25 Jahre Bonsai-Club Deutschland
12.-13. April 2003 in Hof/Saale

Text: Michael Kros Fotos: M. Kros u. T. Heyken


Die Jubiläumsausstellung des BCD wurde von Uwe Schulze Zumhülsen und dem Arbeitskreis Oberfranken ausgerichtet - keine leichte Aufgabe angesichts der schweren Zeiten, in denen sich der Club befindet: Einerseits wechselte der Vorstand kürzlich und steht vor einer Bewährungsprobe, andererseits - oder eben deshalb - ist die "Basis" im Engagement eher zurückhaltend. Die Anmeldungen von Ausstellungsbäumen waren dementsprechend eher dürftig, dennoch gelang es dem Organisationsteam, recht eindrucksvolle Exponate nach Oberfranken zu holen. Eine gesonderte Profiausstellung mit exzellenter Präsentation, von Harald Lehner ins Leben gerufen, ergänzte schließlich die Clubausstellung.

Mit der Wahl der Demonstratoren bewies Uwe Schulze Zumhülsen eine glückliche Hand. Takeo Kawabe als Headliner ist Ihnen gut bekannt, z.B. durch Beiträge in BONSAI ART 56 und 59. Er bot zwar keine besonders spektakulären Demonstrationen, verstand es jedoch, sein Wissen dem Publikum weiter zu geben.
Am Samstag arbeitete Kawabe an einem Chinesischer Wacholder, von den Japanern „Shimpaku“ genannt. Das Exemplar wurde von Uwe Schulze Zumhülsen in einem fränkischen Garten gefunden und ausgegraben. Besonders beeindruckend war der massige Stamm. Die Beastung hingegen war weniger gut ausgeprägt, sie beschränkte sich mehr oder weniger auf den Spitzenbereich, lediglich sehr kleine, schwache Zweige fanden sich im mittleren und unteren Drittel des Stammes.

 

Während der Gestaltung wurden verschiedene Möglichkeiten des Aufbaus und der Höhe des Baumes diskutiert. Kawabe ließ bis zuletzt offen, ob er sich vielleicht auf die unteren Äste zum Kronenaufbau beschränken würde. Es sei eine Möglichkeit, die oberen Äste dabei ganz zu entfernen. Dennoch entschied er sich im Verlauf dazu, die Krone aus den oberen Ästen zu gestalten. Später, so Kawabe, sei es immer noch möglich, die Krone aus den unteren schwachen Trieben zu formen. Ein Leittrieb wurde belassen, um den Baum zu stärken und die Wundheilung zu fördern.
Die extremen Biegungen wurden durch Raffiabast unterstützt. Dabei riet er, allmählich alle 2 Wochen die Äste um weitere 2-3 cm an den Stamm heranzuziehen. Insgesamt sollte der Baum noch deutlich kompakter werden. Der Gestalter hatte viele Äste erhalten, die möglicherweise später noch ihre Funktion erhalten würden.
Sehr zeitaufwändig war die Bearbeitung der Sharipartien (totes Holz am Stamm). Dazu wurde vor allem eine elektrische Kettensäge benutzt, mit der rasch die gewünschte Form des Stammes herausgearbeitet werden konnte. Michael Wilhelm und Udo Fischer assistierten nach den Vorstellungen des Meisters.
Zur weiteren Pflege sollte die Pflanze geschützt, z.B. in einem Folien- oder Glashaus kultiviert werden. Man müsse für eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen und nicht, so zunächst als Übersetzungsfehler übermittelt, viel gießen. Es bedürfe eigentlich keiner großen Fachkenntnis, man solle sich nur vergegenwärtigen, welchen Bedingungen die jeweilige Pflanzenart an ihrem natürlichen Standort ausgesetzt sei. Die Shimpaku stammen aus den Bergen, dort gebe es viel Nebel, es regne dort auch recht viel, doch sei insbesondere die Luftfeuchtigkeit von Bedeutung.
Demonstrationen dieser Art seien, so der Gestalter, jedoch nicht das Entscheidende, die eigentliche Arbeit beginne erst nach der Grundgestaltung und sei mindestens genau so wichtig.

