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Normalerweise sollte man einen
Bonsai nicht unbedingt vor den anderen Gartenpflanzen fotografieren.
Hier bildet die grüne Kulisse einen reizvollen Gegensatz
zu dem roten Ahorn
Jetzt ist es so weit: Die Azalee
blüht, der Ahorn ist perfekt, der Wacholder lässt
die Augen vor Stolz schwellen. Alles passt: die Farben der Blüten,
der Blätter, die Form der Krone, der Schale, des Stammes
wundervoll! Um diesen kostbaren Moment nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen, ist der Griff zur Kamera vielleicht eines
der ersten Dinge. Ein Foto und noch ein Foto, mal mit Blitz,
mal ohne, diese schöne Blüte noch und den Stammansatz.
Fertig! Ab zum Fotolabor oder zum Computer. Werden die Bilder
dann gezeigt, ist die Enttäuschung bei solchen Reaktionen
groß: Oh, hast du eine neue Mauer im Garten? Geht
der Baum oben noch weiter? Gibts den auch in scharf
? ...
Der unruhige Hintergrund stört.
Zudem ist er nicht wirklich schön
Sicher ein übertriebenes Szenario, aber dennoch nicht so
weit weg von der Realität, wie man glauben möchte.
Denn, obwohl die Werbung dieses gerne glauben macht, eine Kamera
egal welchen Typs, ob mit Film oder digital, sieht die Welt
anders als wir Menschen. Wo wir die Fähigkeit haben, uns
visuell zu konzentrieren, störende Dinge auszublenden,
starke Kontraste ohne technische Hilfsmittel schnell auszugleichen,
muß einer Kamera geholfen werden.
Sehen wir in der Realität einen schönen Baum in einer
edlen Schale, von dem wir auch noch jede Kleinigkeit erkennen,
sieht die Kamera im schlimmsten Fall eine schäbige Mauer
mit einem unscharfen Baum davor, der auf der einen Seite zu
hell und auf der anderen zu dunkel ist; die Schale ist auch
kaum zu erkennen, weil die edle Glasur spiegelt. Und weil es
doch relativ dunkel war, ist das alles auch noch ein bisschen
verwackelt. Dieses als Zusammenfassung der häufigsten Fehler
auf der technischen Seite, die allerdings auch am leichtesten
auszumerzen sind.
Alles auf diesem Bild arbeitet
gegen den Baum. Die Kontraste sind zu stark, die Farben lenken
ab und eine alte Fotoschale ist nicht der geeignete Standort
zur Präsentation
Bevor die Technik ins
Spiel kommt, sollte die Überlegung stehen, ob es dem Baum
und einem selber gerecht wird, wenn die Präsentation nicht
der Qualität der Pflanze entspricht. Schon eine große
blaue oder graue Pappe ohne Flecken im Hintergrund kann dem
Baum einen würdigen Rahmen geben. Noch besser ist es, wenn
die Pappe (es kann auch fester Stoff sein), so großformatig
ist, dass Ihr Bonsai darauf stehen und diese dann nach oben
zu einer Hohlkehle geformt werden kann. Diese Konstruktion verleiht
dem Bild einen gleichmäßigen Hintergrund und gibt
ihm eine Dimension der Weite. So lässt sich auch ohne weitere
Hilfsmittel, zumindest in den hellen Monaten, ein befriedigendes
Bild erstellen.
Gesamtaufbau im Garten mit Pappe
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Wenn
es zur Hand ist, hilft hier ein Stativ ungemein. Ist der Baum
auf dem Hintergrund platziert, kann man mit einem Stativ den Bildausschnitt
genau festlegen, sich von der Kamera wegbewegen und noch Veränderungen
am Bild vornehmen (störende Erde entfernen, etc.), oder auch
sehr einfach mehrere Bäume hintereinander fotografieren.
Das Stativ sollte ausreichend stabil sein (was in den meisten
Fällen heißt, dass es ein ordentliches Gewicht aufweist),
gut verstellbare Beine haben, und der Kopf, auf dem die Kamera
letztendlich sitzt, sollte bequem verstellbar sein.
Hilfe zur Fokussierung. Es geht
auch mit anderen Zeitungen ...
Ist noch kein Stativ vorhanden
und Sie denken über den Kauf nach, sollten Sie am Besten
mit der eigenen Kamera in ein Fachgeschäft gehen und schildern,
für welchen Zweck Sie es benötigen. Können Sie
das dann ausgesuchte Stativ auch etwas nervös und ungeübt
im Laden aufbauen und an der Kamera befestigen, haben Sie keine
schlechte Wahl getroffen. Übrigens, beim Fotografieren sollte
immer eines der drei Beine direkt nach vorne weisen das
gibt mehr Stabilität und Sie fallen nicht so schnell drüber!
Die Wirkung des Baumes erhöht
sich beträchtlich
Aber nicht immer sind Sonne
und Wind auf der Seite der Bonsaifotografie. Können Sie also
nicht draußen fotografieren, müssen Sie in einen geschützten
Raum ausweichen. Hohlkehle und Stativ aufbauen, den Baum platzieren
und trotzdem sieht alles trübe aus. Auch wenn man
genug Sonne im Herzen hat, jetzt sollte eine Lichtquelle her.
