Rezension aus Heft 92
„Pines“ aus der Bonsai TODAY Masters’ Series
„ Winzig kleine Gärten – Von der Faszination japanischer Innenhöfe“ von Michael Freeman
Das zweite englischsprachige Buch aus der Reihe, in
der auch das in BONSAI ART 87 besprochene Buch über Wacholder erschienen ist, möchte ich
Ihnen diesmal vorstellen. Dazu werde ich noch ein paar Worte über ein
kleines Buch über winzige Gärten verlieren, das mich auf einer
kurzen Reise ausgezeichnet unterhalten und erfreut hat.
Pines, also Kiefern, sind eine typische Gattung unter den Bonsai und gehören
zu den Bäumen, deren Bonsaikultur am weitesten zurück zu verfolgen
ist. Sie wurden schon immer wegen ihrer symbolischen und nicht wegen ihrer
konkreten Bedeutung, wie etwa Obstgehölze, gezogen. Für viele Laien
ist Bonsai gleichbedeutend mit Kiefer. Die klassischen Bonsai-Kiefern sind
die Jap. Mädchenkiefer (Pinus parviflora) und die Jap. Schwarzkiefer (Pinus
thunbergii). Genau um diese beiden Arten geht es in dem Buch, das, ebenso wie
das über die Wacholder, aus bereits veröffentlichten Artikeln unserer
amerikanischen Schwesterzeitschrift BONSAI TODAY zusammengestellt wurde. Dabei
wurde den beiden behandelten Arten jeweils ein einleitender Text vorangestellt.
Die meisten dieser Artikel kann man auch in alten Ausgaben von BONSAI ART finden,
in einem Buch zusammen gefasst ist die Lektüre jedoch bequemer. Was bieten
die einzelnen Artikel nun für Informationen an?
Grundsätzlich finden sich 8 verschiedene Artikel über Mädchenkiefern
und 6 zu Schwarzkiefern. Sie ergeben einen interessanten Info-Mix aus Pflege-,
Kultur- und Gestaltungstechniken. Herausgreifen möchte ich zum einen den
Mädchenkiefer-Artikel von Susumo Sudo und Masahiko Kimura über die
Auswahl des ersten Haupt-astes (Sashi-eda) und zum andern den von Matsuo Kushida über
die Vermehrung und Aufzucht von Schwarzkiefersämlingen.
Eigentlich haben Sudo und Kimura keinen gemeinsamen Artikel verfasst, für
das Buch wurden ihre beiden Artikel kombiniert. Das macht insofern Sinn, als
sie ein gemeinsames Thema haben. Sudo stellt verschiedene Möglichkeiten
der Positionierung des Sashi-eda mit Hilfe digital veränderter Fotos vor,
Kimura entfernt den ersten Ast und erreicht durch leichte Winkelveränderung
des Stammes eine neue Balance des Bonsai. Beide machen klar, wie stark das
Erscheinungsbild, ja der Charakter eines Bonsai von seinem wichtigsten Ast
geprägt wird. Der Sashi-eda, richtig ausgewählt und positioniert,
ist somit nach der Stammlinie das entscheidende Schlüsselelement bei der
Gestaltung von Kiefern. Diese benötigen eine klare Struktur, um ihre ganze
Kraft entfalten zu können. Sudo und Kimura machen das an ihren Beispielen
sehr deutlich.
Von ganz anderer Art ist der Artikel von Matsuo Kushida, einem innovativen
Pionier der Kiefernzucht. Seine Sache ist die Sämlingsvermehrung beginnend
mit der Sammlung von Kiefernzapfen von den Mutterpflanzen, die besonders günstige
Eigenschaften zeigen. Sein Artikel mit vielen Zeichnungen fasst verschiedene
Techniken zusammen. Dabei geht es z.B. um Sämlinge, die zu Stecklingen
geschnitten werden, um bessere Nebari zu erhalten. Letztlich kann man mit Hilfe
dieses Artikels fast ohne finanziellen Einsatz hervorragende Kiefernbonsai
entwickeln. Herr Kushida stellt seine großen Kenntnisse über das
Wachstum von Kiefern auf praktische Weise dem Leser zur Verfügung und
leistet seinem Ziel, der Bonsaikultur von Beginn an, damit einen großen
Dienst.
Wie versprochen noch eine kurze Einschätzung eines neuen Werkes. Das quadratische
Buch scheint sich, durch Form und eine Seitenlänge von 18 cm, zu
einem „richtigen“ Bildband zu verhalten, wie ein Innenhofgarten
zu einem Landschaftsgarten. Wie ein komprimierter Extrakt verdichtet dieses
Buch die Vielfalt kleiner bis kleinster Japanischer Gärten, manche tatsächlich
kaum größer als ein Bildband. Oft geht es nur um eine Pflanze mit
etwas Moos und ein paar Steinen, was Sie sicher an Felsenpflanzungen, Gruppen
oder windgepeitschte Bonsai erinnert, die ja Landschaftsausschnitte darstellen.
Mich hat dieses Buch auf über 220 Seiten immer wieder angeregt, über
meinen Balkon und ungenutzte Ecken im Garten nachzudenken und Ideen zu entwickeln,
wie man diese kleinen Räume gestalten kann. Dieser Minibildband erschien
mir wie eine Brücke zwischen Bonsai als weitgehende Abstraktion einer
Natur-szene und dem japanischen Garten mit seinen konkreten Übertragungen
aus der Natur ins häusliche Umfeld. Die gezeigten winzigen Gärten
sind sowohl abstrakt in ihrer geistigen Dimension als auch konkret in ihrer
Sinnlichkeit, und dadurch ein wertvoller Aspekt der japanischen Gartenkultur.
Pines.
Bonsai Today Masters’ Series.
184 Seiten, engl., 21,5 cm x 27,8 cm, durchg. farbig, Softcover, 29.90
Euro.
Winzig kleine
Gärten – Von der Faszination japanischer Innenhöfe.
Freeman, M.
224 Seiten, 17 cm x 18 cm, viele farbige Abbildungen, Hardcover, 24,95 Euro.