Er gehört zur Familie der Oleaceae. Ligustrum
vulgare, eine verbreitete Liguster-Art, wurde von Linné zum Ausgangspunkt
einer neuen Gattung gemacht. Er wächst auch in Europa wild. In Deutschland
findet man ihn vor allem in Randbereichen von Gehölzen und vor allem
als Hecken. Er wächst auch in anderen Regionen Europas, im westlichen
Asien bis nach Persien und auch im nördlichen Amerika wild. Zurzeit
gehören zur Gattung Ligustrum an die fünfzig Arten, deren natürliche
Verbreitung sich vom östlichen Asien bis nach Indien erstreckt.
Es handelt sich meistens eher um einen Busch als einen Baum, der eine Höhe
von 3 bis 5 Metern erreicht und der ein besonders dichtes Zweigwerk ausbildet.
Die Blätter können abfallend oder immergrün sein, sind gegenständig,
einfach, mit kurzem Blattstängel, glattrandig und von mittlerer Größe.
Die Blüten, in der Regel weiss und zweigeschlechtlich, sind Endrispen
mit glockenförmigem Kelch und öffnen sich etwa im Juni. Die trichterförmige
Blüte teilt sich in vier Lappen. Die Früchte sind beerenförmige
Steinfrüchte mit jeweils ein bis vier Samen.
Zwei Gruppen der Gattung Ligustrum sind bedeutend. Bei der ersten Gruppe
ist der Blütenstand behaart, wie bei Ligustrum ovalifolium, einer
Pflanze japanischen Ursprungs, die 1844 in Europa eingeführt wurde.
Die ovalen Blätter sind stumpf, bisweilen mit fleckigem Blattstängel.
Die Art ist gekennzeichnet durch eine lange Winterruhe. Der Blütenstand
bei der zweiten Gruppe, zu der verschiedene Spezies gehören, ist unbehaart:
Die bekanntesten sind L. coriaceum, L. japonicum, L. lucidum und L. delavayanum.
Letztere wurde im 20 Jh. aus China eingeführt.
Wie bereits erwähnt, ist bei uns die Rainweide heimisch (Ligustrum
vulgare), auch gemeiner Liguster genannt. Sie hat leuchtend grüne
Blätter, duftende Blüten, immer mit weißen Blütenrispen.
Zu den Besonderheiten der Spezies gehört, dass die Blüten eine
bedeutende Nahrungsquelle für die Bienen sind.
Der Liguster wird bekanntermaßen wegen der Schönheit seiner
leuchtenden Blätter und der Leichtigkeit, mit der man ihn durch Beschneiden
gestalten kann, besonders für die Anpflanzung dichter und breiter
Hecken eingesetzt.
Der Liguster als
Bonsai
Eine interessante Eigenschaft dieser Spezies ist ihre Rinde, die bereits
bei relativ jungen Pflanzen attraktiv sein kann. Die sich feingliedrig
und mit Leichtigkeit verdichtenden Zweige machen aus der Laub abwerfenden
Spezies (Outdoor-Bonsai) selbst im Winter etwas besonders. Die zahlreichen
Blüten sind klein, die Früchte verbleiben lange an den Zweigen,
sind aber, da sie klein und dunkel sind, für das Interesse am Baum
nicht vorrangig. Nach vielen Kulturjahren in der Schale bildet die Rinde
feine Risse aus, die zusammen mit den zarten Blüten und dem reichen
Blattwerk die Faszination der Spezies ausmachen.
Die Spezies für den Innenbereich (Indoor-Bonsai), die immergrün
ist, wächst im Süden Chinas wild. Sie heißt Ligustrum
sinensis und ihr natürliches Habitat zeichnet sich durch ein warmes
Klima aus, so dass sie in den milden und kühleren Klimaten als Zimmerbonsai
kultiviert wird.
Die für den Liguster geeignetsten Stilformen sind aufrecht und geneigt,
auf dem Felsen, mit Doppel- und mit Mehrfachstamm, die Besenform und
als Wald.
