Rezension aus Heft 79
Die Vorstellung von Büchern an dieser Stelle, die
nur mittelbar etwas mit Bonsai zu tun haben, ist natürlich auch dem Mangel
an interessanten Neuerscheinungen im eigentlichen Themenschwerpunkt geschuldet.
Sie ist jedoch beileibe kein Notprogramm, sondern für mich das Überschreiten
der manchmal etwas engen Begrenztheit auf "nur Bonsai". Es ist der
Blick "über den Tellerrand", besser "über den Gartenzaun",
um Bonsaipraxis einzubinden in Gartenpraxis. So können Sie von den vielen
Erfahrungen profitieren, die Generationen von Gärtnern in Europa gesammelt
haben.
Bekannt und berühmt für dieses Wissen sind die
Briten. Speziell die Royal Horticultural Society hat einen ausgezeichneten
Ruf und lässt ihre deutschsprachigen Bücher meist vom internationalen
Verlag Dorling Kindersley herausbringen, so auch die beiden Rezensionsbücher.
Englische Gartenbücher haben ein typisches Layout: Sie sind um Genauigkeit
bemüht, wollen aber nicht zu streng oder steif wirken. Meist sieht das
dann so aus, dass viele Detailfotos gebracht werden, freigestellt vor weißem
Hintergrund. Das Buch über Schädlinge und Krankheiten ist typisch
für dieses Layout. Das Gartenhandbuch, das ich zuerst besprechen möchte,
folgt diesem Muster nicht ganz, denn die vielen Fotos werden im uns vertrauteren
Rechteckformat verwendet. Dem Charakter dieses Nachschlage- und Bestimmungsbuches
entspricht das jedoch auch mehr. Dieses Buch bleibt nicht bei einer abstrakten
Auflistung von Steingartenpflanzen, sondern wird ganz praktisch für den,
der sich solch einen Garten anlegen will. Was sind aber eigentlich Steingartenpflanzen?
Meist sind es alpine Stauden, die in einem nachgebildeten Gebirgsausschnitt
arrangiert werden. Hier liegt die Verbindung zu unserem Hobby. Die Begleitpflanzen
(Shitakusa) und sogar der erweiterte Bonsaibegriff, der auch Wildgräser
in Schalen einbezieht (Kusamono), rekrutieren sich aus dem Pflanzensegment,
das in diesem Buch behandelt wird. Manche der heimischen Pflanzen kennen wir
von unseren Bergspaziergängen. Wir finden sie auf Almen, in Bergwäldern
und bis hinauf in die unwirtlichen Felsregionen, wo sie die Begleiter der Bäume
sind, die oft Vorbild, manchmal konkretes Material für unsere Bonsai sind.
Das Buch führt 450 dieser Pflanzen auf, ordnet sie nach Größe
und interessantester Jahreszeit, wodurch die wichtigsten Orientierungen für
die Pflanzung im Garten gegeben werden. Ergänzt wird diese Liste durch
Sonderartikel, die gärtnerisch besonders interessante Arten hervorheben.
Alles ist auf die Bedürfnisse eines Gärtners angelegt, dessen Planung
eines Steingartens vorliegt, und der nun nach Farben und Größen
seine Bepflanzung aussuchen möchte. Diesem Zweck dient auch die Liste
mit Vorschlägen für besonders robuste Arten. Weiter bietet das Buch
Tipps von der Anlage eines Steingartens über Vermehrung und Pflege bis
hin zum Selbstbau eines Pflanztroges aus Kunsttuff. Gut 190 Seiten im DINA5-Format
sind randvoll mit sicheren Informationen, die auch dem Bonsaigärtner hilfreich
sind.
Das zweite Buch, "Schädlinge & Krankheiten", kommt im typischen
Layout britischer Gartenbücher daher. Wie unter dem Mikroskop treten uns
die schrecklichen Folgen eines Pilzbefalles oder die gruselige Brut des Dickmaulrüsslers
entgegen. In diesem Buch ist alles, was man sonst oft nur beschrieben findet,
auch im ? sogar schönen ? Bild dargestellt.
Der Aufbau? Nach einer kurzen Einführung erklärt das Buch sich selbst,
indem es beschreibt, wie man es am besten benutzt. Hier erfährt der Leser,
dass er auf drei Arten suchen kann: Nach Schadbild, nach Pflanze oder nach
Problem. Das sind auch schon die drei Hauptteile des Buches, die durch einen
Teil über die Wechselwirkung von Schäden und Gartengesundheit sowie
einen Nachschlageteil, der Pflanzenschutzmittel beschreibt, ergänzt werden.
Die Schadbilder sind sicher das Pfund, mit dem dieses Buch besonders wuchern
kann, denn hier findet man die bunte Vielfalt der Krankheiten, Schäden
und Störungen unglaublich liebevoll in wunderschönen Bildern wiedergegeben
und damit sehr gut identifizierbar. Der Mittelteil, farblich gut abgesetzt,
ist eine detailreiche Auflistung zu den einzelnen Krankheiten und Schädlingen
und bietet Erklärungen zu Ursachen und Maßnahmen. Der dritte Teil
führt die Pflanzen und ihre Probleme mit entsprechenden Seitenverweisen
auf.
Alles in allem ist dieses nahezu DINA4 große und hart eingebundene Buch
eine wirkliche Hilfe für das Erkennen von Problemen. Es versteht sich
modern ökologisch, indem es die Zusammenhänge von Schaden und Schwäche
sieht. Starke Pflanzen werden meist nicht krank oder befallen.
Beide Bücher bestätigen das positive Vorurteil, dass die Briten praktische,
informative und nicht zuletzt schöne Gartenbücher machen. Empfehlenswert!
Steingartenpflanzen:
190 Seiten, 15 cm x 21,5 cm, durchweg vierfarbig, Broschur, 12,90 Euro
Schädlinge & Krankheiten:
224 Seiten, 20 cm x 27 cm, durchweg vierfarbig, Hardcover, 24,90 Euro