Der Jasmin gehört zur Familie der Oleaceae, die
wenigstens 200 Arten zählt, deren Verbreitung sich vor allem auf die
warmen Länder Europas, Asiens, Afrikas und die pazifischen Inseln konzentriert.
In Italien gibt es eine wild wachsende Spezies: Jasminum fruticans. Diese
Pflanze ist in Europa schon seit langem bekannt; sie wurde zum ersten Mal
gegen Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt, nachdem sie von dem Seefahrer
Vasco da Gama eingeführt wurde. Die Pflanze wurde bald besonders von
Frauen geschätzt, für die der Jasmin in der Sprache der Blüten
Botschafter der Liebe war. Dieser Ruf haftete ihm auch in den kommenden
Jahrhunderten noch an. Diese Berühmtheit verdankt er vor allem den
orientalischen Dichtern.
Morphologisch handelt es sich um einen Laub abwerfenden oder immergrünen
Strauch mit aufrechtem oder kletterndem Habitus, gegenüberstehenden
oder wechselständigen und in der Regel lanzettartigen, kleinen Blättern.
Er blüht früh, oft vor Beginn des Frühlings, und die gelben
oder weißen Blüten, die sich von den grünen, gekrümmten
noch blattlosen Zweigen abheben, können als erste Anzeichen der neuen
Wachstumssaison angesehen werden. Der Jasmin bildet allein stehende Blüten,
die sich immer an den Enden der kleinen Zweige entwickeln.
Die Blüte besteht in der Regel aus 58 Segmenten. Die Staubblätter
sind doppelt im Kelch angeordnet. Die Frucht ist eine Beere, besteht aber
häufig aus zwei aneinander gewachsenen aber dennoch getrennten Beeren,
von denen jede ein Paar Samen besitzt.
Was seine wirtschaftliche Bedeutung betrifft, so spielen Jasminum officinalis
und Jasminum grandiflorum eine wichtige Rolle in der Parfümindustrie.
Der Jasmin ist auch eine wunderschöne rankende oder kletternde Zierpflanze,
die wegen ihres zarten Duftes und ihrer typischen Beschaffenheit häufig
in Schalen oder auch Gärten gezüchtet wird.
Der Jasmin als Bonsai
Obwohl es beim Jasmin keine Gründe gibt, ihn nicht als Bonsai zu
kultivieren, und er gerade in warmem Klima große Freude bereiten
kann, ist er noch immer nicht so verbreitet, wie er es eigentlich wegen
seiner außergewöhnlichen Qualität verdient hätte.
Unter den Spezies, die für die Bonsaikunst am besten geeignet sind,
befindet sich die japanische mit gelben Blüten: Jasminum nudiflorum,
der als Winterjasmin bekannt ist. Andere Spezies, die ebenfalls besonders
für diesen Zweck geeignet sind, sind Jasminum polyanthum mit weißer
Blüte und Jasminum primulinum mit gelber Blüte. Gerade weil
die Kultur so problemlos ist, wird diese Spezies auch Anfängern empfohlen.
Kraftvolles Wachstum erleichtert die Realisierung guter Ergebnisse. Er
eignet sich sowohl für aufrechte aber insbesondere auch für
hängende Stilarten, doppel- und mehrstämmige Varianten. Ein
Jasmin ist zudem ideal, um eine Felsgestaltung zu schaffen.
Vermehrung
Die am häufigsten für die Vermehrung des Jasmins eingesetzte
Methode ist die durch Stecklinge. Der hierfür beste Zeitpunkt ist
nach der Blüte, das heißt, von Ende März bis Anfang April.
In der Regel werden Zweige aus dem vorherigen Jahr verwendet. Im Prinzip
können aber auch die Zweige des gleichen Jahres ab Juli/August genutzt
werden, wobei die Pflanze in diesem Fall aber lange Internodien ausbildet.
Die Stecklinge dürfen höchsten 810 cm lang sein und
werden von Zweigen geschnitten, die kurze Internodien und kräftige
Blätter aufweisen. Ideal ist es, wenn sie interessante Kurven zeigen.
