu unterschreiten. Es gibt
auch Auffassungen, die mindestens von der Größe eines Schmuckstückes oder
eines Anhängers ausgehen. Von dem Gesagten sind aber zwei Ausnahmen zu
machen: Erstens habe ich sehr wohl schon interessante, ungefähr 2 cm große
Miniaturen gesehen, die eine Ausstrahlung hatten. Zweitens sollte klar
sein, dass es bei einem Hobby um das persönliche Vergnügen geht. Ein 4,
3 oder auch 2 cm großer Stein muss, wenn er einem denn gefällt, keinem
vorgegebenen Maß entsprechen oder sich in anderer Weise rechtfertigen.
Das obere Maß hingegen bestimmt sich sehr schnell durch
das Gewicht. Wenn wir einen Stein gefunden haben, müssen wir ihn ja noch
zum Auto tragen! Als Orientierung sind 40 oder 50 cm völlig ausreichend.
Suiseki sind nicht mit für den Garten bestimmten Steinen zu verwechseln*7..
Die Größe muss also jeder für sich selbst bestimmen. Am häufigsten sieht
man Suiseki zwischen 10 und 20 cm. Wenn wir einen Stein, der unsere Neugier
erweckt, gefunden haben, suchen wir seine natürliche Basis und drehen
ihn vor unseren Augen, so wie wir dies auch bei einem Bonsai machen würden,
und versuchen, die beste Ansichtsseite zu finden. Danach bewerten wir
die übrigen Eigenschaften oder Fehler des Steines. Hierbei sollten wir
durchaus kritisch sein:
Die Struktur sollte kompakt und nicht bröselig sein.
Die Ecken sollten nicht scharfkantig sein, also natürliche Erosion zeigen.
Der Stein sollte keine Risse haben, die zum Zerbrechen führen könnten.
Schöner sind dunkle Farben (helle Quarze vermeiden)*8.,
allerdings können weiße Adern oder Flecken sehr interessant und nützlich
sein, wenn sie Schnee, einen Wasserfall, Blumen oder anderes andeuten.
Die Struktur kann glatt oder rauh sein. Glatte Steine
sollten einen natürlichen Glanz haben, können aber auch im Laufe der Jahre
diese geschätzte Qualität bekommen. Sehr begehrt sind auch faltige Strukturen
und matte Farben mit einer Vielzahl von Vertiefungen und Auswaschungen.
Aber, um es noch einmal zu sagen, das Wichtigste ist,
dass Suiseki uns etwas vermitteln, dass die Formen ausgewogen sind und
dass der Stein uns ein Gefühl von Ernst und Gelassenheit gibt. Wichtig
ist natürlich, dass er seinem Besitzer gefällt. Später werden dann, genau
wie bei den Bonsai, die schönsten Steine auf Ausstellungen prämiert*9..
Präparation
Ist unser Suiseki erst einmal zu Hause, so ist über
die Art und Weise seiner Präsentation nachzudenken*10., um seine
Vorteile ins rechte Licht zu rücken. Zunächst einmal wird der Stein unter
einem Wasserstrahl gereinigt (ideal dafür sind die Hochdruckreiniger)*11.,
um den Staub und die Bodenreste vollständig aus allen möglichen Spalten
zu entfernen. Nebenbei können wir so die wirklichen Farben des Steines
erkennen. Ist der Stein glatt, so kann man ihn auf traditionelle japanische
Art behandeln. Das heißt, man poliert ihn mit dem natürlichen Fett der
menschlichen Haut durch tägliches Reiben mit der Hand über Jahre oder
Jahrzehnte hinweg*12..
Man kann aber auch weniger orthodoxe Methoden anwenden,
wie das wiederholte Auftragen von Öl*13., das sich mit dem Lagern
der Steine in der Sonne abwechselt. Möglich ist aber auch, eine feine
Wachsschicht aufzutragen, um dann durch Reiben keine hochglänzende Fläche*14.,
sondern eine leichte Patina zu erhalten, die dem Stein einen natürlichen
Charme verleiht. Je nach Struktur des Steins kann es angeraten sein, diesen
vorab mit einer feinen, weichen Metallbürste abzuschrubben, die allerdings
keine Spuren hinterlassen darf. Andere Steine wiederum sollten aufgrund
ihrer rauhen und ausgewaschenen Struktur nicht behandelt und nach dem
Waschen, so wie sie sind, präsentiert werden. 
Präsentation
Traditionell wird der Suiseki auf zwei verschiedenen
Unterlagen ausgestellt.
Die erste Unterlage ist der Suiban, eine Schale, ähnlich
wie sie für Bonsaiwälder verwendet wird. Sie ist flach und hat keine Löcher.
Ein Suiban kann rechtwinkelig, oval oder rund sein, was ganz von dem auszustellenden
Suiseki abhängt. Meist sind sie aus Keramik, die schönsten Suiban aber
sind aus Kupfer oder sogar Bronze*15.. Für die Präsentation wird
der Boden des Suiban mit einer Schicht feinen Sandes*16. bedeckt,
in die der Suiseki eingebettet wird. Manchmal wird je nach der Landschaft,
die dargestellt werden soll, statt Sand auch Wasser verwendet.
