Mit Fortunella wird in der Nomenklatur die Pflanze
bezeichnet, deren Früchte Kumquat genannt werden. Robert Fortune war
ein Reisender, der um 1848 Pflanzen dieser Art zuerst nach Europa brachte.
Zuvor hatten Loureiro und Thunberg zwei Unterarten der Gattung Citrus zugerechnet.
Diese beiden - Fortunella margarita und Fortunella japonica - waren also
früher als Citrus margarita und Citrus japonica bekannt. Fortunella
stellte eine der Citrus verwandte Art dar, die sich von dieser unterscheidet,
weil sie andere morphologische Merkmale aufweist. Fortunella gehört
zur Familie der Rutaceae, deren Verbreitung in Europa im 19., in Amerika
erst im letzten Jahrhundert wirklich begann. In ihrem Ursprungsland, in
Japan, kann die Familie jedoch auf eine weit zurück gehende Beliebtheit
und Verwertung zurückblicken.
Es handelt sich um strauchartige, dornlose Pflanzen mit beständigen, einfachen,
dicken Blättern von eher blasser Farbe mit vielen Drüsen auf der Blattunterseite.
Die Blüten sind entweder einzeln oder in Blütentrauben stehend angeordnet,
mit einem Kelch aus drei bis fünf verkleinerten Kelchblättern und vier
bis acht fleischigen Blütenblättern, die ebenso reich an Drüsen
wie die Blätter sind. Die Frucht unterscheidet sich kaum von den Zitrusfrüchten,
sie ist aber in der Regel kleiner und kugelförmig oder oval mit einer dicken
Schale. Sie ist bittersüß und essbar.
Botaniker unterteilen die Art in drei Unterarten: F. hindsii, F. japonica und
F. margarita. Fortunella japonica ist ein verzweigter, eher dorniger Strauch
mit kleinen, spitz zulaufenden Blättern. Die Blüten bestehen aus fünf
bis sechs Segmenten. Sie ist wegen der kleinen zweigreichen Äste und der
lebhaften Farben ihrer Früchte die interessanteste Spezies der Art. Fortunella
hindsii ist ein Strauch oder kleiner, dorniger Baum. Die Blätter haben eine
ovale oder elliptische Form, sind spitz zulaufend und haben kleine Flügel.
Die Blüten sind kurz und breit. Die kleinen Früchte haben einen Durchmesser
von ungefähr 2 cm und eine wunderschöne rot-orangene Färbung.
Die Früchte der Fortunella werden bei der Herstellung von Gelatine, Kompott
und Marmeladen verwendet. In milderen Gegenden Südeuropas werden die Pflanzen
auch als Gartenpflanzen kultiviert.
Die Fortunella als
Bonsai
Die kleine Pflanze zählt zu den Südfrüchten und wird wegen
ihrer schönen Früchte geschätzt. Sie ähneln Orangen,
sind aber kleiner, und haben eine sehr dicke Schale. Seit jeher gilt
Fortunella als schwierig zu kultivieren und sie bietet tatsächlich
im Vergleich zu anderen Fruchtbäumen noch einige zusätzliche
Probleme. Lernt man allerdings ihre Eigenheiten kennen und nimmt auf
diese Rücksicht, ist die Kultur leichter als befürchtet. Bei
dieser Spezies muss man bei jedem Eingriff besonders strikt auf die Einhaltung
des jeweiligen Anwendungszeitraums achten, wenn man erfolgreich sein
möchte. Man muss die jahreszeitlichen Zyklen der Pflanze genau kennen,
um zu wissen, wann welche Eingriffe im Laufe des Jahres durchzuführen
sind. Die Blüten sind zwittrig, weshalb die natürliche Bestäubung
problemlos verläuft; auch die Fruchtbildung ist weitgehend problemlos.
Vermehrung
Fortunella kann erfolgreich ausgesät, aber auch durch Stecklinge
und Abmoosen vermehrt werden. Die Samen werden Mitte April gepflanzt,
wobei die Pflänzchen im Winter geschützt werden müssen,
da sie keine Kälte vertragen. Nach der Aussaat muss reichlich gegossen
werden. Die Gefäße können im frostfreien Kalthaus kultiviert
werden, wobei sie aber immer in der Sonne stehen müssen, die den
Boden aufheizt.
