Stechpalmen gehören zur Familie der Aquifoliaceae,
sie sind vor allem in den tropischen und subtropischen Zonen beheimatet.
Von den ungefähr 400 bekannten Arten kommt nur Ilex aquifolium in Europa
natürlich vor. In Mitteleuropa ist die Stechpalme der einzige immergrüne
Laubbaum. In den nördlichen Breiten ist sie sehr beliebt, weil sie
gerade hier ihre ansprechende Baumform ausbildet. In manchen Ländern
ist sie wie bei uns die Fichte oder Tanne aufgrund ihres immergrünen
Laubes als Weihnachtsbaum geschätzt.
In ihrer typischen Form ist die Stechpalme ein breiter und kompakter Strauch
mit unempfindlichen, glänzenden, leuchtend grünen Blättern.
Bei Ilex aquifolium zieht sich die Blattäderung zu Stacheln aus. Sie
stehen am Blattrand abwechselnd nach oben und unten. Im Frühling bedecken
sich die Zweige mit weißen Blüten, aus denen sich bei dieser
zweihäusigen Pflanze nur an den befruchteten weiblichen Exemplaren
kleine Steinfrüchte bilden, die Beeren ähnlich sehen. Sie nehmen
nach und nach eine korallenrote Färbung an und bleiben bis in den Winter
hinein an den Zweigen haften. Unter den Gartenpflanzen werden die immergrünen
Ilex wegen ihrer Früchte, der Krankheitsresistenz und Schattenverträglichkeit
geschätzt. Ihr Holz ist von wirtschaftlichem Nutzen. Die Blätter
einiger Spezies finden auch medizinische Anwendung. Aus ihnen gewinnt man
Präparate mit harntreibender, anregender und entzündungshemmender
Wirkung.
Die Stechpalme als Bonsai
Die Stechpalme ist einer der Fruchtbäume, die sich am einfachsten
und elegantesten als Bonsai gestalten lassen. Da es sich, wie bereits
erwähnt, um eine zweihäusige Spezies handelt, verteilen sich
männliche und weibliche Blüten auf verschiedene Pflanzen. Die
Bäume, die männliche Blüten tragen, sind dadurch charakterisiert,
dass sowohl die Blüten als auch die Verzweigung zarter sind. Aber
nur die weiblichen Exemplare bringen Früchte hervor. Ein weiterer
Vorzug mancher Ilexarten ist ihre spektakuläre Blüte und die
Fähigkeit, sich an alle Bonsaistile anzupassen. Die am häufigsten
verwendeten Varietäten sind Ilex crenata, die Jap. Stechpalme (ihre
Blätter und Zweige sind feingliedrig), und Ilex serrata, die Jap.
Winterbeere mit dünnen, länglichen Blättern. Diese sind
den Blätter von Kirsche und Apfel ähnlicher als den sattgrünen,
dornigen Blättern unserer heimischen Art.
Vermehrung
Ilex werden vor allem durch Abmoosen und Stecklinge, manchmal auch durch
Samen vermehrt. Da es sich um eine schnell wachsende Art handelt,
ist es nicht schwer, auch mit der letztgenannten Methode gute Ergebnisse
zu erzielen. Die Vorgehensweise ist einfach: Im März pflanzt man
in eine Schale mittlerer Tiefe eine begrenzte Anzahl Samen aus dem vorherigen
Jahr. Aber Vorsicht! Bevor man aussät, muss die holzige Hülle
mit einem Messer oder mit Sandpapier bearbeitet werden, um ein leichteres
Keimen zu ermöglichen. Das ideale Substrat besteht zu hundert Prozent
aus feinkörnigem Akadama, das ständig feucht, aber nicht nass
gehalten werden muss. Das Behältnis sollte bis zum Beginn der Keimung
in die Sonne und an die Luft gestellt werden. Im Laufe ihrer Entwicklung
kann man nach und nach die Pflanzen auswählen, die am kräftigsten
wachsen. Die Schwächsten werden aussortiert. In drei oder vier Jahren
erhält man so eine genügende Anzahl von Sämlingspflanzen,
die zum Umpflanzen in einzelne Anzuchtschalen und zur Gestaltung zum Bonsai
geeignet sind.
Eine andere Möglichkeit zur Vermehrung ist das Ablegen oder Abmoosen.
Die bekannte Methode, die in den Monaten April/Mai angewendet wird, besteht
aus dem ringförmigen Entrinden des Teiles des Stammes oder Zweiges,
der Wurzeln bilden soll. Wichtig dabei ist, gut sterilisiertes Werkzeug
zu verwenden. Die entrindete Stelle wird zunächst mit Bewurzelungshormonen
bestäubt und dann mit feuchtem Torfmoos bedeckt. Darüber
wird dann eine (schwarze) Plastikfolie gezogen, die das Moos umschließt
und an den Enden gut befestigt wird. Sobald sich neue Wurzeln bilden,
wird die junge Pflanze von der Mutterpflanze getrennt und in eine Anzuchtschale
gesetzt. Was Stecklinge betrifft, so können sowohl grüne als
auch verholzte oder halbverholzte Triebe als Stecklinge geschnitten werden.
