Die Gattung Crataegus gehört zur Familie der Rosaceae.
Eine große Anzahl von Spezies sind über alle Regionen der borealen
Hemisphäre (kurze kühle Sommer, Wintertemperaturen von unter -10°
C möglich) mit gemäßigtem Klima verbreitet. Bei uns wächst
bis zu einer Höhe von 1800 Metern gewöhnlich der Eingriffelige
Weißdorn (Crataegus monogyna), ein dorniger Strauch, der sehr dekorativ
ist. Sowohl gegen Ende des Frühjahrs, wenn die Blüte in zahlreichen
Doldentrauben ihn in eine prächtige, weiße Masse kleidet, als
auch im September, wenn er sich mit kleinen, ovalen oder kugelförmigen,
korallenroten Steinfrüchten bedeckt, hat er seinen Reiz.
Sein Name Weißdorn vereint in sich die beiden auffälligsten
Eigenschaften dieser Spezies: die Farbe der Blüte und die Dornen. Die
Fruchtbildung dieser Pflanze zeigt eine Besonderheit: Die Kelchblätter
bleiben am Ansatz der Frucht sichtbar und bilden einen kleines, anmutiges
Hütchen auf der Beere. Das Holz des Weißdorn ist besonders hart,
eine Eigenschaft, auf die bereits vor hunderten von Jahren Theophrast hinwies,
von dem auch der Name der Gattung Crataegus stammt, und dessen Etymologie
auf griechische Wurzeln verweist: Das Wort Kràtos bedeutet
Kraft, Robustheit. Auch wenn dies eine forstwirtschaftlich sehr interessante
Eigenschaft ist, kann sie wegen des langsamen Wachstums der Pflanze kaum
genutzt werden.
Stattdessen wird diese Spezies häufig auch wegen ihrer großen
Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Klimate und Böden, als
Hecke und für Zierzwecke verwendet, was eine umfangreiche Verwendung
als Gartenpflanze erlaubt. Als Zierpflanze eignet sich der Weißdorn
wegen seiner geringen Größe, seines Habitus und der Schönheit
des Blattwerks auch für kleine Gärten. Wirtschaftlich findet Crataegus
im Nahrungsmittelbereich und in der Pharmaindustrie Verwendung.
Der Crataegus als Bonsai
Die Varietäten, die als Bonsai kultiviert werden, verdanken diese
Wahl vorwiegend ihrer Blütenbildung. Unter den am meisten verbreiteten
Spezies, außer unserem Crataegus monogyna, befindet sich die japanische
Art Crataegus cuneata, die dem Eingriffeligen Weißdorn sehr ähnlich
sieht, sich aber von diesem durch eine rote Blüte unterscheidet.
Auch wenn es sich um eine der wichtigsten Eigenschaften dieses Baumes
handelt, ist es nicht einfach, eine schöne Blüte zu erreichen.
Der Weißdorn neigt dazu, seine Kraft in die starken Triebe zu konzentrieren
und die kleinen, kurzen Zweige, an denen sich die Blüten bilden,
austrocknen zu lassen, wodurch sich das Blütenvolumen Jahr um Jahr
verringern würde. Diesem kleinen Problem kann man aber durch Beschneiden
und Pinzieren schnell abhelfen.
Die weite Verbreitung von Crataegus in der Bonsaiszene ist auch auf ihre
große Vitalität zurückzuführen, die ein sehr kräftiges
Wachstum ermöglicht. Dadurch ist schnell eine Grundstruktur mit starkem
Ansatz und kräftigen Ästen zu erreichen. Die Blätter sind
kleinwüchsig, was dem Baum auch ohne Blüte einen dekorativen
Wert verleiht. Da es sich um eine vielseitig verwendbare Spezies handelt,
kann sie in fast allen Stilarten gestaltet werden. Unüblicher sind
die streng aufrechte und die Besenform.
