Umstritten und ungewiss ist die Terminologie dieses
prächtigen, immergrünen Baumes, der zur Familie der Theaceae gehört
und in Korea und Japan wild wächst. Einige meinen, das Wort Camellia
sei zu Ehren des italienischen Jesuitenpaters Camelli geprägt worden,
scheinbar der Erste, der die Pflanze in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
nach Europa importierte. Andere ordnen den Namen einem gewissen Giorgio
Giuseppe Kamel zu, ebenfalls ein Jesuit, der sie auf der Rückkehr von
einer Reise nach Asien 1730 mit nach Europa gebracht haben soll.
Ungeachtet der widersprüchlichen Angaben zu ihrer Einführung auf
unserem Kontinent kann man aber mit Sicherheit die große Bedeutung
feststellen, die die Camellia in der europäischen Blumenzucht innerhalb
kürzester Zeit erlangt hat. Inzwischen ist sie mit hunderten von Varietäten
bei uns vertreten. Morphologisch handelt es sich bei der Kamelie um eine
verholzende, immergrüne, baum- oder auch strauchartig wachsende Pflanze.
Sie zeichnet sich durch dichtes und sehr hartes Holz sowie eine glatte,
graue Rinde aus. Die Blätter sind wechselständig, vereinzelt,
mehr oder weniger ledrig, glatt und unbehaart, manchmal gezahnt, leuchtend
dunkel grün auf der oberen und matt hellgrün auf der unteren Blattseite.
Die Blüten sind groß, aufsitzend oder gestielt, achsel- oder
endständig, in der Regel einzeln und bilden sich auf den einjährigen
Trieben. Es gibt nicht mehr als fünfzehn Arten. Ihr Ruf gründet
sich nicht nur auf ihre dekorative Qualität als Pflanze oder auch Schnittblume.
Überschreitet man die Grenzen der Ästhetik, kann man ihre große
Bedeutung für die Teekultur entdecken. Insbesondere gilt dies für
Camellia sinensis (synonym Thea sinensis), aus der das berühmteste
Getränk der Welt hergestellt wird: Tee. Sie ist die Basis einer erfolgreichen
Landwirtschaft, die sich in erster Linie von China kommend zunächst
auf die Nachbarländer Indien, Indonesien, Japan usw. und dann über
ganz Europa und die Welt verbreitet hat.
Die Kamelie als Bonsai
Es scheint klar zu sein, dass das Interesse an der Kamelie für Bonsailiebhaber
vor allem auf ihre spektakuläre Blüte gerichtet ist. Trotzdem
sind auch die anderen wichtigen Merkmale, die die Camellia aufweist, bei
einem Bonsai beachtenswert: die kleinen Blätter, die dichte Krone
und die kurzen Internodien. Eine strukturierte und reduzierte Form erlaubt
außerdem, den Charakter und die Eigenheiten einer Spezies mehr hervorzuheben,
als dies eine frei wachsende Pflanze in der Natur zuließe. Unter
den Varietäten, die am meisten geschätzt werden, ist sicher
Camellia sasanqua hervorragend, die die kleinste und kompakteste Form
ausbildet. Trotz der vielen positiven Faktoren, denen noch die einfache
Gestaltbarkeit hinzuzuzählen ist, sind Kamelienbonsai eher selten.
Wer sich um ihre Kultivierung bemüht, wird mit ihrer unumstrittenen
Schönheit und einer verführerischen Einfachheit belohnt. Diese
Qualitäten findet man selten zusammen in einer einzigen Pflanze.
Die Stile, für die sie sich am besten eignet, sind: locker aufrechter
und geneigter Stil, Kaskadenformen, Doppel- und Mehrfachstämme in
mittleren und großen Dimensionen.
Vermehrung
Die Camellia wird vor allem über Setzlinge und Abmoosen vermehrt.
