| Der Ahorn, dieser wunderbare Baum mit den gefingerten
Blättern, der zur Familie der Aceraceae gehört, ist zum ersten
Mal auf der Erde im Tertiär in Erscheinung getreten. Auch in unserem
Land ist seine Existenz bereits seit dieser Zeit durch Fossilienfunde nachgewiesen.
Die umfangreiche Gattung ist in den gemäßigten Breiten der borealen
Zone weit verbreitet. Sie besteht aus über 150 Arten von Sträuchern
und Bäumen, die meistens ihr Laub abwerfen. Die Spezies werden nach
der Textur der Rinde und der Vielfalt der Blätter klassifiziert. Diese
können von einfacher Art sein und abfallen oder auch immergrün
und bis zu fünfzehnfach gelappt. Die Blüten, die sich in Blütentrauben
gruppieren, sind häufig eingeschlechtlich. Sie verfügen über
tief unterteilte Kelche mit fünf Blütenblättern. Die Frucht
ist eine Spaltfrucht aus zwei paarigen Teilen, von denen jeder einen geflügelten
Samen enthält, der sich, sobald er reif wird, vom anderen trennt. Wirtschaftliches
Interesse an diesen Spezies besteht vor allem im Garten- und Landschaftsbau.
In letzterem werden vor allem die großblättrigen Arten mit den
unterschiedlichen Formen und Farben geschätzt. In den Gärten bevorzugt
man die kleinen Ahorne japanischer Herkunft. Einige Spezies wie Acer saccharinum
und andere Arten aus Nordamerika produzieren einen süßen Sirup,
der durch Schnitte im Stamm gewonnen wird. Der konzentrierte und verdickte
Pflanzensaft kommt unter dem Namen Ahornsirup in den Handel. Ein bekanntes
Symbol, das der Ahorn prägt, ist die kanadische Flagge. Sie belegt
den Stolz einer ganzen Nation auf diese Pflanze.
Der Ahorn als Bonsai
In Europa werden in der Bonsaigestaltung etwa sechzig Arten kultiviert.
Die wegen ihrer Schönheit und ihres Formenreichtums bekanntesten
und beliebtesten Laubbaumarten sind die japanischen Ahorne. Es handelt
sich um kraftvoll wachsende Pflanzen, die sich gegenüber unterschiedlichen
Temperaturen, von eisiger Kälte bis zu großer
Hitze, sehr resistent zeigen. Sie eignen sich deshalb auch für die
Kultur in fast allen Klimaten. Weil sie auch auf Schnittmaßnahmen
positiv reagieren, können sie ohne Probleme und Einschränkungen
geformt werden.
Ahorne werden besonders wegen ihrer überraschend wandelbaren Erscheinung
in den verschiedenen Jahreszeiten geschätzt: Sie sind im Frühling,
wenn sich die neuen Triebe bilden, im Sommer mit ihrem üppigen Grün
und im Herbst aufgrund der feuerroten Farbe ihrer Blätter geradezu
spektakulär. Besonders interessant sind sie auch nach dem Blattfall,
wenn die elegante Silhouette und die feingliedrige Verzweigung sichtbar
werden.
Vermehrung
Die Reproduktionsarten sind allgemein bekannt: Samen, Stecklinge, Veredelung
und Abmoosen. Samen müssen vor dem Gebrauch stratifiziert werden.
Nach dem Einsammeln werden sie abgedeckt für gut 24 Stunden in ein
warmes Wasserbad gelegt, das sich über die Zeit langsam abkühlt.
Danach werden sie zusammen mit etwas Torf in eine Plastiktüte gefüllt,
die dicht verschlossen bei einer Temperatur von 1° bis 8°C (Kühlschrank)
60 bis 120 Tage lang gelagert werden muss.
Der ideale Zeitpunkt für das Aussäen liegt zwischen Ende Februar
und Anfang März, geeignet ist ein Tongefäß oder eine Styroporkiste.
Die Samen werden in einer Tiefe gepflanzt, die das Doppelte ihres eigenen
Durchmessers nicht überschreiten darf. Die ideale Aussaaterde besteht
aus 60% gesiebtem Akadama und 40% grobem Sand. Nach ungefähr einem
Jahr können die Sämlinge in eigene Schalen gepflanzt werden.
