Rezension aus Heft 87
Mit diesem Titel und der Ergänzung „Growing & Styling
Juniper Bonsai“ ist klar, dass es sich um ein englischsprachiges Buch
zur Gestaltung und Pflege von Wacholdern handelt. Es ist in diesem Jahr im
Stone Lantern Verlag in den USA erschienen und ergänzt als zweiter Band
der Masters’ Series den 2005 erschienenen Titels „Pines“,
der sich mit Kiefern befasst.
Unsere langjährigen Leserinnen und Leser werden viele
der Artikel kennen, deren Zusammenstellung dieses Buch ergibt. Bonsai Today
war das Schwesterblatt der BONSAI ART in den USA und basierte auch auf der
japanischen Fachzeitschrift Kindai Bonsai. Den größten Teil der
175 Seiten machen also ältere Artikel von Kimura, Kobayashi, Kaneko und
Co. aus. Neben diesen kann man aber auch eine Gestaltung von Udo Fischer sehen,
Harry Hirao und Ernie Kuo vertreten dazu die Vereinigten Staaten. Die Japaner
stellen jedoch die allermeisten Artikel. Deren Inhalte decken alle Bereiche
von Vermehrung über Pflege und Gestaltung bis hin zu besonderen Techniken
ab. Auch zu Shohin lässt sich etwas finden. Auf den letzten 15 Seiten
kann man eine Galerie von Wacholder-Bonsai bewundern. Auch das Buch über
Kiefern ist so aufgebaut.
Worin liegt nun das Besondere an dieser Veröffentlichung? Es gibt bzw.
gab zwar schon spezielle Pflegeanleitungen für Wacholder, aber dieser
DIN A4- Band im Softcover bietet eine Fülle von Informationen rund um
diese Gattung, die man sich bisher zusammensuchen musste. Das ist das große
Plus dieses Buches. Da die einzelnen Artikel nicht aufbereitet sind, stößt
man jedoch auch auf einige Wiederholungen. Zeitschriftenartikel sind ja meist
so verfasst, dass sich darin der Prozess der Gestaltung und Pflege wiederfindet.
So geht es in den meisten Artikeln auch um’s Drahten und Umtopfen, Techniken,
die man nach einigen Wiederholungen „mitsingen“ kann. Da merkt
man, dass die Herausgeber sich der Aufgabe, eine Monografie zum Thema Wacholder
zu verfassen, nicht gestellt haben. Sei’s drum! Auf der anderen Seite
fehlt es wiederum an grundsätzlichen Basisinformationen für blutige
Anfänger im Bonsaigeschäft. Für diese ist das Buch zu speziell
und auch zu komplex, worauf die Herausgeber jedoch auch hinweisen.
Wenden wir uns nun einem besonders interessanten Artikel zu. Damit meine ich
eine Arbeit von Kimura, der einen verwahrlosten J. procumbens zu einem Bunjin
gestaltet (aus BONSAI ART 52, S. 22 ff). Der Baum ist schwach und das zeigt
er in seinen untersten Ästen. Kimura entscheidet sich in diesem Fall,
die jahrelange Schwäche des Baumes zu einer Stärke umzudefinieren.
Bunjin strahlen, anders als die meisten Bonsai, oft etwas Verlottertes, Zerzaustes
aus. Will sagen: Überlebt hat der Baum zwar, aber nur eben gerade und
nicht sehr wohl. Das bringt dieser Wacholder also schon mit. Der unterste,
fast tote Ast wird entfernt. Der nächste ist auch sehr schwach, wird mit
seiner dünnen, offenen Belaubung jedoch zum Prototyp aller folgenden Äste.
Die Spitze der Krone muss stark ausgedünnt werden, damit die Proportionen
der Belaubung sich an den schwachen ersten Ast anpassen und der Bunjin insgesamt
zwar über schwach erscheinende, aber ausgewogene Grünbereiche verfügt.
Der wichtigste Ast (Sashi-eda), der auch die Bewegung des Baumes aufnimmt und
fortführt, ist in diesem Fall nicht der erste Ast – der ist dafür
zu klein und zu schwach – sondern der dritte Ast. Er ist auch der am
weitesten ausgreifende und üppigste, wenn man bei diesem wettergegerbten
Gesellen überhaupt von üppig sprechen will. Bei einer Gesamthöhe
von 84 cm ist der Wacholder trotzdem immerhin 60 cm breit. Dieser
Bonsai erzeugt genau das Gefühl, dass den Bergwanderer erfasst, wenn er
auf einer kargen Hochfläche auf einen mehr tot als lebendig erscheinenden
Baum trifft, dessen Leben als eine interessante Geschichte von Wind und Wetter
zu erzählen wäre. In diesem Buch finden sich denn auch viele Geschichten
vom Bonsaiwerden verschiedener Wacholder.
Im Buch „Pines“ derselben Reihe ist das ebenfalls so, nur dass
es um Kiefern (Jap. Schwarz- u. Mädchenkiefer) geht. Beide sind voller
Informationen, die man sich jedoch im Detail erst aus den einzelnen Texten
herausfiltern muss. Im Moment gibt es jedoch keine Alternative zu diesen Kompendien
im Bereich Wacholder und Kiefern. Allerdings sind rudimentäre Kenntnisse
der englischen Sprache vorauszusetzen.
Junipers.Bonsai Today
Masters’ Series
184 Seiten, 21,5 cm x 28,5 cm, durchgehend farbig, Softcover, 29,90
Euro.