Das Abmoosen erfolgt im Juli, wenn die neuen Triebe reif und gefestigt
sind, wobei kleine, ein Jahr alte Zweige entnommen werden. Der ideale
Boden besteht aus einer Mischung von Kanuma (50%) und Akadama (50%) feiner
Korngröße. Werden die Setzlinge mit einer konsistenten Biegung
gedrahtet, werden sie sich kaum verdicken. Besonders für Anfänger
ist die Abmoostechnik, bei der die neuen Triebe an den Zweigen der Gartenbäume
zum Abmoosen gebogen werden, geeigneter als die Vermehrung durch Setzlinge.
Da es sich um Gartenbäume handelt, verdicken sie sich schnell, wenn
man die Enden frei wachsen läst. Will man also in kurzer Zeit eine
gute Camellia für einen Bonsai haben, ist das Abmoosen wirkungsvoller
als das Vermehren über Setzlinge.
Genannt werden soll auch die Möglichkeit des Pfropfens, die allerdings
wenig verwendet wird, denn wenn man nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit
vorgeht, verliert der Baum schnell an Natürlichkeit und Charakter.
Für das Pfropfen ist der Sommer die am besten geeignete Jahreszeit.
Dazu werden ein kleiner Zweig entnommen und die Blätter halb durchgeschnitten.
Bei gleichzeitiger Kontrolle der Wachstumsrichtung wird am Ansatz ein
schräger Schnitt ausgeführt, der das Einfügen des Pfropfungsträgers
erlaubt. Der gepfropfte Bereich wird danach mit einem Nylonband festgebunden.
Pfropft man dagegen im September, werden während des Rests des Jahres
keine neuen Triebe mehr wachsen, sondern im folgenden Frühjahr kräftig
austreiben. Der Vorteil des Pfropfens im September besteht auch darin,
dass dann die Spuren des Pfropfens weniger zu sehen sind, als dies bei
einem Eingriff im Frühjahr der Fall wäre.
Im Frühjahr kann auch über Samen vermehrt werden. Die Samen
werden der Fruchtkapsel entnommen, sobald sie reif sind, was in der Regel
im März der Fall ist. Um diejenigen auszuwählen, die für
das Auskeimen ideal sind, werden die Samen in Wasser getaucht und die
oben schwimmenden entfernt. Das Saatbeet wird mit einem eher sauren Substrat
vorbereitet. Das Auskeimen erfolgt schnell, wenn man immer für eine
gewisse Luftfeuchtigkeit sorgt. Die Pflänzchen bleiben wenigstens
2 Jahren im Saatbeet, bevor sie in eine Schale gepflanzt werden.
Standort
Die Kamelie verträgt kein strenges Klima, weshalb sie im Winter vor
Einbruch der Kälte an einem geschützten, aber kühlen Ort
untergebracht werden muss. Der Standort sollte luftig und hell mit Temperaturen
von 5-12 Grad sein. Vom März bis September wird sie nach draußen
an einen gut belüfteten Ort gestellt und vor allem zwischen Juni
und August vor übermäßiger Sonneneinstrahlung geschützt.
Gießen
Da es sich um eine immergrüne Spezies handelt, muss auch im Winter
häufig gegossen werden. Die Feuchtigkeit darf jedoch auch nicht zu
hoch sein, da sich die Blätter sonst gelb verfärben und abfallen.
Sobald sich die Knospen bilden, wird nur noch moderat gegossen. Im Sommer
muss die Pflanze reichlich gewässert werden, um dauerhaft eine mittlere
Feuchtigkeit aufrecht zu erhalten.
Beschneiden
Die Gestaltung der Kamelie, die normalerweise recht kräftig wächst,
erfolgt vor allem durch das Beschneiden. Wichtig ist das Schneiden der
überflüssigen Triebe, die nach der Blüte beginnend bis
Ende Juni überall austreiben. Gegen Ende der Blüte werden die
verwelkten Blüten entfernt und die Zweige auf 1-2 Nodien zurückgeschnitten.