Vermehrung
Der Weißdorn kann durch Samen, Stecklinge, Abmoosen und Pfropfen
vermehrt werden. Die Aussaat erfolgt im Frühling, wenn man im Herbst
die Früchte gesammelt hat. Die Samen werden, nachdem sie von der
Frucht getrennt worden sind, bis zum Frühjahr an einem trockenen
Ort gelagert. Im März findet die Selektion statt, indem die Samen
24 Stunden in ein Wasserbad gelegt und die dann schwimmenden tauben aussortiert
werden. Die anderen werden in einen eher niedrigen Holzkasten mit guter
Drainage in Abständen von 2 cm und in 0,5 cm Tiefe gepflanzt. Als
Substrat dient eine Mischung aus 75 % Akadama und 25 % Universalerde.
Die ersten Wurzeln entwickeln sich nach rund 15 Tagen. Die neuen Pflänzchen
werden dann nach und nach an die Sonne gewöhnt. Die Vermehrung von
Crataegus über Stecklinge kann auf verschiedene Art und Weise geschehen.
Es werden sowohl mit halbverholzten Sommerstecklingen als auch mit verholzten
Stecklingen vom Ende des Winters befriedigende Ergebnisse erzielt. Die
Bewurzelung von Sommerstecklingen funktioniert am besten mit den Trieben
des Frühjahres. Dabei wird auf den ersten, verholzten Teil und das
zu schwache Endstück verzichtet, wobei der übrig bleibende Mittelteil
dann in Stecklinge unterteilt wird, die nicht länger als 8
10 cm sein sollten und von denen alle Blätter außer den letzten
zwei entfernt werden. Mit einem scharfen, desinfizierten Messer wird unterhalb
eines Nodiums ein Schnitt ausgeführt und dieser mit Bewurzelungshormonen
versehen. Der Steckling wird dann in ein Substrat aus Torf und Sand mit
guten Drainageeigenschaften gepflanzt. Dabei ist darauf zu achten, dass
die Temperatur um die 20° C beträgt. Sobald sich die Triebe bilden,
sollte häufiger gegossen werden, um das Austrocknen der neuen Blätter
zu verhindern.
Der für das Abmoosen günstigste Zeitpunkt ist, wenn der Pflanzensaft
des Baums wieder zu fließen beginnt, weil die Blattbildung den Wundheilungsprozess
der Schnitte begünstigt. Abmoosen kann man direkt den Stamm oder
einen besonders interessanten Ast. Die neuen Wurzeln sprießen einige
Monate nach der Anwendung dieser Technik und im nachfolgenden Frühjahr
oder Herbst kann die neu gewonnene Pflanze von der Mutterpflanze getrennt
werden.
Was das Pfropfen betrifft, so ist es zwar möglich, aufgrund der meist
nicht optimalen Ergebnisse sollte man jedoch lieber auf eine andere Vermehrungsmethode
zurückgreifen. Der ideale Zeitpunkt für das Veredeln liegt zwischen
dem Ende des Winters und dem Beginn des Sommers. Ablaktieren bedeutet
das Verbinden von Teilen zweier verschiedener Pflanzen in der Schale selbst.
Bei dieser Spezies wird auch häufig auf das Ausgraben in der Natur
zurückgegriffen, weil sich Weißdorne davon sehr schnell wieder
erholen. Der Erfolg dieser Technik ist fast sicher, wenn sie zum richtigen
Zeitpunkt erfolgt, das heißt, gegen Ende des Winters. Dabei muss
jedoch eine gewisse Anzahl von Kapillarwurzeln erhalten bleiben und der
größte Teil des ursprünglichen Bodens entfernt werden.
Standort
Der ideale Standort ist während des ganzen Jahres, mit Ausnahme der
heißesten Monate, in denen der Baum geschützt im Halbschatten
stehen sollte, mitten in der Sonne an einem gut belüfteten Ort. Da
Weißdorne kalte Klimate gut vertragen, müssen im Winter keine
besonderen Vorkehrungen getroffen werden, lediglich bei längeren
Frostperioden sollten sie an einen geschützten Ort gebracht werden.
