„Zen im Garten“ von Sunniva Harte
Die Reihe von Gartenbüchern, die ich hier bereits rezensiert habe, hatte eines gemeinsam: Japanische Gärten wurden in ihnen immer sehr authentisch zu fassen versucht. Die Autoren haben, mehr oder weniger, hinter der Erscheinung das Echte, das Wesen des japanischen Gartens gesucht. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob nicht auch Sunniva Harte, eine englische Journalistin und Fotografin, diesen Ansatz verfolgt. Das Buch kommt zwar ziemlich „japanisch“ daher, ist allerdings eher durch den „westlichen“ Blick auf die Oberfläche japanischer Kultur geprägt.
Diese Einschätzung ist nicht als Vorabkritik gemeint. Sunniva
Harte legt großen Wert auf die „Oberfläche“ der Dinge, was nicht Oberflächlichkeit
meint. Ihr geht es um die Arrangements und die kalkulierte Wirkung der Elemente
eines Gartens. Diese beschreibt sie sehr genau, so dass man sich eine gute Vorstellung
von der Wirkung einzelner Elemente oder ganzer Szenen machen kann. Solche genauen
Beschreibungen helfen bei der Planung des eigenen japanischen Gartens.
Die Autorin gliedert ihr Buch gemäß den verschiedenen Elementen, die in der
Gestaltung japanischer Gärten eingesetzt werden:Wasser, Felsen und Steine, Sand
und Kies, Pflanzen sowie architektonische und dekorative Elemente. Diese diskutiert
sie nach einer kurzen historischen Einführung und der Darstellung der Prinzipien
der Gartenkunst, die über die Deutung von Symbolen zu verstehen sind. Sunniva
Harte nimmt sich dieser Themenbereiche vor dem Hintergrund klassischer Gärten
an. Dabei erörtert sie Beispiele chinesischer, japanischer aber auch westlicher
Gärten. Diese Vorgehensweise führt zu einem etwas pointillistischen Stil, indem
z.B. beim Element Wasser eine Brücke in diesem Garten auf eine Brücke in jenem
folgt. Dabei wird nicht nur das jeweilige Element und seine Einbettung in den
Garten beschrieben. Die Beschreibung begründet vielmehr eine Ästhetik, die durch
ihre Wirkung gekennzeichnet ist. Die Autorin vertritt an vielen Stellen implizit
die Auffassung, dass die Elemente des Gartens klar durch die Funktion definiert
werden, die sie aufgrund ihrer Wirkung auf den Betrachter des Gartens ausüben.
An den Stellen, an denen sie diese Art der Einordnung nicht macht, bleiben die
Beschreibungen sonderbar unbezogen. Man erwartet quasi schon eine Einschätzung
der Autorin über die ausgelösten Gefühlsqualitäten des Betrachters und die zugrunde
liegenden Intentionen des Gestalters.
Auf der anderen Seite wird jedes Element (z.B. Wasser) und alle diesem untergeordneten
Aspekte (z.B. Brücken) auch in den asiatischen Symbolhorizont eingeordnet. Wir
erfahren von den Problemen, die eine gerade Brücke machen kann. Böse Geister
gehen nach der Lehre des Feng-Shui immer den geraden Weg. Diese Sichtweise stammt
aus dem kulturhistorischen Horizont Ostasiens und erscheint unserem Denken doch
sehr fremd. Für den Leser ist es eine eher sprunghafte als fließende Lektüre.
Pragmatisches steht neben Esoterischem, die Frage, wie man ein Loch in einer
Teichfolie flickt, wird ebenso behandelt wie der Einsatz von weissem Sand als
Kennzeichnung eines heiligen Bezirkes. Noch einige Bemerkungen zu den sicher
über einhundert Fotos. Dieses 160 Seiten starke, wie man es vom Verlag Eugen
Ulmer erwartet, sehr hochwertig ausgestattete Buch ist durchgängig mit meist
ganzseitigen, farbigen Abbildungen versehen, die leider oft etwas grellbunt
sind. Man findet vor allem Aufnahmen aus westlichen Gärten und Parkanlagen.
Der Vorteil ist, dass der Leser einen Eindruck von den hier zu realisierenden
Möglichkeiten eines japanischen Gartens bekommt. In Japan werden die Gärten
kontinuierlich bearbeitet, was ihnen einen besonderen Reiz gibt. Japanische
Gärten ausserhalb des Inselreiches haben oft einen japanischen „Touch“, ihnen
fehlt jedoch meist die Reife und Würde einer langen Bearbeitung. Mit Bonsai
ist es ja oft nicht anders. Viele der Abbildungen japanischer Gärten in Amerika
und Großbritannien zeigen eher Gartenräume, die wie Kulissen wirken, obwohl
oder gerade weil sie nicht konsequent bearbeitet, also der Natur überlassen
wurden. Es entsteht das Paradox, dass wohl erst durch die kenntnisreiche Bearbeitung
der Natur der subtile Ausdruck ihrer ungeformt scheinenden Natürlichkeit entsteht.
Sunniva Harte setzt auf die Wirkung der gestalteten Oberfläche und gibt damit
viele Anregungen für wirkungsvolle Gestaltungen. Ich fand viele Informationen
zum klugen Anlegen eines japanischen Gartens. Wovon ich wenig in ihrem Buch
gefunden habe, ist das, was der Titel sagt: Zen im Garten.