Da die Art normalerweise leicht blüht, sollten die Blütenknospen
selektiert werden. Ziel ist eine gleichmäßigere Verteilung,
die schöner ist und Unordnung verhindert. Eine klare Form tut der
Erscheinung gut. Die Blütenknospen erkennt man daran, dass diese
leicht größer und rundlicher sind als die Blattknospen.
Drahten
Gedrahtet werden vor allem die Hauptäste in der Strukturierungsphase
und später die kräftigen Zweige, die jeweils leicht nach unten
gebogen werden. Dabei ist zu beachten, dass die Rinde der Kamelie sehr
weich ist. Sowohl Aluminium- als auch Kupferdraht kann zu Spuren in der
Rinde führen. Bewährt hat sich, den Draht immer mit Kreppklebeband
zu umwickeln und so zu -polstern. Wegen des schnellen Triebwachstums
darf der Draht nicht zu lange am Baum bleiben, sonst läuft man Gefahr,
auf Stamm und Ästen Spuren zu hinterlassen. Der Draht sollte täglich
überprüft und sofort entfernt werden, wenn er in die Rinde eindrückt.
Pinzieren
Das Pinzieren ist eine wirkungsvolle Gestaltungstechnik, wobei es für
junge Pflanzen besser ist, die Triebe eine gewisse Zeit in die Länge
wachsen zu lassen, damit sie sich verdicken, bevor man sie kürzt.
Bei entwickelten Exemplaren ist das Pinzieren, das von April bis Mitte
Juli durchgeführt wird, dagegen eine für die Ausgestaltung der
Feinstruktur der Zweige unverzichtbare Methode. Die beste Vorgehensweise
ist, die grünen Triebe bis auf eine Länge von 5-10cm wachsen
zu lassen, um sie dann mit den Fingern oder der Pinzette auf 1-2 Blätter
zu kürzen. Erfolgt der Eingriff bei noch dichten und kompakten Triebspitzen,
bilden sich Zweige mit kurzen Internodien. An diesen bilden sich dann
Blütenknospen. Die Kamelie kann auch mit gutem Erfolg gegen Ende
Juni, Anfang Juli entlaubt werden. Man macht dazu einen vollständigen
Blattschnitt alternierend zu mehreren Jahren normaler Kultivierung.
Umpflanzen
Da es sich um eine Pflanze mit guter Wuchskraft handelt, ist es ratsam,
mit einer gewissen Häufigkeit, wenigstens alle 2-3 Jahre, umzupflanzen.
Der hierfür ideale Zeitraum erstreckt sich von Mitte April bis Anfang
Juni. Zu diesem Zeitpunkt ist die Basis der neuen Triebe bereits reif
und gut gefestigt. D.h., dass man umtopfen kann, solange die Triebe noch
auf rund der Hälfte grün sind, der Ansatz aber schon die typische
Holzfärbung angenommen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt entwickeln sich
auch die weißen Wurzelspitzen kräftig, weshalb problemlos umgepflanzt
werden kann. Gleichzeitig mit dem Umpflanzen werden die jungen Triebe
auf 1-2 Knoten gekürzt, soweit sich am Ansatz schon neue Knospen
gebildet haben. Die ideale Substratmischung für diese typische Moorbeetpflanze
besteht aus 70% Kanuma, 20% Universalkomposterde und 10% Sand.
Düngen
Nach der Blüte muss reichlich mit organischem, flüssigem oder
festem Dünger gedüngt werden. Während der heißesten
Sommerzeit und im Winter wird die Düngerzufuhr unterbrochen. Nach
dem Umpflanzen muss das Düngen wenigstens fünf Wochen lang unterbrochen
werden.
Krankheiten
Kamelien sind nicht besonders anfällig für Krankheiten, die
einzige wirkliche Bedrohung ist die Schildlaus. Findet man sie, sollte
mit den bekannten Insektiziden eingegriffen werden. Es sind wenigstens
drei Behandlungen mit den auf dem Etikett angegebenen Dosen im Abstand
von jeweils 10 Tagen notwendig, um alle Generationen erfolgreich zu bekämpfen.
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