Vermehrung
Man findet den Liguster leicht als Hecke und auf dem Land verwildert
und kann ihn durch Samen, Stecklinge oder Abmoosen vermehren. Die Aussaat
erfolgt im Oktober. Man säubert die entnommenen Samen vom Fruchtfleisch
und pflanzt sie in eine Mischung aus Sand und Torf zu gleichen Teilen.
Im folgenden Frühling treiben die Samen aus, das Samenbeet muss
im Winter allerdings vor Frost geschützt werden. Die beste Jahreszeit,
um aus dem Liguster Stecklinge zu machen, ist das Frühjahr, wofür
man die Zweige aus dem vorherigen Jahr verwendet.
Das Abmoosen erfolgt, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit hoch sind.
Der Zeitraum zwischen Mai und Juni ist ideal. Der Eingriff ist klassisch:
Einschneiden der Rinde und der darunter liegenden Saftgefäße,
so dass man einen Rindenring von einer Breite entfernen kann, der ungefähr
dem Durchmesser des Baums entspricht. Danach bedeckt man den Bereich
mit befeuchtetem Moos und umwickelt das Ganze mit dunkler Plastikfolie.
Nach einigen Monaten wachsen die kleinen neuen Wurzeln aus dem entrindeten
Bereich heraus.
Für das Ausgraben in der Natur ist der Frühling noch vor dem
Herbst besonders geeignet, während von den anderen Jahreszeiten
abzuraten ist. Den größten Erfolg wird man auf jeden Fall
haben, wenn man die Pflanzen im Frühling entnimmt, weil der von
der Pflanze gespeicherte Saft dabei hilft, den kritischen Zeitraum nach
der Entnahme zu überstehen.
Standort
Was die chinesischen Spezies angeht, so müssen diese in den langen
Monaten im Innenbereich an einen von Licht durchfluteten Standort nicht
weiter als einen Meter vom Fenster entfernt gebracht werden, wobei
sich die Temperatur zwischen 15° und 23° C bewegen sollte.
Vom Mai bis September wird die Pflanze in den Halbschatten nach draußen
gestellt.
Die Spezies, die für draußen geeignet sind, sind robuster
und leiden deshalb auch unter niedrigen Temperaturen nicht. Ratsam
ist allerdings, sie in den wärmsten Sommermonaten vor direkter
Sonneneinstrahlung und im Winter vor längeren Frostperioden mit
sehr kalten Temperaturen zu schützen.
Gießen
Das Gießen sollte reichlich ausfallen und regelmäßig
erfolgen, sobald der Boden zwischen zweimal Gießen trocken wird.
Die Pflanze mag keine Staunässe, weshalb immer auf eine gute Drainage
zu achten ist. Bei zu viel Wasser werden die Blätterspitzen schwarz
und die Blätter fallen nach und nach ab. Natürlich schadet
auch Wassermangel, der bei Ligustern zu den häufigsten Todesursachen
zählt. Man darf nicht vergessen, dass Ligustrum in der Schale
in kurzer Zeit eine große Anzahl kleiner Wurzeln bildet, die
den Boden beanspruchen und zu schneller Zersetzung beitragen.
Beschneiden
Die Spezies für den Außenbereich wird im Winter, wenn sie
kahl ist und die Details besser sichtbar sind, in der Spitze und an
den kräftigen Ästen gelichtet, um die inneren und schwächeren
Zweige zu stärken. Im Laufe der Wachstumsperiode bis Ende August
können die Zweige jederzeit beschnitten werden. Soll der Eingriff
an dicken Ästen durchgeführt werden, sollte dies gegen Ende
des Frühjahrs bzw. im Sommer erfolgen, wobei die Wunden mit Wundverschlusspaste
bestrichen werden müssen, damit kein Saft fließt. Um den
Wundverschluss zusätzlich zu fördern, müssen Scheren
und Werkzeuge gut geschliffen und desinfiziert sein. Was die Wundverschlusspaste
betrifft, so hat sich die japanische, mit Hormonen angereicherte Paste
bewährt. Spezies für den Indoorbereich können das ganze
Jahr über beschnitten werden.
