Online-Kurs 

Text: M. Kros, Fotos: M. Kros u. H. Rüger (Foto 1)

Hier können Anfänger und Fortgeschrittene den Werdegang einer Mädchenkiefer (Pinus parviflora "Kokonoe") über das ganze Jahr 2001 verfolgen.

Auch der Kurs des Jahres 2000 ist noch zu sehen: Japanischer Fächerahorn (Acer palmatum).

(Abschluss am 5.1.2002: Winterlager)


Mädchenkiefer, Pinus parviflora "Kokonoe"                        (24.1.2001)

Diese Kiefer wollen wir über die kommende Vegetationsperiode begleiten. Das Foto zeigt den Baum Anfang 1997, er wurde im November 1996 von mir in Japan ausgesucht und dann direkt nach dem Import von H. Rüger in seinem Studio fotografiert.

Es handelt sich um eine recht hochwertige Pflanze, gerade die Varietät "Kokonoe" ist sehr selten geworden. Früher war sie sehr populär, die Varietät "Zuisho" konnte ihr jedoch wegen der noch kürzeren Nadeln den Rang ablaufen.


Der Gärtner in Japan berichtete, die Pflanze sei seit 40-50 Jahren in der Schale. Die extrem rauhe Rinde lässt das realistisch erscheinen. Wie würden Sie seine Form beschreiben? Ist er streng aufrecht, geneigt, als Doppelstamm oder als "Schildkrötenform" gestaltet?

Einige Jahre später, im April 2000, zeigte sich der Baum schon überarbeitet und besser strukturiert. (Vielleicht folgen bald noch mehrere Fotos der Zwischenzeit, mal sehen, was das Archiv hergibt.)

 


Hier sehen Sie den Baum im Winterlager am 24.1.2001. Er hat durchaus ein paar leichte Fröste abbekommen und erfreut sich bester Gesundheit, auch wenn die Qualität des Bildes das nicht zeigen kann.

Wir wollen nun sehen, wie wir den Baum verbessern können.


Bestandsaufnahme                        (30.1.2001)

Nach der ersten größeren Strukturierungsphase hat sich das Erscheinungsbild schon wieder etwas gewandelt, die Astetagen wirken "zerzaust" und sollten wieder in Form gebracht werden.

Die Schale wirkt etwas wie ein "Elefantenfuß", die Größe ist etwa in Ordnung, die Form ist jedoch nicht optimal.

Die Knospen sind recht rar, was man hier nicht sehen kann. Wir wünschen uns an jedem Triebende eine kräftige und noch ein oder zwei kleine. Das haben wir leider nicht überall. Möglicherweise hat der Baum im vergangenen Jahr nicht genug Sonne bekommen, vielleicht war auch die Düngung nicht ausreichend oder die Erde ist nicht mehr gut genug. Was wir tun können, folgt in Kürze.


 

Udo Fischer wird uns zeigen, wie wir mit Feindrahtung die Etagen wieder strukturieren. Einige Bereiche sind noch gut in Form, andere erfordern leichte Korrekturen durch sehr dünnen Draht.

 


Drahten                        (7.2.2001)

Wir verwenden Kupfer- oder eloxierten Aluminiumdraht. Kupferdraht bringt noch mehr Festigkeit und ist nach dem Oxidierungsprozess sehr unauffällig auf dunkler Rinde.

Das Drahten erfordert viel Übung und Geduld. In diesem Falle drahten wir nicht die gesamte Pflanze, sondern nur die erforderlichen Bereiche. Wir umwickeln in der Regel mit einem Stück Draht an einem Ast zwei gegenüberliegende, leicht versetzte Zweige, dadurch erhalten wir mehr Stabilität. Die Windungen sind gleichmäßig, nicht zu fest und sollten sich nicht überkreuzen, damit keine Druckstellen entstehen können.

(Eine sehr ausführliche Beschreibung finden Sie in unserer Ausgabe 1.)


Auf den Bildern sehen wir etwa die Größe der Windungen, die überstehenden Enden werden abgeschnitten.

(Im vergangenen Spätsommer haben wir die alten Nadeln teilweise ausgezupft, in starken Bereichen mehr, in schwachen weniger. Dadurch haben wir die Wuchskraft der unterschiedlichen Bereiche ausgeglichen, so sind die Zweige jetzt auch gut zugänglich.)


Nun kommt die Formung. Wir schaffen Bewegung in allen drei Dimensionen. Die Etagen werden ausgerichtet, dabei Zwischenräume in den Etagen ausgefüllt, "Negativräume" zwischen den Polstern betont, so dass Licht und Luft das Grün erreichen können.


 

Die Strukturierung der Spitze ist besonders anspruchsvoll. Sie sollte eher rund (eine "Spitze" ist typisch für junge Bäume) und etwas nach vorn gerichtet sein. Erst nach zahlreichen Korrekturen und wiederholten prüfenden Blicken ist Udo Fischer mit dem Ergebnis zufrieden.


