Hainbuchen gehören zur Familie der Betulaceae,
sind also eher mit den Haselsträuchern oder Birken als mit den Buchen
verwandt. Der Name ist wohl vom lateinischen Wort für Wagen
carpentum abgeleitet. Die Verbindung besteht darin, dass das
sehr feste Holz in früherer Zeit für den Bau von Rädern für
Wagen verwendet wurde. Auch im keltischen Vokabular findet man einen
Bezug zur Hainbuche: car bedeutet Holz und pin Kopf, eine Anspielung
auf die Verwendung des Holzes für die Herstellung der Joche für
Rinder.
Die Gattung Carpinus besteht aus wenigstens zwei Dutzend Arten, die
sich über fast alle Länder der gemäßigten Klimate
der borealen Hemisphäre, vorzugsweise aber über Zentral-
und Ostasien erstrecken. Zu Carpinus gehören baumartig und seltener
buschförmig wachsende Spezies. Viele Arten zeichnen sich durch ihre
feine Verästelung aus. Im April/Mai bilden sich männliche Kätzchen.
Weibliche Blütenstände tragen zur Fruchtzeit dreilappige
Hochblätter, die die kleinen Nussfrüchte einschließen.
Die graue Rinde der Gemeinen Hainbuche (Carpinus betulus) ist anfangs
glatt, später netzartig gemustert, das glänzend grüne Blattwerk
nimmt im Herbst einen strohgelben bis gelbbraunen Ton an. Die Pflanze ist
einhäusig. In der Natur kann sie ein Alter von rund 200 Jahren erreichen.
Wie aus Analysen fossiler Überreste hervorgeht, kann man die Hainbuchen
als die Reste des Unterholzes der großen, uralten Waldlandschaften
betrachten. Der kaufmännische Wert ihres Holzes ist nicht sehr hoch,
was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass sich ihr Holz leicht
verdreht und zerreißt, weshalb es nicht für die Arbeit an der
Drehbank geeignet ist. Besonders geschätzt ist sie jedoch aufgrund
ihres im Winter an den Trieben verbleibenden Blattwerks. Wegen dieser Eigenheit
und der guten Schnittverträglichkeit wird sie häufig als
Heckenpflanze in Parks und Privatgärten gepflanzt.
Die Hainbuche als Bonsai
Die Kultivierung dieser Pflanze als Bonsai ist sehr verbreitet, da sie
neben einer feinen und dichten Verästelung auch einen sehr attraktiven
Stamm ausbildet. Außer im streng aufrechten Stil kann die Hainbuche
in allen Stilen gestaltet werden. Insbesondere als mittelgroßer
Bonsai wird sie geschätzt.
Die Varietäten, die in Japan am häufigsten als Bonsai kultiviert
werden, sind Carpinus tschonoskii, C. japonica, C. laxiflora, C.
turczaninovii und C. coreana. In Europa und Amerika werden die dort jeweils
heimischen Spezies kultiviert. Carpinus betulus ist sehr verbreitet und
eignet sich ausgezeichnet für die Bonsaikultur.
Vermehrung
In Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei Carpinus um Pflanzen handelt,
die häufig in den Gärten verwendet werden, findet man sie in
Baumschulen und Gartenzentren regelmäßig in großer Auswahl.
Auch in der Natur ist die Hainbuche weit verbreitet, so dass das
Ausgangsmaterial dieser Spezies leicht zu besorgen ist. Das Ausgraben
bereitet aufgrund der meist vorhandenen vielen feinen Wurzeln
kaum Probleme. Nur auf felsigem Grund entwickeln sich lange, dicke Wurzeln.
Der geeignetste Zeitraum für das Ausgraben erstreckt sich vom Herbst
über den Winter bis zum Austrieb. Sobald die Blätter braun geworden
sind, kann man ans Werk gehen.