Stecklinge bedürfen keiner besonderen Vorkehrungen, außer dass man
der Wurzelbildung genügend Zeit geben und auf den richtigen Zeitpunkt achten
muss. Der beste Zeitpunkt ist Ende August, bei möglichst hoher Temperatur
und Luftfeuchtigkeit. Stecklinge müssen von gesunden Zweigen genommen werden,
die Schnitte sauber und schräg angelegt sein und danach mit Wurzelhormonen
versehen werden. Schließlich werden sie in ein Sand-Torfgemisch gesteckt.
Von jetzt an entscheidet die Pflege über den mehr oder weniger großen
Erfolg der ganzen Operation. Ideal ist eine konstante Temperatur um die 25°C
und eine hohe Luftfeuchtigkeit, die man durch dauerndes Besprühen erreicht.
Bei dieser Pflanze kann man auch, das Umpflanzen im späten Frühjahr
ausnutzend, Wurzelstecklinge nehmen.
Was das Abmoosen betrifft, so muss es erfolgen, wenn die Außentemperaturen
und die Luftfeuchtigkeit besonders hoch sind (der ideale Zeitpunkt liegt zwischen
Mai und Juni, am besten unter Gewächshausbedingungen). Der Eingriff erfolgt
auf die klassische Art, indem man die Rinde und die darunter liegenden Zellschichten
einschneidet und einen Ring entfernt, dessen Höhe ungefähr dem Durchmesser
des Baumes entspricht. Nach dem Aufbringen von Wurzelhormonen wird der so behandelte
Bereich mit feuchtem Moos abgedeckt und mit einer dunklen Plastikfolie umwickelt.
Nach einigen Monaten sprießen neue Wurzeln. Die Trennung der neuen Pflanze
von der Mutterpflanze ist ein kritischer Augenblick, dessen erfolgreiche Durchführung
von einer möglichst großen Anzahl Wurzeln abhängt, die sich gebildet
haben müssen.
Standort
Fortunella ist eine eher empfindliche Spezies, die keine Kälte verträgt.
Die Probleme liegen jedoch nicht so sehr in der Kälte an sich, sondern
im schnellen Absinken der Temperaturen oder einem schroffen Wechsel der
Umgebungsbedingungen. Die Pflanze verliert vor allem an Kraft, wenn sie
im falschen Moment ins Gewächshaus gebracht oder von Außeneinflüssen
geschützt wird. Im Winter ist es angebracht, sie bei mittleren Tagestemperaturen
unter 15°C ins Gewächshaus zu bringen. Weil sie unter niedrigen
Temperaturen leidet, sollte der Baum vor den ersten Frösten ins
Kalthaus gebracht werden, denn der Frost schadet den Blättern. Wenn
er besonders intensiv ist, verliert der Baum alle seine Blätter
und wird geschwächt. Auch vor längeren Regenperioden sollte
er geschützt werden. Halten diese über mehrere Tage an, ist
der Baum unter einem Dach besser aufgehoben. Im Sommer braucht er sehr
viel Sonne, ein sonniger Standort muss aber von häufigem Gießen
und hoher Luftfeuchtigkeit begleitet sein.
Gießen
Sobald die Oberfläche des Bodens trocken ist, muss der Baum gegossen
werden. Insbesondere ist darauf zu achten, dass er nie austrocknet, weil
er dann mit dem vollständigen Abwerfen der Blätter reagieren
kann. Ist der Baum im Sommer der Sonne ausgesetzt, darf es nie an Wasser
fehlen.