Auch die Vermehrung des Ahorns durch halbverholzte Sommerstecklinge oder
Stecklinge, die man am Ende des Winters aus den Schnittabfällen machen
kann, zeigen befriedigende Ergebnisse. Sommerstecklinge werden zum Ende
des Sommers aus den Frühjahrstrieben geschnitten, sobald die Triebe
ausgehärtet sind. Ideal ist die Verwendung verholzter Stecklinge,
die Ende Januar geschnitten und nach dem Bestäuben des Schnittes
mit Bewurzelungshormonen gesteckt werden. Die Aussaatschale wird vorbereitet,
indem auf dem Boden eine geeignete Dränageschicht gegen Staunässe
aufgebracht wird.
Eine Methode, mit der man vor allem die verschiedenen Varietäten
vermehren kann, ist das Pfropfen. Dazu sind viele verschiedene Vorgehensweisen
bekannt. Welche Veredelungsmethode am meisten Erfolg verspricht,
findet man am besten aufgrund eigener Erfahrung selbst heraus. Gute Ergebnisse
hängen sehr von den eigenen Fertigkeiten im Umgang mit dem Pfropfmesser
ab. Die Spezies, die am meisten als Unterlage verwendet wird, auf die
die verschiedenen Varietäten veredelt werden, ist der grüne
Fächerahorn. Die Pfropfung wird üblicherweise zum Ende des Winters
vor dem Austrieb durchgeführt. Das Pfropfreis wird während der
winterlichen Ruhezeit geschnitten.
Will man innerhalb kürzester Zeit ohne exzessive Kosten und besondere
Risiken einen guten Bonsai entwickeln, dann kann man das Abmoosen als
die praktischste Methode bezeichnen. Die übliche Vorgehensweise,
wie sie für andere Spezies beschrieben worden ist, findet auch bei
dieser Art Anwendung. Der beste Moment für das Abmoosen ist, wenn
der Baumsaft wieder zu fließen beginnt Das ist in der Regel Ende
Februar bis Anfang März der Fall. Zu dieser Zeit ist auch die Wundheilung
der Schnitte begünstigt. Bereits nach einigen Monaten sprießen
die neuen Wurzeln, und im Herbst oder dem darauf folgenden Frühling
kann man die abgemooste Pflanze von der Mutterpflanze trennen. Man schneidet
den neuen Rohbonsai unterhalb der neuen Wurzeln ab. Diese sind weiß
und sehr zerbrechlich, der neue Baum darf deshalb nur sehr vorsichtig
eingepflanzt werden. Bevor man ihn in eine Bonsaischale pflanzt, sollte
er besser ein Jahr in einem geräumigen Behälter oder im Boden
verbringen. So kommen die neuen Wurzeln zu Kraft.
Standort
Wie schon angedeutet wurde, ist der Baum im Hinblick auf Wärme und
Kälte recht resistent. Um aber sein prächtiges Laubwerk nicht
zu schädigen, sollte er schattiert, d.h. vor der intensiven sommerlichen
Hitze geschützt werden. Im Herbst jedoch stellt man ihn möglichst
vollsonnig, da so die Farbe des Laubes intensiver wird. Die niedrigen
Temperaturen des Winters verträgt er gut, es ist aber besser, den
Wurzelapparat und die feine Verzweigung bei Frost zu schützen.
Gießen
Die allgemeine Regel für die Bewässerung, die nahelegt, immer
dann zu gießen, wenn die Erdoberfläche trocken ist, gilt normalerweise
auch für den Ahorn. An besonders warmen Tagen und bei Wind muss man
jedoch häufig mehr als einmal tätig werden, da dann der Boden
sehr schnell austrocknet. Man sollte immer daran denken, dass sowohl der
Mangel als auch der Überfluss an Wasser ernste Folgen für die
Pflanze haben kann. Wassermangel führt zum Erschlaffen der Blätter,
Verdorren der Spitze und zu kümmerlichem Wachstum, während sich
die Blätter bei Wasserüberschuss an den Rändern schwarz
färben.
Beschneiden
Der beste Zeitpunkt für den Rückschnitt der Ahornzweige ist
der Winter. Wenn der Baum seine Blätter verloren hat, ist es leichter,
seine komplette Struktur zu beurteilen. In dieser Zeit kommt es auch nicht
zu einem starken Verlust von Pflanzensaft, dem sogenannten Bluten,
da sich der Baum in der Ruhephase befindet. Gerade die dickeren Äste
sollten immer im Winter beschnitten werden. Greift man dagegen während
der Wachstumsperiode ein, würde selbst das Auftragen von Wundverschlusspaste
das Ausfließen von Pflanzensaft nicht verhindern können.