Die Vermehrung kann auch über Samen oder Stecklinge erfolgen. Die
Stecklinge sollten aus leicht bis vollständig verholzten Trieben
geschnitten werden. Die Stecklinge kann man also im März, kurz vor
dem Austrieb, schneiden. Zum Stecken führt man einen doppelten, schrägen
Schnitt aus und behandelt die Schnittflächen mit Bewurzelungshormonen.
Leicht verholzte Stecklinge werden im Juni geschnitten, wenn der Austrieb
beendet ist. Um übermäßige Verdunstung zu verhindern,
werden in diesem Fall die Blätter halbiert und die unteren Blätter
entfernt. Die Länge der Stecklinge beträgt in beiden Fällen
ca. 7-10 cm. Sind sie vorbereitet, werden sie in eine Schale mit Akadamasubstrat
gepflanzt, was eine gute Drainage erlaubt. Der Behälter wird dann
an einen schattigen, vor Wind geschützten Platz gestellt, wobei immer
auf ausreichende Feuchtigkeit zu achten ist. Nach ungefähr zwei Jahren
können die Stecklinge im Frühling in einzelne Anzuchtschalen
verpflanzt werden.
Pfropfen ist aufgrund der Narbe nicht zu empfehlen, erfolgt aber
wenn nötig im Mai. Abmoosen dagegen ist denkbar einfach: Ein
Teil des Stammes oder eines Astes wird entrindet, indem ein Rindenring
von etwa dem anderthalbfachen Durchmesser des Stammes oder Astes entfernt
wird. Nach dem Entfernen der Rinde und des Kambiums werden Bewurzelungshormone
aufgebracht und der Bereich mit feuchtem Torfmoos bedeckt. Dann wird die
Stelle mit einer Plastikfolie abgedeckt, die an den Enden fest verschlossen
wird. Nach Ablauf von ungefähr 3-5 Monaten sollten aus dem behandelten
Bereich die Wurzeln ausschlagen. Nach ausreichender Wurzelbildung
wird der abgemooste Teil von der Mutterpflanze getrennt und in eine Anzuchtschale
gepflanzt. Der neue Baum sollte eine Weile nicht direkter Sonneneinstrahlung
ausgesetzt werden, sondern sich nach und nach an diese gewöhnen können.
Standort
Mit Ausnahme der heißesten Monate des Jahres, in der sie besser
schattiert stehen, haben die Hainbuchen ihren Platz in der direkten Sonne.
Es ist jedoch zu beachten, dass ihre Wurzeln empfindlich auf große
Hitze reagieren und schnell verbrennen. Um dafür zu sorgen, dass
die Sonneneinstrahlung die Schale nicht zu sehr aufheizt und den Wurzelapparat
schädigt, ist es sinnvoll, die Oberfläche des Substrates durch
eine Schicht Moos überwachsen zu lassen. Im Winter sollte die Hainbuche
frostfrei an einem geschützten Ort untergestellt werden, da die Wurzeln
auch unter starker Kälte leiden können.
Gießen
Was die Bewässerung betrifft, so stellt die Hainbuche keine Anforderungen,
die sich von den allgemein üblichen unterscheiden, weshalb im Sommer
ausgiebig gegossen und vor allem überbraust werden sollte. Im Herbst
dagegen sinkt der Wasserbedarf der Pflanze ab, und es wird weniger gegossen.
Der Boden sollte nie vollständig austrocknen, auch nicht in den Wintermonaten!
Mit einer guten Drainage sollte natürlich Staunässe verhindert
werden.
Beschneiden
Die Hainbuche neigt dazu, im Winter Zweige absterben zu lassen, was das
Beschneiden zu Beginn des Frühlings ratsam erscheinen lässt.
Diese Tendenz kann verhindert oder zumindest vermindert werden, indem
man die Astetagen klar gliedert, so dass Luft und Licht alle Bereiche
des Baumes erreichen. Um die Silhouette nach dem Austrieb neu zu definieren,
werden die Triebe auf zwei oder drei Knoten zurückgeschnitten. Die
Triebe sollte man jedoch zuerst frei wachsen lassen und sie nach und nach
stärker zurückzuschneiden. Ein Problem ist der Saftrückzug,
mit dem die Hainbuche vor allem beim Rückschnitt starker Äste
reagiert.