Nach etwa 8 Stunden mühevoller Feinarbeit ist die Arbeit beendet. Das Gesamtbild erscheint wieder ruhig und ausgewogen, vermittelt optische Tiefe und Klarheit.

Der Draht verbleibt 1-2 Jahre am Baum. Er wird ständig kontrolliert und spätestens bei ersten Anzeichen des Einwachsens entfernt.


Der Frühling lässt auf sich warten...                        (21.3.2001)

Leider kann ich Ihnen noch keine wirklich neuen Fotos zeigen, das Wetter erlaubt keine großartige Entwicklung. Der Winter scheint noch nicht vorüber, nachts gibt es sogar noch Schneefälle.

Aber keine Sorge: Die Kiefer bekommt derzeit keinen Frost, das wäre nach den Gestaltungsarbeiten möglicherweise schädlich. Die Schale ist aufgestellt, um überschüssiges Wasser noch besser abfließen zu lassen, so bilden sich auf dem Boden innerhalb der Schale keine "Pfützen". Bei Dauerregen halte ich es für sinnvoll, den Baum unterzustellen.

(Fortsetzung folgt in Kürze.)


Bearbeitung der Erdoberfläche I                        (12.4.2001)

Das Wetter erlaubt uns, nun wieder an den Bäumen mir Freude zu arbeiten. Es war eigentlich vorgesehen, in diesem Frühjahr den Baum in eine andere Schale umzusetzen. Wie oben erwähnt war ich jedoch nicht ganz mit der Vitalität, speziell mit der Knospenbildung zufrieden. Was war also zu tun?


Es gibt Argumente für und gegen das Umtopfen. Aus ästhetischer Sicht spricht natürlich dafür, das Gesamtbild des Baumes durch die optimale Schale zu verbessern.Aus gärtnerischer Sicht spricht dafür, dass das Wurzelsystem kontrolliert werden kann und neue Erde für gut funktionierende Drainage sorgt.Dagegen spricht, insbesondere bei einer Pflanze mit langsamer Wurzelentwicklung, dass der Baum erheblich geschwächt wird. Was ist die ideale Lösung?

Die Gesundheit der Pflanze steht an erster Stelle! Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, die Erdoberfläche zu bearbeiten. So wurde insbesondere im Außenbereich die obere Schicht abgetragen die zum Teil schon veralgt und schwer durchlässig war.


Dabei zeigte sich nicht der sehr nützliche Symbiosepilz (Ektomykorrhiza), der die verfügbare Oberfläche der Kiefernwurzel vergrößert und dadurch Nährstoff- und Wasseraufnahme verbessern kann. Im Fachhandel gibt es besonders leistungsfähige Pilzstämme zu kaufen, womit die Erde nun geimpft wurde.

Die Oberflächenerde wurde ausgetauscht, dabei eine Mischung aus Akadama u. Lava verwendet (1:1, feine Körnung, Staub ausgesiebt). Die auf dem ersten Bild sichtbaren, sehr dekorativen Flechten wurden natürlich erhalten. Sie entschädigen etwas für das mittelmäßige Nebari und sind ein Merkmal, das dem Baum "mochikomi" verleiht, also Reife und Würde vermittelt. Nun kann sich das Aufbringen von Moosen auf die übrige Oberfläche anschließen, das soll zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.


Drei Dinge haben wir nun mit diesem kleinen Eingriff erreicht: Belüftung der Wurzeln und Wässern funktionieren erheblich besser, der Symbiosepilz kann sich neu entwickeln, die Oberfläche wird (nach Auflegen von Moosen) deutlich ausgereifter wirken. Die Gesundheit der Pflanze haben wir nicht riskiert, sondern gefördert. Im nächsten Jahr kann dann vielleicht eine neue Schale das Bild abrunden.

(Fortsetzung folgt in Kürze.)


Bearbeitung der Erdoberfläche II                        (25.4.2001)

Moose sind nun "gepflanzt", dabei habe ich möglichst feine Sorten verwendet, grobes Waldmoos ist ungeeignet.. Die Oberfläche wirkt noch etwas gekünstelt, man könnte die Lücken noch füllen oder einfach warten. Die Schnittstelle vorn mit der auffälligen Verschlusspaste kann man noch tuschieren.

Am kommenden Wochenende soll der Baum in Bruchköbel vorgestellt werden, dort werden die Bäume ausgewählt, die auf der World Bonsai Convention zu Pfingsten in München als Beitrag des Gastgeberlandes gezeigt werden. Es erfolgt am Samstag eine Bewertung, mal sehen, wie die Jury Qualitäten und Mängel sieht. Das Ergebnis werde ich Ihnen nicht vorenthalten. (Die Ausstellung am 28.4. ist von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, Bruchköbel ist in der Nähe von Hanau/Frankfurt.)