Der Steckling wird direkt unter einem Knoten abgeschnitten, wobei an der
Basis ein 45°-Schnitt ausgeführt wird. Sobald die Wachstumshormone
aufgebracht sind, wird er direkt in eine Erdmischung, die zu gleichen
Teilen aus Akadama und Sand besteht, gesteckt. Danach wird gegossen, wobei
in der Folge darauf zu achten ist, dass der Boden nie ganz austrocknet.
Der ideale Standort ist in dieser Phase der Halbschatten (Wärme und
Gewächshaus sind nötig).
Nach ungefähr dreißig Tagen beginnen die neuen Knospen zu wachsen
und dies ist auch ein Hinweis auf die zeitgleiche Entwicklung der Wurzeln.
Sobald sich zwei oder drei Blätter geöffnet haben, sollte die
Pflanze schrittweise an die Sonne gewöhnt werden. Dies ist auch der
richtige Augenblick, mit leichtem Düngen mit flüssigem, organischen
Dünger zu beginnen. Um die Pflanze nicht zu schwächen, sollte
noch nicht beschnitten oder pinziert werden. Ist der Steckling gesund,
entwickelt er schon nach einem Jahr die erste Blüte.
Jasmine können auch in Baumschulen erworben werden, die häufig
eine breite Auswahl zu moderaten Preisen anbieten. Die Wahl sollte auf
solche Pflanzen fallen, deren Stämme keine Wunden von drastischem
Rückschnitt aufweist, denn die Vernarbung verläuft sehr langsam.
Dies ist vielleicht der größte Nachteil des Jasmin. Außerdem
sollten nur solche Exemplare ausgesucht werden, die sich bester Gesundheit
erfreuen, ein gutes Zweigwerk haben und deren Wurzeln gut entwickelt sind.
Standort
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine Spezies, die in milden
und warmen Klimaten wächst, weshalb sie das ganze Jahr über
einen sonnigen Standort bevorzugt. Nur in den wärmsten Sommermonaten
sollte sie in den Halbschatten gestellt werden, um unangenehme Verbrennungen
an den Blättern zu vermeiden. Im Winter, sobald die Temperatur unter
35 C° sinkt, wird der Jasmin in einer kühlen Umgebung
(ohne Heizung), wie einem Eingang oder unter einer Treppe untergebracht.
Außerdem ist darauf zu achten, dass er nicht starkem Wind ausgesetzt
wird. Ideal ist ein Kalthaus.
Gießen
Es muss nicht ausgesprochen häufig gegossen werden. Für den
Jasmin gilt ohne weiteres die allgemeine Regel, nur dann zu gießen,
wenn die Erde angetrocknet ist. Natürlich muss im Sommer mehr gegossen
werden, manchmal bis zu zweimal am Tag. Es handelt sich aber um eine Pflanze,
die auch Trockenheit gut verträgt, so dass sie auch dann nicht sofort
einen Schaden erleidet, wenn das Gießen mal vernachlässigt
wird. Dagegen sollte nicht zu viel gegossen werden, denn wenn das Wasser
in der Schale stehen bleibt, entstehen an den Wurzeln größere
Probleme als bei vorübergehendem Wassermangel.
Beschneiden
Berücksichtigt man, dass der Hauptnachteil des Jasmin seine Tendenz
zum Saftrückzug ist, sollten keine dicken Äste geschnitten werden.
Sollte es dennoch notwendig werden, ihn drastisch zu beschneiden, muss
dieser Eingriff mit gut desinfizierten Werkzeugen erfolgen und danach
sofort Verschlusspaste auf die Wunden aufgebracht werden.
Der Sommerschnitt erfolgt zwischen Ende Juni und Anfang Juli, wenn die
Zweige des Jahres bis auf 13 Knoten zurückgeschnitten werden.
Die Wahl der Zweige, die geschnitten werden sollen, richtet sich nach
der Form, die der Baum erhalten soll, und der Kraft des jeweiligen Zweigs.
