Sakka-ten - Autumn Trees
06.11. - 07.11.2004

Fotos u. Text: M. Kros u. T. Heyken

Dieser Artikel ist erschienen in BONSAI ART 69, Seite 72

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Die Nippon Bonsai Sakka Kyookai Europe (NBSKE) lud nach Wiesloch zur Sakka-ten. Was ist das für eine Organisation, deren Name selbst Geübten und Geweihten nicht ohne weiteres über die Zunge geht und in den Festreden für höchst konzentrierte Gesichter sorgte?
Die Nippon Bonsai Sakka Kyookai Europe ist der europäische Zweig der japanischen Bonsai
künstlervereinigung, die sich zum Ziel setzt, die Gestalter zu vereinen, die von der Bonsaikunst beseelt sind und bereit sind, ihr Leben dieser Kunst zu widmen und sich von ihr leiten zu lassen. Die meisten Mitglieder sind in Italien zu finden, in Deutschland gibt es nur drei. Von diesen übernahm einer die Aufgabe, das Palatin-Kongresshotel in Wiesloch zu einer standesgemäßen Ausstellungsstätte werden zu lassen: Udo Fischer.

Obwohl das Gebäude nicht von vornherein darauf schließen lässt, dass hier stilvoll und effektiv Bonsai ausgestellt werden könnten, haben Udo Fischer und sein Team vom AK Heidelberg und AK Mannheim diesen Spagat zwischen Kunst mit lebenden Wesen und 80er Jahre-Architektur gemeistert. Dazu noch haben sie während der sehr gut besuchten Ausstellung für eine freundliche, angenehme Stimmung gesorgt. Dies wurde auch von Othmar Auer, dem Vorsitzenden der NBSKE, und Tomio Yamada, dem Vorsitzenden der Nippon Bonsai Sakka Kyookai, gewürdigt.
Begrüßt wurden die Gäste in der Eingangshalle von einer massiven Quitte in einer Tokonoma, die beim Publikum für einiges Aufsehen sorgte. Aber es sollte nicht der einzige Hingucker bleiben. Im Ausstellungsraum, der die Form eines einseitig verglasten Achtelkreises hatte, standen noch mehrere Tokonoma mit extravaganten Bäumen und Suiseki, die durch die formvollendete Präsentation ihren ganzen Charme und ihre in jedem Fall einzigartige Wirkung entfalten konnten. Der einzige Wermutstropfen dieser Präsentationsform ist die schwierige Lichtführung in einer Tokonoma, die die seltener beachteten Rollbilder gut zur Geltung brachte, aber mit zunehmender Dunkelheit und dem dann doch zu schwachen Kunstlicht von außen die Wirkung abschwächte.
Dennoch ist es schön, Bonsai und Suiseki so präsentiert zu sehen, denn der meditative Charakter und die Konzentration auf eine Komposition macht die Identifikation auch für ungeübte Besucher leichter. Das wurde auch im Händlersaal klar, wo viele Gäste ihre drängenden Fragen loswurden und sich auch nicht scheuten, ihre Neugier in Form von kleinen Rohpflanzen, Schalen, Steinen oder Büchern nach Hause zu tragen.
Die restlichen Bäume wurden in einer durchbrochenen, der Raumform angepassten Linie aus 5 Tischen präsentiert, wobei jeder Baum auch hier genügend Platz hatte, um für sich zu sprechen. Und einige hatten wirklich etwas zu erzählen! Trotz der hohen Besucherzahlen war es möglich, jeden Baum ohne Stress zu betrachten - die Ausstellung wirkte durch die Präsentationsform immer leicht und bot von sich aus an, diese Wirkung aufzunehmen.
Die Demonstrationen von Hideo Suzuki, Mitbegründer der "Scuola d‘Arte Bonsai", Hisaaki Nogami, Chiharu Imai, unterstützt von europäischen Assistenten, verliefen im Sinne der NBSKE. Nicht das eilig hergestellte Endprodukt stand im Vordergrund, sondern das Streben nach Mochi-komi (Reife oder Kultivierungsniveau) und die Pflegeaspekte. Wobei es immer wieder erstaunlich ist, wie schnell aus einer geeigneten Rohpflanze etwas entsteht, dessen Weg klar und eindeutig in die Zukunft weist.