(Fortsetzung folgt in Kürze.)


Ausgewogener Austrieb                        (9.6.2001)

In den letzten Wochen mussten wir diese Rubrik leider etwas vernachlässigen. Die World Bonsai Convention hat viel Energie und Zeit erfordert, aber wie Sie in dem Kurzbericht 4. World Bonsai Convention in München sehen können, war es den Aufwand wert.

Nun gut. Bruckköbel hat geklappt, der Baum durfte auf die Weltconvention, allerdings "nur" in die deutsche Sonderausstellung.


Die Kiefer hat sich sehr zufriedenstellend entwickelt, sowohl im Spitzenbereich als auch an den unteren Ästen ist der Neuaustrieb gesund und gleichmäßig kräftig. Die Kerzen waren allerdings nicht so lang, dass sie hätten eingekürzt werden müssen. Nun heißt es, sehr kräftig bis zur Sommerpause zu düngen. Ich habe etwa 30 Stück BioGold aufgelegt.


Die Kiefer steht natürlich vollsonnig, an heißen Tagen wird sie mittags überbraust, wenn ich dazu komme. Ansonsten habe ich mich mit dem Gießen etwas zurückgehalten, um die Nadeln nicht zu lang werden zu lassen. Dabei sollte man die Gesundheit des Baumes jedoch nicht riskieren.

(Fortsetzung folgt in Kürze.)


Herbstdüngung                        (27.8.2001)

Nach unserer Sommerpause ist der Sommer nun fast vorbei, die letzten Tage gab es nochmal mehr als 30° C.

Vergleichen Sie die Dichte der Krone doch einmal mit dem Bild vom 9.6., die Entwicklung ist recht erfreulich. Nun ist es Zeit, an die Entwicklung des nächsten Jahres zu denken. Das heißt, wir sollten jetzt kräftig düngen, ich habe es bereits von gut einer Woche getan.

Bewährt hat sich, wie auch für die Frühjahrsdüngung, BioGold. Als Richtmaß für die Düngung kann gelten: Durchmesser einer runden Schale in cm entspricht der Anzahl der Düngerstücke. Ich habe sogar etwas mehr genommen, auf der Erdoberfläche liegen 36 Stücke. Das ist sicher nicht zuviel.


Sparen Sie besser nicht zu diesem Zeitpunkt an Dünger. Die Pflanze wird es Ihnen im nächsten Jahr danken.

(Fortsetzung folgt in Kürze.)


Entfernen der alten Nadeln                        (12.9.2001)

Nun sollten wir, abhängig von der Wuchskraft der einzelnen Zonen, die alten Nadeln entfernen. Dadurch gelangt mehr Licht ins Innere, die Entwicklung neuer Knospen wird begünstigt, die Wuchskraft wird ausgeglichen. Diesen Vorgang hätten wir durchaus schon vor vier Wochen vornehmen können, doch leider fehlte mir die Zeit.

Auf dem Bild links sehen Sie einen starken Bereich - die Spitze. Dort entfernen wir alle alten Nadeln und sogar ein paar der diesjährigen.


Hier sehen Sie einen mittelstarken Bereich, es ist der zweite Ast der rechten Seite. Die alten Nadeln werden entfernt, die neuen bleiben unangetastet. In noch schwächeren Bereichen belassen wir sogar einen Teil der alten Nadeln.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Nadeln zu entfernen: Man kann sie mit den Fingern auszupfen, mit einer Pinzette, oder man schneidet die Nadeln direkt über der Nadelscheide ab. Bei der letzten Variante harzt die Kiefer weniger, die Scheiden fallen irgendwann von selbst ab. Die Neuknospenbildung soll so noch besser sein. Mir ist das jedoch zu aufwendig, ich bevorzuge die Pinzettenvariante.


Einwintern und vorbeugendes Spritzen                        (5.1.2002)

Viel mehr ist im Herbst nicht mehr passiert. Während längerer Regenperioden stand die Kiefer mal gekippt, einige Fröste hat sie abbekommen, im Dezember wurde sie dann ins Winterlager verfrachtet. Das ist ein sehr kalter, heller, meistens frostfreier Raum, der bei Bedarf auch geheizt werden kann.

Gespritzt wird zur Vorbeugung von Schädlingsbefall mit einer Jin-Mittel-Lösung im Verhältnis 1:30 mit Wasser verdünnt. Die Nadeln werden etwas blasser, im kommenden Frühjahr verliert sich jedoch dieser Effekt.

Im Frühjahr wird die Kiefer nun umgetopft, die Schale gibt es ja bereits.

Damit möchte ich diese Dokumentation schließen, ich hoffe, der ein oder andere konnte etwas dabei lernen.