Beschneiden
Fortunella blüht und bildet Früchte in den Blattachseln der
Triebe des laufenden Jahres. Deshalb müssen die neuen Zweige zwischen
Mitte Juni und Ende Juli gekürzt werden, nachdem sich die Früchte
gebildet haben. Je nach Wachstumsbereich bleiben zwei bis fünf Knoten
stehen. Diese Spezies wächst sehr stark. Wenn der Baum gesund ist,
bringt er unaufhörlich am Stamm neue Triebe hervor. Diese Triebe
werden entfernt, sobald sie sich gebildet haben, sonst würden sie
den Zweigen Kraft entziehen und den Stamm an der Stelle verdicken, an
der sie wachsen. Die Blüten sind zweigeschlechtlich und bilden normalerweise
problemlos Früchte. Damit die Früchte auch reifen, muss das
Blattwerk den Sommer über gesund bleiben. Eine mit Früchten
beladene Fortunella ist wunderschön, kostet den Baum aber viel Energie.
Deshalb sollten die Früchte spätestens gegen Ende Januar ausgelichtet
werden.
Drahten
Weil das Holz der Fortunella eher hart ist, reagieren die alten Zweige
nicht gut auf das Drahten. Deshalb werden nur junge Zweige gedrahtet
und gebogen. Die Triebe, die sich im Juli bilden, werden nicht gedrahtet,
weil sie sehr zart sind und dazu tendieren, am Ansatz zu brechen. Deshalb
ist es angebracht, mit dem Drahten einen Monat zu warten, bis sich
die Zweige gefestigt haben.
Pinzieren
Im Sommer sollten einige der äußersten Blätter abgeschnitten
werden, denn wenn die Krone zu dicht ist, können innere Triebe verloren
gehen. Um das Licht optimal in den inneren Bereich durchzulassen, reicht
es nicht aus, die überflüssigen Blätter außen abzuscheiden,
sondern auch die Triebe, die in nicht erwünschte Richtungen wachsen,
müssen bearbeitet werden. Im Juni oder Juli kann ein Blattschnitt
erfolgen, wobei auch die Blütenknospen und die Dornen entfernt werden,
denn es scheint, als treibe die Pflanze so besser aus. Lässt man
die Fruchtbildung aus den ersten Blüten des Jahres zu, werden die
Früchte zu groß, weshalb die erste Blüte entfernt und
die Fruchtbildung mit der zweiten Blüte erfolgen sollte.
Umpflanzen
Ist der Baum gesund, füllt sich die Schale schnell mit weißen,
kleinen Wurzeln. Beim Umpflanzen werden eventuell vorhandene Pfahlwurzeln
entfernt und die feinen Wurzeln, insbesondere im Bereich des Wurzelballens,
gekürzt, um die Entwicklung in horizontaler Richtung zu fördern.
Der hierfür richtige Zeitraum ist in der Regel Ende Mai, wenn Tagestemperaturen
von über 22°C erreicht werden. Der empfohlene Boden ist eher
grobkörnig, um eine gute Entwässerung zu ermöglichen.
Eine gute Mischung besteht aus 60% Akadama, 20% Kies und 20% Humus. Ein
weiterer wichtiger Rat bezieht sich auf den Schutz der Pflanze vor direkter
Sonneneinstrahlung bis ungefähr zwei Wochen nach dem Umpflanzen.
Dieser Vorgang sollte alle 2-3 Jahre wiederholt werden.
Düngen
Geeignet für die Fortunella ist sich langsam zersetzender organischer
Dünger, der ein konstantes Niveau der Versorgung im Substrat während
des gesamten Aktivitätszeitraums der Pflanze sicherstellt. Fortunella
wird zwischen Mai und Oktober einmal im Monat gedüngt, wobei die
zugeführten Mengen vom Öffnen der Blüte bis zur Fruchtbildung
verringert werden.
Krankheiten
Diese Spezies wird leicht von Blattläusen, Schildläusen und
Pilzen befallen. Um nur schwer lösbare Probleme zu vermeiden, sollte
im Frühjahr bzw. späten Winter eine vorbeugende Spritzung mit
Jinflüssigkeit in einer Lösung im Verhältnis 1:20 durchgeführt
werden. Bei Befall muss sofort zu den entsprechenden Mitteln gegriffen
und mindestens drei Anwendungen im Abstand von jeweils zehn Tagen durchgeführt
werden.
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