Auch mit Wurzelstecklingen erzielt man gute Ergebnisse. Trotz ihrer
Effizienz ist diese Methode bei vielen Laubbäumen jedoch noch nicht
sehr verbreitet. Beim Umpflanzen und Beschneiden der Wurzeln kann man
die kräftigeren Wurzeln zur Vermehrung eintopfen. Diese Möglichkeit
wird oft übersehen und gutes Ausgangsmaterial einfach weggeworfen.
Standort
Obwohl es sich um eine die Wärme liebende Spezies handelt, ist sie
selbst strengen Temperaturen gegenüber sehr anpassungsfähig.
Die Ilex können ruhig das ganze Jahr über nach draußen
gestellt werden, vorausgesetzt, die Wurzeln werden in der kältesten
Zeit des Winters vor dem Einfrieren bewahrt und die Blätter vor eisigem
Wind geschützt. Völlig problemlos kann man die Stechpalme selbst
den intensiven Strahlen der Sommersonne aussetzen. Nur die jungen Pflänzchen
müssen zu den heißesten Tageszeiten geschützt werden.
Aber auch sie gewöhnen sich schrittweise an diese Bedingungen. Will
man eine schöne Fruchtbildung genießen, dann muss man unbedingt
Sorge tragen, dass die Blüten vor starkem Wind oder Regen geschützt
werden. Indem man sie einfach unter das Regal stellt, können sie
auch unter widrigen Umständen bestäubt und damit befruchtet
werden.
Gießen
Stechpalmen brauchen ausreichend Wasser. Auf das Gießen ist vor
allem dann besonderer Wert zu legen, wenn sich die Früchte gebildet
haben. Bei Wassermangel fallen die Beeren ab oder verlieren ihre Farbe,
und außerdem welken die Blätter. Das Fehlen von Wasser führt
zudem dazu, dass die Triebe langsamer reifen, wodurch sich die Blütenknospen
ungleich entwickeln. Deshalb ist dafür zu sorgen, dass der Boden
immer feucht ist oder besser noch, dass er zwischen zweimal Gießen
nicht austrocknet. Beim Bewässern darf der Wasserstrahl nie direkt
auf die Blüten gerichtet werden, sondern nur auf das Substrat, denn
wie durch niederprasselnden Regen können sonst die Blüten beschädigt
oder abgerissen werden.
Beschneiden
Nachdem der mit Beeren behangene Baum ausgiebig bewundert wurde, wird
er im Spätherbst oder zu Beginn des Winters beschnitten. Dabei bleiben
2-3 Knospen stehen. Eine weitere Möglichkeit bietet sich im Frühjahr,
wobei dann ebenfalls die Zweige, die für die Fruchtbildung wachsen
durften, bis zum zweiten oder dritten Knoten zurückgeschnitten werden.
Die Form des Baumes zu erhalten ist also nicht schwer, da sich die Blütenknospen
nicht auf den neuen Trieben, sondern auf den Zweigen des vorherigen Jahres
bilden. So kann man zurückschneiden, ohne die Blüte zu gefährden.
Da die Spezies sehr vital ist, ist das Beschneiden auch unter der Perspektive
des Wuchskraftausgleiches zu sehen. Die Triebe der Krone und die Spitzen
der kräftigsten Äste müssen also immer wieder entschlossen
zurückgeschnitten werden. Der Formschnitt erfolgt besser im Spätherbst
oder zu Beginn des Winters.
Pinzieren
Richtiges Pinzieren garantiert ein kompaktes Wachstum. Das Pinzieren muss
zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Die Triebe, die sich an unerwünschten
Stellen gebildet haben, werden sofort nach dem Austrieb entfernt. Das
begünstigt die nutzbaren Triebe, die solange weiter wachsen können,
bis sie das ideale Maß für die Formgebung erreicht haben.
Umpflanzen
Die Stechpalme profitiert stark, wenn sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit
umgepflanzt wird. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr sollte sie zu Beginn
eines jeden Frühjahrs umgepflanzt werden. Die Wurzeln sind sehr fein
und vital und können in einer Wachstumsperiode die Schale füllen.
Dadurch wird das richtige Gießen sehr erschwert. In höherem
Alter kann alle zwei Jahre umgepflanzt werden. Die ideale Mischung für
diese Spezies besteht aus 50 % Akadama, 30% Komposterde und 20 % Lavagranulat.
Düngen
Ein verbreiteter Fehler bei der Kultur der Stechpalme ist eine zu hoch
dosierte Düngung. Diese Pflanze ist sehr vital und widerstandsfähig.
Sie benötigt keine hohen Düngergaben. Zu empfehlen ist vor allem
organischer Dünger vom Frühjahr bis zum Herbst. (Nicht während
der heißen Monate düngen!)
Krankheiten
Die Pflanze leidet vor allem unter Minierkäferlarven. Der Angriff
dieser Parasiten ist in der Wachstumsperiode im Frühjahr am wahrscheinlichsten.
Am wirkungsvollsten gegen Befall sind vorbeugende Behandlungsmethoden.
Hat sich das Krankheitsbild erst einmal gezeigt, so müssen wenigstens
drei Behandlungen mit einem spezifischen Produkt in einem Abstand von
zehn Tagen vorgenommen werden.
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