Der Fukientee gehört zur Familie der Boraginaceae.
Man findet ihn oft unter dem Namen Carmona microphylla. Er wird heute jedoch
als Carmona retusa bezeichnet und Ehretia acuminata oder Ehretia dicksonii
zugeordnet. Der Fukientee ist bei uns nur als Bonsai bekannt. Er stammt
aus dem südlichen China und ist auch in anderen Zonen verbreitet: Taiwan,
Vietnam, Korea und Japan. Es handelt sich also um einen tropischen Baum,
der bis zu zehn Meter Höhe erreichen kann.
Die einzeln sitzenden Blätter sind oval und haben eine raue und kurze
Behaarung. Sie sind klein, immergrün und haben eine glänzende,
dunkelgrüne Färbung. Carmona blüht in Frühling und Sommer
mit weißen Blüten. Die Frucht ist eine kleine Beere, häufig
von der Größe einer Erbse, die im Entwicklungsstadium grün
und in der Reife rot ist.
Da es sich um einen so genannten Indoor-Bonsai handelt, variiert die Blütezeit
abhängig von den äußeren Bedingungen. Die Carmona kann also
auch im Winter blühen, wenn Licht und Wärme ideal sind und eine
gute Düngung erfolgt ist. Ihre graue Rinde wird bei den älteren
Exemplaren rau. Diese Pflanzen, deren Holz brüchig ist, wurden vor
ungefähr hundertfünfzig Jahren nach Europa eingeführt, haben
aber vor allem in Ländern mit warmem Klima Verbreitung gefunden. Dort
wurden sie häufig bei der Gestaltung von öffentlichen Parks eingesetzt,
um den üblichen Sträuchern etwas Originelles entgegenzusetzen.
Wirtschaftlich gesehen gilt das Interesse an dieser Pflanze besonders ihrem
Holz, das vor allem in der Vergangenheit für verschiedene Gerätschaften,
insbesondere Wagen- und Kutschenräder, eingesetzt wurde, was für
seine Härte spricht. Die Verwendung der Blätter als Teeersatz
ist vor allem auf den Philippinen verbreitet.
Der Fukientee als Bonsai
Wie bereits gesagt, wird die Art aus den Ländern des fernen Ostens
importiert und kommt in den verschiedensten Größen bereits
in der Schale zu uns. Soweit sie aus China kommt, wird sie häufig
von Steinen und Tonfiguren begleitet, die Mönche, Pagoden, Brücken
usw. darstellen. Carmona-Bonsai sind im Handel leicht zu bekommen, denn
sie werden bis heute wie normale Zimmerpflanzen vertrieben. Leider hält
sich die Carmona oft nicht lange, denn sie verträgt trockene Heizungsluft
meist noch schlechter als die anderen üblichen Zimmerbonsai (Chinesische
Ulme, Sageretie, Ficus und Serissa). Sie kann in fast allen Stilformen
gestaltet werden.
Vermehrung
Samen- und Stecklingsvermehrung sind geeignet. Verbreitet ist die Samenvermehrung,
denn die abfallende Frucht keimt leicht auf der Erdoberfläche. Man
kann die reifen Früchte auch einsammeln, um diese in einen Saatkasten
mit Drainagelöchern in eine Mischung aus 60% Akadama und 40% Torf
und Sand zu pflanzen. Die Samen werden in 1 cm Abstand voneinander
in den Boden in eine Tiefe gesetzt, die ihrem Durchmesser entspricht,
nachdem sie vom Fruchtfleisch getrennt worden sind.
Das Auskeimen hängt von der Zeit der Aussaat ab. In der Regel ist
es besser, am Herbstanfang auszusäen und den Behälter in einen
Raum zu stellen und ihn zum Beispiel auf der Konsole eines Heizkörpers
von unten zu wärmen. Im Frühsommer kann er dagegen, mit einer
Glasscheibe abgedeckt, nach draußen gestellt werden. Was das Gießen
betrifft, so wird der Boden wieder gegossen, sobald er anfängt auszutrocknen.