Eine mögliche Form des Schnittes für eine moderat wachsende
Verzweigung ist das Entfernen des Leittriebes, der in der Regel, verglichen
mit dem übrigen Wachstum, sehr lang wird. Schneidet man ihn im Frühjahr,
wächst der Ast besser proportioniert. Da die Spitze der Hainbuche
sehr vital ist, muss sie energischer zurückgeschnitten werden als
die anderen Bereiche. So verteilt sich die Energie der Pflanze besser.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass in der Kronenspitze keine Zweige
wachsen, die im Verhältnis zur Dicke des Stammes und der Hauptäste
zu kräftig sind.
Drahten
Um dem Baum eine gute Struktur zu geben, kann auch durch Drahten eingegriffen
werden. Der beste Zeitpunkt dafür ist im Frühjahr vor dem Austrieb
oder als Alternative im Herbst nach der Blattfärbung. Da die Rinde
außerordentlich empfindlich ist, muss der Draht sorgsam mit Seidenpapierstreifen
umwickelt werden, bevor man ihn verwendet. Der Draht sollte zudem häufig
kontrolliert werden, damit keine Druckstellen oder Drahtnarben entstehen.
Pinzieren
Die Triebe der Hainbuche sollten nicht zu stark pinziert werden. Dabei
ist zu beachten, dass die Blätter an den Zweigen wechselständig
wachsen. Beim Pinzieren ist also auf die Richtung zu achten, in die sich
der neue Trieb entwickeln soll. Entweder sollten die frischen Triebe nur
leicht mit den Fingern pinziert werden oder nach dem Durchtreiben energischer
durch Einkürzen mit der Schere. Nach dem Pinzieren bleiben zwei bis
drei der neuen Blätter stehen. Die Hainbuche neigt dazu, im Winter
Zweige vertrocknen zu lassen.
Aus diesem Grund ist es vorzuziehen, schwächere Triebe wachsen zu
lassen, um sie dann erst im Sommer, wenn sie kräftiger geworden sind,
zu pinzieren. Pinzieren dient hauptsächlich dazu, die Wuchskraft
der verschieden kräftigen Äste aneinander anzugleichen. Grundsätzlich
sollten kräftigere Triebe energischer und schwächere weniger
stark zurückgenommen werden.
Umpflanzen
Das erstmalige Eintopfen in eine Schale erfolgt im März, wenn die
Knospen zu schwellen beginnen. Hierzu werden die Wurzeln ausgespült,
beschnitten und die alten und faulen Wurzeln vollständig entfernt.
Zu beachten ist, dass in den ersten zehn Lebensjahren der Pflanze alle
zwei Jahre umgepflanzt werden sollte, während danach vor einem neuen
Eingriff auch ein längerer Zeitraum verstreichen darf. Die geeignetste
Substratmischung besteht aus 80% Akadama und 20 % Lavaganulat.
Düngen
Für die richtige Düngung kommt es darauf an, das Wachstum des
Baumes zu beobachten. Treibt der Baum beim ersten Austrieb in der Schale
mit großer Vitalität aus, so muss erst gedüngt werden,
wenn diese Phase abgeschlossen ist, da sonst die Internodien zu lang werden.
Ansonsten sollte im ersten Monat nach dem Austrieb mit flüssigem,
organischen Dünger wöchentlich, danach bis zum Ende des Sommers
alle zwei Wochen gedüngt werden. In den wärmsten Monaten, im
Juli und August, darf nicht gedüngt werden.
Krankheiten
Diese Spezies leidet manchmal unter Schädlingen und Pilzerkrankungen.
Die Hainbuche wird oft auch von der Spinnmilbe befallen, die in leichten
Fällen einfach durch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit bekämpft
werden kann. Ist der Befall dagegen stärker, so muss eine Behandlung
mit dem entsprechenden Pestizid erfolgen.
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