Rezension aus Heft 42

Für Sie gelesen von Michael Exner

Drei Bücher zur Pflege von japanischen Zierkarpfen

In den letzten Jahren haben viele Bonsailiebhaber eine weitere Leidenschaft entwickelt. Der Virus, der viele Baumfans plötzlich zu Fischfreunden macht, heißt KOI. Mich selbst hat es noch nicht erwischt, aber nach der Lektüre der drei Fachbücher „Koi“, „Kois im Gartenteich“ und „Krankheiten der Koi“ kann ich die Faszination, die von diesen Fischen ausgeht, besser verstehen. Begegnet man zum ersten Mal Koi, so ist man vor allem über eines verwundert, ja irritiert: Sie benehmen sich nicht wie Fische! Sie erscheinen zutraulich und ähneln in ihrem Verhalten eher einem Säugetier. Den Umgang mit Menschen gewohnt, lassen sie sich streicheln und von Hand füttern. Dieses Verhalten macht sie neben den attraktiven Farben wohl zu so beliebten „Haustieren“. Da ich, wie viele Bonsailiebhaber, früher ein Aquarium hatte, ist mir der Umgang mit Fischen nicht fremd. Dennoch habe ich von Koi bisher kaum mehr gewusst, als dass diese bunten Karpfen recht groß und alt werden. Um also die inhaltliche Qualität von Fachbüchern zu diesem Thema zu beurteilen, fehlen mir die dazu nötigen Kenntnisse. Ich bin quasi als Neuling an diese für Anfänger gedachten Bücher herangegangen.

Die Bücher „Koi“ und „Krankheiten der Koi“ sind in der Reihe „Datz-Aquarienbücher“ bei Ulmer erschienen. Christian-Peter Steinle ist Autor des ersten, Dirk Willem Kleingeld des zweiten Buches. Ihnen stand Sandra Lechleiter als Mitautorin zur Seite. Beide Bücher (Hardcover, ca. 100 Seiten , erschienen 1999 bzw. 2000) sind neu auf dem Markt. Sie wirken mit ihren vielen farbigen Bildern und dem aktuellen Layout sehr modern.

„Kois im Gartenteich“ (Franckh-Kosmos Verlag) ist ein ursprünglich 1988 erschienenes Softcoverbuch von Robert Hilble und Gabriele Langfeldt-Feldmann, das seit 1993 in zweiter Auflage vorliegt. Mit 72 Seiten scheint es weniger Informationen zu bieten, ist jedoch aufgrund des höheren Textanteils ähnlich umfassend. Leider fällt seine etwas verstaubt wirkende Aufmachung gegenüber den beiden anderen Bänden ab.

Am meisten angesprochen hat mich das Buch „Koi“. Man merkt den Autoren an, dass sie von ihren Fischen und allem, was dazu gehört, begeistert sind. Und diese Begeisterung steckt an. In einer Sprache, die wie beiläufig erzählt, worauf es ankommt, beginnen Steinle & Lechleiter ihre Annäherung an den Koi über seine uns vertraute Sippe, die Karpfen. Dann ist auch schon ihr faszinierendes Verhalten, sowohl untereinander als auch im Hinblick auf „ihren“ Menschen, Thema. Weiterhin geht es ums Geld, den Teich, das Wasser, Filter und andere technische Fragen. Dabei wird klar, dass Euphorie bei der Koi-Haltung allein nicht ausreicht. Vielmehr sollte man sich einiges an Wissen aneignen, bevor man seinen ersten Fisch kauft. Nicht umsonst ist ein Kapitel auch mit dem Satz „Koi braucht Zeit“ überschrieben, der uns Bonsaifreunde ja durchaus nicht fremd ist. Neue Erkenntnisse über die Ernährung von Koi sind ebenfalls eingearbeitet. Ausgespart hingegen bleibt der ganze Bereich der Koi-Zucht, den man aus einleuchtenden Gründen den Profis überlassen sollte. Dieses Buch ist ein ideales Anfängerbuch. Es weckt schnell die Begeisterung für Koi und den Wunsch nach diesen so hübschen und umgänglichen Wasserbewohnern. Gleichzeitig hält es diese Begeisterung im Zaum und vermittelt den Eindruck, wirklich Verantwortung übernehmen zu müssen. Es läßt nicht zu, sich einfach ein paar dieser Fische zuzulegen, ohne die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben. Das Buch „Koi“ ist der erste Schritt dazu.

Ist „Koi“ das erste, so ist „Krankheiten der Koi“ das zweite Buch auf dem Weg zum Fischfreund. Es behandelt ausführlich und mit vielen Bildern die unschönen, immer wieder auftretenden Begleiterscheinungen der Koi-Pflege. Liest man das Buch ohne Not, schreckt es mit seinen scheinbar überall auf die armen Fische lauernden Gefahren so ab, dass man es niemandem geben sollte, der noch überlegt, ob er Koi halten soll oder nicht. Allen Liebhabern ist es mit seinen Fotos, Diagrammen und Listen eine wertvolle Hilfe, auch was die Krankheitsvermeidung durch gute Wasserqualität angeht.

Beide Bücher reflektieren den aktuellen Stand der Koi-Haltung vor allem auch im Hinblick auf eine ausgefeilte Technik, ohne dieser jedoch eine überwertige Bedeutung zu geben. Das Bändchen „Kois im Gartenteich“ unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht inhaltlich nicht sehr von den eben besprochenen Büchern. Die Technik und da vor allem die Filtertechnik, die bei einem stark besetzten Teich allein die gute Wasserqualität erhalten kann, wird von Hilble & Langfeldt-Feldmann auf dem Niveau von vor zehn Jahren diskutiert. Seit dieser Zeit hat sich jedoch vieles getan. Die Autoren legen deshalb Wert darauf, die Bestandsdichte an Fischen in einem Rahmen zu halten, der nur einen geringen filtertechnischen Aufwand nötig macht. Sie berichten von ihren Erfahrungen, beschreiben ihren Fischteich und geben Tipps. Beginnt man damit, sich für Koi zu interessieren, bietet das preisgünstige Kosmos-Buch einen Überblick. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert aber aktuellere Literatur.