Besonders schwache Zweige werden auch dann nicht geschnitten, wenn sie
unästhetisch sind. Wenn das Wachstum sehr stark ist, sollten auch
zeitweise überhängende Zweige geduldet werden. So beugt man
dem Saftrückzug vor. Je reifer die Pflanze ist, desto gefährlicher
ist das Beschneiden, weshalb in diesem Fall nur einmal im Jahr ausgelichtet
wird und die unvermeidbaren aggressiven Eingriffe wohlüberlegt geplant
werden. So ist klar, dass, wenn man einen Bonsai mit einem hohen Niveau
aus einem Jasmin gestalten will, man von jungem Material ausgehen muss.
Drahten
Die Zweige des Jasmin sind zerbrechlich, besonders die älteren, die
deshalb kaum mit Draht verändert werden können. Die jungen Zweige
hingegen können nach der Blüte gedrahtet werden, wobei der Draht
nur für einen Zeitraum von ungefähr zwei Monaten an der Pflanze
verbleibt. Man belässt ihn nur für die unbedingt notwendige
Zeit, damit der Zweig die gewünschte Form halten kann. Damit sich
der Draht nicht in die Rinde einschneidet, sollte er vorher mit Kreppklebeband
abgeklebt und dann auf 2/3 der Länge des Zweigs angebracht werden,
wobei das letzte zerbrechliche Stück nicht gedrahtet wird.
Pinzieren
Nach der Blüte werden die verwelkten Blüten mit den Fingern
abgezupft und die Zweige mit Blütenknospen geschnitten, während
die Zweige mit Blattknospen erhalten werden. Am Ansatz der Verzweigungen
bilden sich häufig neue Triebe, die sofort entfernt werden müssen,
um die Kraft der bereits gestalteten Zweige nicht zu gefährden.
Im Mai/Juni wird das Wachstum der langen Zweige durch das Pinzieren des
zweiten/dritten Knotens gebremst. Am nachfolgenden Wachstum bilden sich
die neuen Blütenknospen für das nächste Jahr. Man sollte
nicht vergessen, dass der Baum, wenn im Juli pinziert wird, kaum noch
Blütenknospen bilden kann.
Umpflanzen
Da es sich um eine sehr kräftig wachsende Spezies handelt, ist häufiges
Umpflanzen notwendig, das jährlich oder spätestens alle zwei
Jahre erfolgen muss. Der für das Umpflanzen ideale Zeitpunkt ist
das Frühjahr nach der Blüte oder Ende September nachdem die
Blätter abgefallen sind. Die für diese Spezies am besten geeignete
Substratmischung besteht zu 80 % aus Akadama und zu 20 % aus
Komposterde. Um die große Wachstumskraft zu bremsen, sollte der
Wurzelballen, der aus einer Pfahlwurzel mit ineinander verflochtenen feinen
Wurzeln besteht, während des Umpflanzens drastisch beschnitten werden.
Düngen
Bis das kraftvolle Wachstum der neuen Triebe einsetzt, braucht überhaupt
nicht gedüngt zu werden. Vom Ende der Blüte bis zum späten
Sommer ist das intensive Düngen mit flüssigem, organischem Dünger
dagegen notwendig. Im September und Oktober wird dagegen einmal im Monat
sich langsam zersetzender Dünger (P-K-betont) zugeführt. Im
Winter wird die Düngerzufuhr unterbrochen.
Krankheiten
Die Schädlinge, die bei dieser Spezies am häufigsten auftreten,
sind Blattläuse, Raupen und Schildläuse. Bei ihrem Auftauchen
werden systemische Insektizide eingesetzt, deren Anwendung mindestens
dreimal in einem Abstand von jeweils zehn Tagen erfolgt. Wenn die Dränage
des Bodens nicht gut ist, können die Wurzeln von Fäulnis befallen
werden. Dann muss das Gießen reduziert und sofort ein Fungizid mit
Breitbandwirkung angewendet werden.
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