Gießen
Wie bereits gesagt, ist die hervorstechende Eigenschaft des Crataegus
seine reiche Blüte. In dieser Zeit ist reichliches Gießen besonders
notwendig. Sollte regelmäßiges Gießen nicht möglich
sein, ist es ratsam, die Pflanze unter ein Schattennetz zu stellen, das
nicht nur den Wasserverbrauch einschränkt, sondern auch verhindert,
dass die Blattspitzen der Pflanze verbrennen. Im Winter verringert sich
die Wasserzufuhr, ohne dass der Boden natürlich vollkommen austrocknen
darf.
Beschneiden
Das Beschneiden erfolgt im Winter, wenn der Baum das Wachstum eingestellt
hat. Die langen Zweige müssen jedes Jahr zurück geschnitten
werden, die kurzen Zweige bleiben dagegen stehen, weil sich an ihnen im
folgenden Jahr die Blüte bildet. Weißdorne entwickeln nur einige
Triebe an den Astspitzen besonders kraftvoll. Um die Kraft dieser Triebe
zu verringern, müssen sie frühzeitig pinziert werden, sobald
sie ungefähr acht Blätter erreicht haben. Ohne diesen Eingriff
würden die Äste schnell an Verjüngung und Eleganz verlieren.
Diese Pflanze reagiert selbst auf drastisches Zurückschneiden gut,
und entwickelt sogar reichlich Triebe am Stamm, so dass die Gestaltung
der Aststruktur kein Problem ist. Nach der Blüte werden die welken
Blüten entfernt und die Zweige ungefähr auf einen oder zwei
Nodien zurückgeschnitten. Eine der Eigenarten dieser Spezies ist,
dass sie am Stammansatz zahlreiche Triebe entwickelt, die, bevor sie sich
zu stark entwickeln, sorgfältig und so schnell wie möglich entfernt
werden müssen.
Drahten
Auch wenn es immer besser ist, durch das Beschneiden gestalterisch einzugreifen,
kann das Wachstum zu kraftvoller Triebe auch durch Drahten nach unten
gebremst werden. Der hierfür beste Zeitraum ist von Mai bis
Juni. Wegen des schnellen Wachstums müssen die gedrahteten Stellen
immer überprüft werden, damit der Draht rechtzeitig entfernt
werden kann, bevor er sich in die Rinde einschneidet.
Pinzieren
Das Pinzieren erfolgt im Frühjahr, wobei das neue Wachstum so gelichtet
werden muss, dass eine wechselständige Zweiggestaltung erreicht wird.
Die Triebe der kräftigen Äste werden gestutzt, um ihre Vitalität
auf die schwächeren zu verteilen. Besteht vor allem ein Interesse
an der Blüte, sollte erst nach der Blüte pinziert werden, denn
diese bilden sich an der Spitze der kurzen neuen Zweige. Pinziert man
nach Ende Juli, bilden sich nur Blattknospen.
Umpflanzen
Das Umpflanzen erfolgt alle zwei, drei Jahre im März. In Anbetracht
des schnellen Wachstum des Wurzelapparates kann es notwendig werden, öfter
einzugreifen, vielleicht sogar jedes Jahr. Das für diese Spezies
beste Substrat besteht aus 75 % Akadama und 25 % Universalerde.
Düngen
Für den Herbst ist eine reichliche Düngergabe das Beste. Von
April bis Juni wird ungefähr alle 20 Tage gedüngt, wobei die
Zufuhr von Dünger zur Blütezeit hin abnimmt und zum Ende der
Blüte dann wieder leicht gedüngt wird. Am besten geeignet sind
organische Düngekugeln, die sich langsam auflösen.
Krankheiten
Die Pflanze ist gegenüber keiner Krankheit oder keinem Schädling
besonders anfällig, spricht aber andererseits sehr gut auf die Parasitenbekämpfung
an, die bei einem Befall notwendig würde. Zur Vorbeugung kann im
Winter, wenn der Baum kahl ist, eine Spritzung mit Jinmittellösung
(1:20) erfolgen, um der mögliche Entwicklung von Schadinsekten vorzubeugen.
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