Die Pflänzchen werden, sobald sie sprießen, in einzelne Zuchtschalen
umgesetzt, wobei die gleiche Substratmischung wie bei der Aussaat verwendet
wird. Will man die Samen bis zum nächsten Frühling aufbewahren,
müssen das Fruchtfleisch entfernt und die Samen an einem trockenen
und kühlen Ort gelagert werden.
Die Vermehrung über Stecklinge ist unproblematisch, aber je verholzter
diese sind, desto länger dauert die Ausbildung der Wurzeln. Stecklinge
werden in der Regel im späten Frühjahr oder zu Beginn des Sommers
genommen, wenn die neuen Triebe zu reifen beginnen, aber noch nicht völlig
verholzt sind. Bei Trieben von 4-6 cm Länge und ohne lange Internodien
hat man reichlich Knospen. Die Triebe werden nicht tiefer als 2 cm
gesteckt und zuerst mit Wurzelhormonen behandelt. Das ideale Substrat
besteht aus 60% Akadama, 30% Torf und 10% Sand.
Wenn die Bedingungen gut sind, schlagen die Stecklinge in drei, vier Wochen
Wurzeln. Man sollte sie bis zum Ende des Sommers wachsen lassen, bevor
sie in einzelne Schalen gepflanzt werden. Gegen Ende September sind die
Pflänzchen bereits stark genug und bereit, um in Plastik- oder Tonschalen
mit einem Durchmesser von 10-15 cm gepflanzt zu werden. Vom folgenden
Frühling an kann dann mit der Gestaltung durch Drahten begonnen werden.
Carmona ist, wie bereits erwähnt, in den Bonsaizentren sehr verbreitet
und die Preise sind moderat. Vor dem Erwerb sollte man sich allerdings
vom Gesundheitszustand der Pflanze überzeugen. Besonders bei den
mittleren und großen Exemplaren sollte man sich eher gegen Exemplare
mit Narben, die durch starken Rückschnitt entstanden sind, entscheiden
und keine Exemplare mit schwacher Beastung kaufen. Dabei sind dünne
Astansätze weniger beunruhigend, da der Neuaufbau durch das richtige
Beschneiden einfach und problemlos ist. Große Narben verwachsen
jedoch nicht mehr.
Standort
Da es sich um einen Baum tropischen Ursprungs handelt, benötigt er
konstant hohe Temperaturen, weshalb der Fukientee auch als Indoor-Bonsai
bezeichnet wird. Während die Carmona im fortgeschrittenen Frühling
auf die Terrasse, den Balkon oder in den Garten gestellt werden kann,
sollte sie wieder hereingebracht werden, sobald die Außentemperatur
unter 13-15° C fällt. Dabei gibt man ihr einen geschützten
Ort mit einer Lichtquelle in weniger als 1 m Entfernung bei einer
Temperatur zwischen 15° und 24° C. Im Außenbereich
erträgt sie die direkte Sonneneinstrahlung problemlos, mit Ausnahme
der heißesten Monate, in denen sie in den Halbschatten gestellt
werden sollte.
Gießen
Diese Spezies muss reichlich und regelmäßig gegossen werden,
wobei der Boden zwischen zwei Gießvorgängen leicht antrocknen
sollte. Staunässe gilt es zu vermeiden, weshalb die Drainage immer
überwacht werden muss. Frisch importierte Bäume wachsen oft
in einer lehmartigen Masse, die unbedingt durch geeignetes Substrat ersetzt
werden muss, da sonst eine gute Wasserversorgung unmöglich ist. Wassermangel
ist einer der wichtigsten Gründe für das Absterben der Carmona.
Leider ist es nicht einfach, den Mangel rechtzeitig wahrzunehmen, da die
Pflanze erst Symptome des Wassermangels zeigt (Welke), wenn es schon zu
spät ist. Bei zuviel Wasser werden die Blätter dagegen innerhalb
kurzer Zeit schwarz und fallen nach und nach ab.