Drahten
Gedrahtet wird nur da, wo dies unverzichtbar erscheint, denn der Liguster
wirkt natürlicher, wenn er ausschließlich durch Beschneiden
gestaltet wird. Die von Saft durchströmten Zweige und Triebe
können das ganze Jahr über problemlos gedrahtet werden.
Um die Rinde nicht zu verletzen, muss der Draht, noch bevor er einschneiden
kann, entfernt werden.
Pinzieren
Besondere Bedeutung bei der Kultur eines Liguster hat das Pinzieren
der zarten Triebe. Bis die Zweige nicht eine gewisse Dichte erreicht
haben, pinziert man nach dem ersten Austrieb einmal im Monat und
lässt nur eine Knospe/Blatt stehen, wobei dieser Arbeitsgang
drei- bis viermal bis Mitte September wiederholt wird. Nach dieser
Arbeit ist natürlich das Wachstum der Blütenknospen gebremst.
Da es sich allerdings um eine Spezies handelt, die leicht blüht,
kann sich trotzdem die eine oder andere Blüte bilden. Pinzieren
ist gerade dann unverzichtbar, wenn es sich um eine Pflanze in der
Verfeinerungsphase handelt.
Nach Abschluss der Gestaltung der Äste werden die Triebe nicht
mehr so kräftig wachsen, weshalb dann weniger und nur an die Zweigen
pinziert, die zu stark wachsen. Bei den Bäumen, die blühen
sollen, entfällt das Pinzieren und man verschiebt jegliches gestalterische
oder das Wachstum beschränkende Beschneiden in den Herbst. Alternativ
dazu lässt man lediglich einige Triebe wachsen, die im Juni dann
weiße, duftende Blüten tragen, wobei danach alle anderen
entfernt werden. Nach der Blüte kann das Beschneiden aggressiver
ausfallen, in der Zwischenzeit wird der zweite Austrieb noch vor dem
Herbst pinziert.
Umpflanzen
Da es sich um eine vitale und schnell wachsende Spezies handelt, müssen
die jungen Bäume jährlich und die reiferen alle zwei Jahre
umgepflanzt werden. Ein weiteres positives Merkmal dieser Spezies ist
die stark ausgeprägte Tendenz des Wurzelapparates, nach Entfernen
der dicken Wurzeln eine große Anzahl kleiner zu bilden. Beim
Umpflanzen wird der gesamte alte Boden und zwei Drittel der Wurzeln
entfernt und damit genügend Platz für neue Erde geschaffen.
Das für diese Spezies am besten geeignete Substrat besteht aus
80% Akadama, 10% grobkörnigem Sand und 10% Universalerde. Der
ideale Zeitpunkt für das Umpflanzen hängt von der jeweiligen
Spezies ab: Spezies, die draußen stehen, bei denen es sich um
Pflanzen handelt, die eher früh austreiben, können bereits
gegen Ende Februar umgepflanzt werden. Die Spezies für den Indoorbereich
werden dagegen im späteren Frühjahr, April bis Mai, umgepflanzt..
Düngen
Das Düngen des Liguster ist von außerordentlicher Bedeutung,
da er eine Blütenpflanze ist. Es erfolgt unter reichlicher Gabe
organischen Flüssigdüngers bei Wiedereinsetzen des Wachstums
im März oder April. Vom Mai bis September gibt man langsam zersetzenden
mit Phosphat und Kalium angereichertem Dünger den Vorzug, während
im Juli und August nicht gedüngt wird. Nach dem Umpflanzen sollte
man im Abstand von jeweils vier Wochen, um das Wurzelwachstum anzuregen,
flüssigen organischen Mineraldünger einsetzen.
Krankheiten
In der Wachstumsperiode kann der Liguster von bohrenden Insektenlarven
befallen werden, die lange Gänge in die Blätter graben
und so für die Ausbildung schwarzer oder bläulicher Flecken
sorgen. Andere Parasiten, die Ligustrum schaden könnten, sind
Thripse. In beiden Fällen sollte mit systemischen Parasitenbekämpfungsmitteln
vorgegangen werden. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Pflanze
bei richtiger Pflege kaum von Insekten, Milben oder Pilzen angegriffen
wird.
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