Eine andere Form der Ausstellung eines Suiseki ist
der Dai*17., eine Art Podest aus Holz, der in seinen Maßen dem
Stein angepasst ist. Um die Herstellung dieser Dai soll es im Folgenden
gehen.
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1. „Betrachtungssteine“ ist eine
typisch amerikanische Bezeichnung, die der asiatischen Bedeutung der Steinverehrung
nicht gerecht wird. Suiseki ist dagegen die Kurzform einer verhältnismäßig
jungen japanischen Bezeichnung (erst 150 Jahre alt) für solche Steine.
Aus der Wortverbindung Berg, Wasser, Szene (Landschaft), Sediment, Stein
hat man die Schriftzeichen für Wasser und Stein zu dem Wort Suiseki (Sui
= Wasser, Seki = Stein) zusammengefügt. Diese Wortschöpfung wird jedoch
der wahren Bedeutung der Suisekikunst nicht gerecht.
2. Unter dem Begriff Qualität sind nach japanischer Auffassung folgende
Eigenschaften zusammengefasst: 1. Form, Gestalt, Suggestivkraft, Balance
des Steins 2. Härte, mineralische Eigenschaften des Steins 3. Farbe, Textur,
Oberfläche des Steins 4. Alter, Charakter, Reife, Patina des Suiseki 5.
Form, Größe und Farbe von Daiza, Suiban oder Doban im Verhältnis zum Stein.
Diese Eigenschaften werden im asiatischen Raum von den Fachleuten sehr
streng beachtet. Außerdem gibt es eine umfangreiche Klassifikation der
Stilarten für Suiseki.
3. Die Begriffe „weich“ und „hart“ sind irreführend. Diamant ist ein sehr
harter Stein, für Suiseki jedoch vollkommen ungeeignet. Das Gleiche gilt
für die ebenfalls sehr harten Steine Rubin, Saphir, Spinell,... Nur Gesteine
der Kalk-, Basalt-, Quarz-, Serpentin- und der Gabbrogruppe sind im wesentlichen
für Suiseki geeignet, sofern die übrigen Kriterien stimmen, die einen
Suiseki ausmachen.
4. Welche Eigenschaften sind in dem Begriff „solide Basis“ zu sehen?
5. Bei Suiseki gibt es keine Mindest- oder Maximalgröße. Es gibt auch
keinen „unteren Wert“, der sich an irgendeinem anderen Gegenstand zu orientieren
hätte.
6. Das Maß „H“ sollte mindest fünfmal größer sein als die Dicke „D“eines
Daiza.
7. Man unterscheidet zwischen Indoor- und Outdoorsuiseki. Outdoorsuiseki
sind jedoch keine Gartensteine im üblichen Sinne.
8. Manche Japaner bevorzugen dunkle Steine der verschiedensten Farbgebungen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass nur solche Steine besonders wertvoll sind.
Die ganze Farbpalette des Regenbogens ist bei wertvollen Suiseki zu finden.
Auch helle Quarze werden als Suiseki gesammelt. 9. Den schönsten Stein
einer Ausstellung zu finden, ist äußerst schwer. Daher werden Prämierungen
gerade im japanischen Raum oftmals nach politischen Gegebenheiten vorgenommen.
Die Ästhetik steht jedoch immer im Vordergrund.
10. Zuerst wird ein Stein gereinigt und nach Fehlern untersucht. Erst
wenn ein Stein als Suiseki geeignet erscheint, macht man sich Gedanken
über die beste Präsentation.
11. Hochdruckreiniger können nur (!!!) von Fachleuten bei harten Gesteinsarten
zur Reinigung sinnvoll eingesetzt werden. Für den allgemeinen Fall scheidet
diese Methode aus verschiedensten Gründen (auch sicherheitstechnischer
Art) aus.
12. Steine für Suiseki werden nicht poliert. Das Reiben der Steine mit
der Hand ergibt nach Jahren einer solchen Behandlung eine gewisse „Patina“,
die sehr beliebt ist.
13. Das wiederholte Auftragen von Öl sollte sollte in jedem Fall vermieden
werden! Nur im äußersten Fall kann Öl zu einer speziellen Reinigungsmaßnahme
von einen Fachmann an harten Steinen eingesetzt werden. Ich habe schon
sehr viele geölte Steine gesehen, die durch das Ölen vollkommen wertlos
geworden sind.
14. Für eine Behandlung eines Steins mit Wachs gilt im grunde genommen
die gleiche Aussage wie für eine Behandlung mit Öl. Wachs sollte nicht
zur Erzeugung einer „Patina“ verwendet werden! 15. Die Aussage „Die schönsten
Suiban sind aus Kupfer oder Bronze“ ist falsch. Das Wort „Suiban“ ins
Deutsche übersetzt bedeutet „Wasserschale“, wobei diese Bezeichnung nur
für Keramik- oder Lackschalen benutzt wird. Bronze- oder Metallschalen
nennt man „Doban“. 16. In Suiban oder Doban wird kein Sand eingefüllt,
sondern ein gewaschenes Granulat mit einer bestimmten Korngröße. Die Korngröße
des Granulats ist abhängig von der Höhe des Steins, der in das Granulat
gestellt werden soll.
17. „Dai“ ist die Kurzform für „Daiza“. Ein Daiza ist ein kunstvolll gefertigter
Holzsockel für einen Stein.
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