Rezension aus Heft 83
Vor fünfundzwanzig Jahren wurde in den USA der zweite
Band von John Y. Nakas Bonsaitechnik veröffentlicht. Ab 1990 war es dann
auch in deutscher Sprache erhältlich. Zusammen mit dem ersten sind diese
beiden Bände in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Bonsaigestaltung
im Westen kaum zu überschätzen: Trotz mancher anderslautender Werberhetorik
sind sie das bis heute gültige, wahre Standardwerk der Bonsaikultur in
westlicher Sprache. Das zweite Buch, lange vergriffen, hat nun eine unveränderte
Neuauflage erfahren und ist wieder erhältlich. Zehn Jahre nach meiner
letzten Rezension habe ich mich gefragt, wie zeitgemäß es noch ist.
Beginnen möchte ich jedoch mit einem neuen Gartenbuch, das dem aktuellen Trend, sich selbst einen zeitlos schönen japanischen Garten anzulegen, eine Hilfe sein will. Desöfteren habe ich an dieser Stelle mal eher theoretische, manchmal praktische Bücher vorgestellt, die zur Gartengestaltung anleiten wollen. Der japanische Garten integriert auf künstlerische Weise all seine Elemente und wird so idealerweise zu einem Gesamtkunstwerk. Und genau darin besteht für viele gutwillige Gartenfreunde das Problem: Welche Elemente an welchen Stellen in meinem Garten ordne ich wie zu welcher Ganzheit welches japanischen Gartentyps an? Das sind viele Fragen, die die meisten Bücher nicht wirklich beantworten können, es sei denn, man kopiert 1 zu 1 einen vorhandenen Entwurf oder versammelt irgendwelche typischen Elemente. Chesshire, ein bekannter britischer Gartendesigner, geht mit seinem Buch einen anderen Weg. Er setzt auf die Bilder von A. Ramsay und ergänzt sie in kenntnisreichen kurzen Texten mit Informationen über die Bedeutungen und Wirkungen der vorkommenden Elemente. Was drücken bestimmte Elemente in dargestellter Kombination aus? Er geht quasi vom Blick des Betrachters (ein Foto eines Ausschnitts des Gartens) aus und beschreibt was dieser sieht und spürt, wenn er in dieses bestimmte Arrangement schaut. Nachdem ein Bewusstsein für das (Zusammen-) Wirken der Elemente geschaffen ist, gibt der Autor in einer Skizze beispielhafte Anregungen für mögliche wirkungsvolle Kombinationen in Bezug auf einen bestimmten Gartenstil. Als Stile fasst er Teich- und Bachgärten, Trockengärten, Teegärten, Wandelgärten und Hofgärten. Die Gartenelemente teilt er in natürliche und gestaltete. Danach gibt er Hinweise auf verwendete Pflanzen, die nach ihrer Bedeutung in den Jahreszeiten geordnet und auf Eignung für unsere Klimabedingungen eingeschätzt werden. Chesshires Anliegen ist es, dem Leser einen Einblick in die Vorstellungs- und Gefühlswelt zu ermöglichen, die ein Jap. Garten durch kunstvolle Arrangements beim Betrachter erzeugen kann, und das diese Welten nicht entstehen, wenn man einfach eine jap. Laterne an einen Teich stellt. Er will nicht zeigen, wie man japanisches Flair erzeugt, sondern dem näher kommen, was wir auch im Bonsai anstreben: einen tieferen Zugang zur Natur. Das gelingt ihm in seinem Buch und das hat mich und meinen eigenen Garten vorwärtsgebracht.
John Y. Naka hat in seiner Arbeit mit und an Bonsai wie kaum ein Zweiter die
Menschen miteinander und mit der Natur zusammenbringen wollen. Er hätte
es sicher sehr begrüßt, dass Bonsai Technik 2 dem deutschsprachigen
Publikum nun wieder, wenn auch inklusive der Übersetzungsfehler der deutschen
Erstauflage, zugänglich ist. Was gibt es zu meiner Rezension aus Heft
8 zu ergänzen, und, wie zeitgemäß ist das Buch? Nun, es ist
mittlerweile 25 Jahre alt, ein Bonsai kann da schon eine gute Reife zeigen.
Das gilt jedoch nicht für ein unbearbeitetes Buch. Aber auch nach einem
Vierteljahrhundert ist BT 2 ein inspirierender Quell für Gestaltungskonzepte.
Das liegt an der Art, wie es gemacht ist. Hunderte von Zeichnungen, nach in
der Natur fotografierten Bäumen angefertigt, verdichten die wesentlichen
Elemente zu einem jeweils überzeugenden Bonsai. Die passende Schale wird
gleich mitgeliefert. Diese Konzepte enthalten Nakas Phantasie und Kreativität
und sind genauso frisch wie in den Siebzigern. Was jedoch nicht für die
wenigen real abgebildeten Bonsai gilt, denen man ihre Zeit ansieht. Weiter
sind die Hinweise zur Präsentation von Bonsai, zu Bambus, zu Beistellpflanzen
und Kräuterbonsai interessant. Dass das so ist, zeigt, wie lange es braucht,
bis die Bedeutung der Präsentation erkannt und umgesetzt wird.
Ich kann somit dem Band 2 der Bonsaitechnik von J.Y.Naka nur weiter einen hohen „Nährwert“ attestieren.
Es ist ein – in diesem Fall ist ein Anglizismus vielleicht angebracht – „must
have“ der Bonsailiteratur.
Japanische Gärten
gestalten. Chesshire, Charles.
160 Seiten, Hardcover, 23,5 cm x 28 cm, durchgehend farbig, 24,95 Euro
Bonsai Technik
2. Naka, John, Y.
400 Seiten, Softcover, 21,5 cm x 28 cm, schwarzweiß, 54,50 Euro