Natürlich fällt einem zuerst der Blitz ein. Aber will
man immer mit den unschönen Schatten leben? Sieht man einen
solchen Schatten in der Natur direkt hinter den Blättern,
die Form verfälschend? Eher nicht also entweder dafür
sorgen, dass genug Tageslicht vorhanden ist, oder dem Film oder
der Digitalkamera vorgaukeln, dass Tageslicht da ist. Hier ist
die Digitalkamera eindeutig im Vorteil. Relativ problemlos kann
sie warmes Kunstlicht oder grünes Neonlicht in Tageslicht
umrechnen, während für Film diverse Vorsatzfilter nötig
sind, die nicht an jede Kamera montiert werden können. Zudem
sind diese Filter nicht sehr billig. Genau so wie die erhältlichen
Kunstlichtfilme. Auch hier lohnt es sich, im Fachgeschäft
nachzufragen.
Die Beschreibung des folgenden Aufbaus ist also erst einmal für
Digitalkameras gültig.
Schematischer Aufbau mit 2 Schreibtischlampen
Wacholder fotografiert mit 2 Lampen
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Benötigt werden:
1 schöner Bonsai
1 Kamera
1 Stativ
1 große Pappe oder 1 Stück Stoff
12 Lampen gleicher Stärke und Bauart (Schreibtischlampen,
Halogengartenscheinwerfer, ...)
mehrere kleine weiße Pappen oder Styroporplatten
1 große Tageszeitung
1 bisschen Zeit
Die Skizze in der mittleren Spalte gibt einen groben Überblick
über den Gesamtaufbau. Die Lampe 1 sollte den Baum schräg
von vorne oben beleuchten und zwar so, dass der Baum keine harten
Schatten auf sich selber wirft. Die 2. Lampe sollte ungefähr
doppelt soweit entfernt stehen wie die Lampe 1 und dient nur
dazu, die dunklere Seite etwas aufzuhellen. Sollte keine 2.
Lampe vorhanden sein, kann man auch mit den Styroporplatten
oder weißen Pappen (evtl. sogar mit Alufolie) die Schatten
aufhellen. Hierfür die Pappen so befestigen, dass sie das
Licht der Lampe 1 auf die dunkleren Partien des Baumes reflektieren.
Dann mit der Kamera wie in der Bedienungsanleitung beschrieben
einen Weißabgleich machen und los gehts.
Schematischer Aufbau mit 1 Lampe
und 1 Pappe
Wacholder fotografiert mit 1 Schreibtischlampe
und 1 Pappe
Die Zeitung ist nicht
dazu da, um Sie bei langen Belichtungszeiten bei Laune zu halten,
sondern soll für ein scharfes Bild und eine möglichst
ausgewogene Belichtung des Bildes sorgen. Einige Digitalkameras
haben ein leichtes Autofokusproblem bei unregelmäßigen
Strukturen. Befestigt man die Zeitung plan auf einer Pappe und
hält sie zur Belichtungsmessung und Fokussierung vor den
Baum, tun sich manche Kameras etwas leichter. (Aber nicht vergessen,
die Zeitung vor der Belichtung wegzunehmen.)
Gesamter Aufbau mit 1 Lampe und
1 Pappe
Soweit zur Technik. Nicht
umsonst heißt dieser Artikel: Dies ist kein Bonsai!.
Es geht um ein Bild (auch im übertragenen Sinn) einer Pflanze,
einer Geisteshaltung, eines Kunstwerkes. Abbildungen werden
geschaffen, weil sie leichter zu verbreiten sind als die Originale.
Was kein Grund sein sollte, das Original schlecht aussehen zu
lassen. Bonsai werden gewöhnlich als Objekt im Raum präsentiert.
Sie haben Platz um sich herum, ähnlich dem freistehenden
Baum in der Natur. Dieser Aspekt sollte bei einem Foto, wenn
keine schwerwiegenden Gründe dagegen sprechen, nicht vernachlässigt
werden. Das Ziel muss nicht sein, eine japanische Präsentation
nachzuahmen, aber abgeschnittene oder eingeengte Bäume
(rechts, links, oben oder unten) sehen nicht nur gruselig aus.
(Genauso hat die eingeblendete Datumsangabe an unpassender Stelle
nichts in einem solchen Bild zu suchen. Ein gutes Bild ist die
Mühe wert, alle Angaben auf einem kleinen Photoetikett
auf der Rückseite zu machen.) Solche Bilder werden auch
der Arbeit, den Gedanken und der Mühe, die mit dieser Beschäftigung
verbunden sind, nicht gerecht. Und da Sie die Person sind, die
dieses auf sich nimmt, sollten Sie sich auf dieser Ebene nicht
um die Früchte Ihrer Arbeit bringen.
Der Wacholder noch einmal mit
1 Lampe und 1 Pappe und mit zusätzlichem, aufhellendem
Licht von der Deckenlampe. Durch die unterschiedlichen Lichtquellen
sind die Farbverschiebungen schon ziemlich auffällig
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