Was den Auslichtungsschnitt betrifft, so sollte man darauf achten, dass
sich die Knospen beim Ahorn paarweise bilden, eine auf jeder Seite eines
Zweiges (gegenständig). Durch die vorausschauende Auswahl der Knospen
und das richtige Beschneiden der Zweige wächst der neue Austrieb
in die vorgegebene Richtung. Sucht man nach einem vernünftigen Schema
für die Entwicklung des Hauptastes, so sollten sich die sekundären
und tertiären Zweige nicht kreuzen, sondern ein dichtes und komplett
horizontales Zweignetz bilden. Ist die Verzweigung einmal gestaltet, was
in ungefähr fünf Jahren zu erreichen ist, dann muss der Baum
alle vier bis fünf Jahre energisch zurückgeschnitten werden.
Nur so sind die Proportionen und eine gute Gestalt zu erhalten. Nach einem
starken Rückschnitt ist ein Umtopfen sinnvoll.
Drahten
Da die Rinde des Ahorns besonders empfindlich ist, sollte das Gestalten
hauptsächlich durch Beschneiden erreicht werden. Man drahtet also
nur in besonderen Fällen. Der Draht darf wegen des starken Wachstums
dieser Art nie länger als zwei Monate am Baum bleiben. Der beste
Zeitpunkt, um zu drahten, ist das Frühjahr. Im Winter verlangsamt
sich der Fluss des Pflanzensaftes. Obwohl man eine bessere Sicht auf die
Zweigstruktur hat, sollte man deshalb das Drahten in dieser Jahreszeit
vermeiden, da Zweige und Äste weniger biegsam sind und leicht brechen
könnten.
Pinzieren
Sobald sich im Frühjahr die Knospen öffnen, werden sie pinziert.
Es werden ein, maximal zwei Blattpaare stehengelassen. Greift man nicht
zu diesem Zeitpunkt ein, würden die Triebe frei wachsen und lange
Internodien bilden. Das führt zu einem ungeordneten, ästhetisch
unschönen Aufbau. Zurückschneiden kann man während der
gesamten Wachstumsperiode, wobei die niedrigen Äste weniger oft geschnitten
und länger gelassen werden. Die jüngeren Exemplare sollten alle
zwei Jahre im Mai/Juni vollständig entlaubt werden, wobei die Blattstängel
stehenbleiben sollten.
Umpflanzen
Umgepflanzt wird im Frühling, wenn die Knospen anschwellen, aber
bevor sich die Blätter bilden. Die besonders jungen Pflanzen werden
jedes Jahr, die älteren alle zwei bis drei Jahre umgetopft. Was das
Substrat betrifft, so sollte es offen und körnig sein und dabei genügend
Feuchtigkeit halten können. Eine zu hohe Wasserhaltefähigkeit
ist zu vermeiden. Das Substrat, das über all diese Eigenschaften
verfügt, ist eine Mischung aus Akadama (50%), Sand (20%) und Lavagranulat
(30%).
Düngen
Die Düngerdosierung für diese Spezies sollte mäßig,
d.h. nicht sparsam, aber auch nicht zu reichlich sein. Beobachten sie
die Entwicklung des Wachstums bei ihrer Pflanze! Als allgemeine Regel
sollte man organischen Dünger, fest oder flüssig, vom Frühjahr
bis zum Herbst einsetzen, die Düngung aber während der heißen
Monate Juli und August aussetzen.
Krankheiten
Die am häufigsten anzutreffenden, krankmachenden Einflüsse sind
Blattläuse, Spinnmilbe und Mehltau. Der Befall wird in der Regel
zwischen Frühjahr und Herbstbeginn festgestellt. Im Fall der Blattläuse
wird wenigstens dreimal alle zehn Tage ein spezifisches Blattlausvernichtungsmittel
eingesetzt. Um dem Befall durch Milben vorzubeugen, sollte die Pflanze
in einem feuchten und gut gelüfteten Ambiente stehen. Kommt es dennoch
zum Befall, dann wird mit einem chemischen Milbenvernichtungsmittel behandelt.
Der Mehltau greift besonders dann an, wenn sich zu großer Hitze
eine hohe Luftfeuchte gesellt. Aus diesem Grund sollte man der Wahl des
Standortes im Sommer besondere Aufmerksamkeit schenken.
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