Rezension aus Heft 31

Für Sie gelesen von Michael Exner
 
„Japanische Gärten“ von Günter Nitschke und „Japanische Gartengestaltung“ der Japanese Garden Research Association
 
Wir haben Ihnen in den letzten Ausgaben einen kleinen Einblick in die Welt der japanischen Gärten gegeben. An dieser Stelle möchte ich Ihnen zwei Bücher vorstellen, mit denen Sie dieses Thema vertiefen können. Beide sind deutschsprachige, sehr gut ausgestattete Bildbände von hoher Qualität. Das Buch des Japanischen Gartenforschungsinstituts hat einen Umfang von 140 Seiten, das von Günter Nitschke ist mehr als doppelt so stark. Obwohl sie beide scheinbar dasselbe Thema haben, sind sie sehr verschieden: Das erste Buch beschäftigt sich mit aktuellen Gärten, während das zweite einen Überblick über die verschiedenen Formen und die historische Entwicklung der Gärten Japans gibt.
 
Das Buch von Günter Nitschke ist in manchem Sinne die Grundlage für den  Band des Japanischen Gartenforschungsinstitutes. Es zeichnet die Geschichte der Japanischen Gärten von ihren Anfängen bis heute nach. Nitschke beginnt mit einer Einführung in den japanischen Schönheitssinn und den Grundlagen, den Archetypen (Land und religiöse Vorstellungen) für die heute noch existierenden Gärten. Danach versucht er, die Architektur Japanischer Gärten über die Jahrhunderte als jeweils neue Ausformung zweier Hauptelemente zu beschreiben: des rechten Winkels als Ausdruck menschlichen Formwillens und des Ungeformten als Ausdruck des Natürlichen. Das Ineinandergreifen dieser beiden Elemente zeichnet für Nitschke die japanische Ästhetik aus.
 
In seinem Durchgang durch die geschichtlichen Perioden (Heian, Kamakura, Muromachi, Momoyama, Edo, Meiji und Moderne) versteht es der Autor sehr anschaulich, das politische, kulturelle und auch das alltägliche Leben mit den jeweiligen Gartenformen in Zusammenhang zu bringen. Auch der Bonsailiebhaber kann vieles über die klassische japanische Kultur aus diesem Buch lernen. Nitschke merkt man auch seine Vorlieben für bzw. Abneigung gegen bestimmte Formen an. Diese Wertungen sind so deutlich, daß man sie ohne Schwierigkeiten erkennt.
 
Über die Ausstattung des Buches läßt sich fast nur Gutes sagen. Der etwas weiche Einband schmälert nur wenig den sonst rundherum guten Eindruck. Viele großformatige Farbfotos (einige s/w), Pläne der Gärten und ein Anhang mit den wichtigsten öffentlich zugänglichen (Tempel-)Gärten Japans ergeben zusammen mit den informativen, gut lesbaren Texten ein Werk, durch das der Einstieg in die Welt der Japanischen Gärten leicht gelingt. Zudem hat der Taschen-Verlag dieses Buch zu einem unglaublich günstigen Preis auf den Markt gebracht.
 
Leider läßt sich das über das zweite vorzustellende Buch nicht sagen.
 
Das Buch „Japanische Gartengestaltung“ der Japanese Garden Research Association (JGRA) ist 1995 in Japan, 1996 in der zweisprachigen Version (englisch/deutsch) im Nippon Shuppan Hanbai Verlag in Düsseldorf erschienen. Der Band versammelt die Darstellung von 50 modernen japanischen Gärten, die in den letzten Jahren von vier Mitgliedern der JGRA angelegt wurden. Die Gärten sind sehr verschieden, allein ihre Dimensionen reichen von der Größe eines Parkes bis hin zu einem Garten von nur sechseinhalb Quadratmetern.
 
Die Gärten, die vorgestellt werden, sind vor allem an Tempeln oder Privathäusern angelegt worden. Sie werden alle auf dieselbe Art und Weise in dem Buch präsentiert. Auf 2 bis 5 Seiten sind verschiedene Ansichten des Gartens als Fotografien abgedruckt. Um sie räumlich einzuordnen, gibt es fast immer eine technische Zeichnung der gesamten Anlage, in die die Positionen und der jeweilige Blickwinkel der Kamera eingezeichnet sind. Zu den Bildern gibt es jeweils Erläuterungen. Jede Gartendarstellung wird von einem Text begleitet, der recht knapp die Besonderheiten der Anlage schildert. In die speziellen Beschreibungen sind farblich abgesetzt allgemeine Erläuterungen zu den Elementen Japanischer Gärten (Steine, Zäune) eingearbeitet.
 
Wer dieses Buch zur Hand nimmt, sollte das oben rezensierte (oder ein vergleichbares) schon gelesen haben. Der Bildband der JGRA ist ähnlich den Kokufu-Bänden für Menschen gedacht, die sich intensiver mit dieser Kunstform beschäftigen möchten. Aber auch die, die sich selbst einen Japanischen Garten anlegen (lassen) wollen, finden hier Anregungen oder gar Vorlagen für eine konkrete Planung. Das Buch ist wirklich perfekt gemacht, aufgrund seiner geringen Auflage aber relativ teuer. Kurz: Etwas für engagierte Gartenliebhaber, die einen perfekten Rahmen für ihre Bonsai schaffen möchten.