Beschneiden
Ein starker Rückschnitt kann zu jeder Jahreszeit erfolgen, auch wenn
man sagt, dass der beste Moment der Beginn des Frühjahrs ist. Die
Carmona wird aber durch das Beschneiden nicht besonders geschwächt.
Die großen Schnitte müssen jedoch unbedingt mit Wundverschlusspaste
versorgt werden. Die Gestaltung der Carmona erfolgt nach der Lignan-Methode,
die darin besteht, abwechselnd -wachsen zu lassen und dann zu beschneiden.
Die mit dieser Methode bearbeiteten Bäume zeichnen sich aus durch
markante Winkel, schroffe Risse und halb verschlossene Narben. Dadurch
haben die Bäume oft das typisch -chinesische, alte und manchmal
faszinierende Aussehen. Wichtig ist das Auslichten der Zweige, die an
ungünstigen Stellen wachsen, sich kreuzen, nach oben oder nach unten
zeigen usw. Der Auslichtungsschnitt wird vor allem in den Frühlingsmonaten
und ab und zu im Winter durchgeführt.
Drahten
Gedrahtet wird nur in extremen Fällen, also nur, wenn es keine Alternativen
gibt, einen benötigten Zweig zu gestalten. Denn die Carmona hat,
trotz ihres wüchsigen Aussehens, ein sehr zerbrechliches Zweigwerk.
Zudem ist auch die Rinde ausgesprochen empfindlich und der Draht kann
sich sogar während des Drahtens in die Rinde einschneiden, wenn zu
starker Druck ausgeübt wird. Hält man die Verwendung von Draht
trotzdem für notwendig, sollte man besser auf Spanndrähte zurückgreifen
und diese an einer tiefer gelegenen Stelle des Stamms oder an der Schale
befestigen. Mit Hilfe dieser Methode kann man die Äste absenken,
die aus dem Stamm nach oben statt waagerecht wachsen.
Pinzieren
Zur Verfeinerung der Struktur und der Silhouette des Baums wird das Pinzieren
der zu langen Triebe eingesetzt. Dazu nimmt man am besten die Bonsaischere,
mit der man auf 2 oder 3 Blätter zurückschneidet, sobald die
Triebe 7-10 Blätter gebildet haben. Die Carmona verträgt das
Pinzieren mit den Fingern nicht, es sei denn, man will das Wachstum vollständig
stoppen. Diese Technik wird während der gesamten Wachstumsperiode
angewandt.
Umpflanzen
Das Umpflanzen erfolgt alle 2-3 Jahre im späten Frühjahr oder
zu Beginn des Sommers. Die Substratmischung besteht aus Akadama (60%),
Komposterde (30%) und Sand (10%). Beim ersten Umpflanzen besteht die schwierigste
Arbeit darin, den bereits erwähnten Lehm zu entfernen, in dem die
meisten importierten Bäume wachsen. Beim darauf folgenden Umpflanzen
wird rund 1/3 des Bodens entfernt und die zu langen Wurzeln gekürzt.
Düngen
Verwendet wird einmal im Monat sich langsam zersetzender organischer Dünger
oder flüssiger Dünger, der außer in den heißesten
Monaten (Juli-August) alle 10-15 Tage verabreicht wird. Während des
Winters ist ein paar Mal Düngen ausreichend. Verzichtet man auf das
Düngen, werden die Blätter nach und nach gelb. Auch wenn sie
nicht abfallen, blockiert der Baum doch sein eigenes Wachstum. Er ist
dann so geschwächt, dass jedes weitere Problem tödlich sein
kann. Aber Vorsicht, auch ein Übermaß an Dünger kann das
Wachstum hemmen. Die Triebe schrumpfen und nehmen eine dunkelgrüne
Färbung an, die Blätter fallen ab und die Zweige trocknen.
Krankheiten
Die Pflanzen werden vor allem von Blatt- und Schildläuse angegriffen.
Zu deren Bekämpfung wird zu systemischen Insektenvernichtungsmitteln
geraten, sobald erste Symptome erkennbar sind. Wird die Pflanze ordnungsgemäß
gepflegt, ist der Befall mit Insekten, Milben oder Pilzen aber eher selten.
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