Nach dem Ende der Gestaltung fanden wir die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Kawabe. Er war begeistert, eine seiner Gestaltungen in der Ausgabe 56 unserer Zeitschrift zu sehen. Derartige Beiträge seien sehr wichtig, da man die Entwicklung der Gestaltungen über einen langen Zeitraum zeigen könne, viel mehr als in einer Vorführung. Die in BONSAI ART 56 beschriebene Art und Weise, aus einem einzigen Baum durch Pfropfen und Abmoosen mehrere Bonsai zu entwickeln, schien ihn besonders zu begeistern. Auf der Bühne skizzierte er ein Gestaltungsbeispiel dieser Art und erläuterte die in seinen Augen einfachen Techniken.
Kawabe präsentierte sich als sehr sympathische Persönlichkeit, er ging auf Publikumsfragen ein und gab sich große Mühe, sein Wissen weiter zu geben. Wer die gesamte Gestaltung verfolgt hatte, konnte viel Know how für seine tägliche Arbeit an den eigenen Bäumen mitnehmen.

Die Abendveranstaltung am Samstag war kulinarisch gelungen. Das musikalische Rahmenprogramm bestritt die weibliche Trommelgruppe "Ten Tekko". Sie hatte keine Mühe, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die dargebotenen Rhythmen waren mitreißend. Eine Unterhaltung währenddessen war allerdings auch praktisch unmöglich. Die Stimmung war etwas überschattet durch einen traurigen Fehler in der Prämierung des Talentwettbewerbs. Der vermeintliche Gewinner musste leider seinen Titel zurück geben, da es bei der Numerierung und Auswertung der Gestaltungen wohl ein Zuordnungsmissverständnis gegeben hatte.

Ein imposanter Wacholder, bearbeitet von Takeo Kawabe (re.) sowie seinen Assistenten Udo Fischer (li.) und Michael Wilhelm
Grobe Gestaltung der Sharipartien mit Wurzelzange ...
... und Kettensäge
Feinarbeiten mit der rotierenden Drahtbürste. Udo Fischer umwickelt einen Ast mit Raffiabast als Vorbereitung zur Biegung
Publikumsfragen wurden ausführlich beantwortet
Die vorläufige Krone ist formiert. Gut sichtbar sind die Raffiabandagen zum Schutz der Rinde beim Biegen
Letzte Korrekturen
Ende der Grundgestaltung. Das Ergebnis erscheint noch nicht "fertig", soll es aber auch nicht sein. Kawabe betonte, dass die weitere Pflege und die folgende Feinarbeit besonders wichtig seien. Bemerkenswert ist der belassene Leittrieb zur Kräftigung. Im Bild auch Moderator Walter Pall und die Übersetzerin
Rahmenprogramm: die Trommelgruppe "Ten Tekko"
Eibe (Taxus baccata), Michael Wilhelm, AK Illertissen, ca. 25 Jahre, Preis der Jury
Moorkiefer (Pinus uncinata), Vaclav Novak (Tschechische Republik), ca. 90 Jahre, Preis der Jury
Fichte (Picea abies), Harald Lehner, AK Hofstetten, ca. 100 Jahre, Preis der Jury
Shohin-Komposition, Joachim Sichma, AK Bonsai am Rübenberge, Preis der Jury
Azalee (Rhododendron indicum), Joachim Sichma, AK Bonsai am Rübenberge, ca. 28 Jahre, Preis der Jury
Blauregen (Wisteria spec.), Manfred van Eick, AK Düsseldorf, ca. 40 Jahre
Fächerahorn (Acer palmatum „Seigen“), Alfred Dorfmeister, ca. 45 Jahre
   
Bitte beachten Sie auch die Bilder der
Sonderausstellung von Harald Lehner
 
   
Teil 2