Die rund 100 Kiefernarten gehören genauso wie
Tannen, Fichten und Lärchen zur Familie der Pinaceae. Kiefern sind
die am weitesten verbreitete und wirtschaftlich bedeutendste Koniferengattung.
Einige Arten, insbesondere die wild wachsenden, zählen zu den attraktivsten
Bäumen der Berge und Täler ganz Europas.
Der lateinische Name Pinus stammt aus dem keltischen Pin (Gebirge, Fels)
und würdigt die Fähigkeit dieser Spezies, auf steinigem Gelände
zu überleben. Seit der griechischen Mythologie kommt der Kiefer besondere
Bedeutung zu, man hat sich ihrer Symbolik und ihres Namen reichlich bedient.
Die Kiefer erscheint häufig in den Erzählungen von Ovid, Virgil,
Plinius und Horaz, wo sie oft als heiliger Baum auftritt. Die weite geographische
Verbreitung dieser immergrünen Pflanzen führt dazu, dass man sie
in sehr verschiedenen Regionen findet, auch wenn ihre höchste Konzentration
in den Bereichen mit mäßigem oder mäßig kaltem Klima
der nördlichen Halbkugel anzutreffen ist. Es gelingt den Kiefern, im
Norden den arktischen Polarkreis und im Süden die subtropischen Zonen
zu überschreiten.
In der ersten Phase ihrer Entwicklung zeichnen sie sich durch eine schöne,
pyramidenförmige Gestalt aus, die sich dann in verschiedene Etagen
ausdifferenziert. Mit dem Alter mutiert das pyramidenförmige Profil
zu offeneren und kugelförmigen Figuren. Im Laufe der Zeit nimmt die
Rinde der meisten Spezies an Dicke zu und bricht mehr oder weniger tief
auf. Die Blätter sind nadelförmig, dauerhaft und sprießen
aus kleinen Kerzen. Da Kiefern einhäusig sind, befinden sich die weiblichen
und männlichen Geschlechtsorgane auf derselben Pflanze. Sobald die
Zapfen reifen, geben sie mit Flügeln versehene, paarweise vorhandene
Samen frei, die bis dahin von einer stark verholzten Schuppe geschützt
waren. Zwischen Bestäubung und Befruchtung kann bis zu ein Jahr vergehen,
während das Heranreifen der Samen bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt.
Wirtschaftlich gesehen ist das Holz der Kiefern, das seit dem Altertum verwendet
wird, von außerordentlicher Bedeutung. In der Kunsttischlerei gilt
das Holz mancher Arten als das beste Holz überhaupt. Für Verpackungen,
als Balken, für Bänke usw. ist es wegen seines geringen Gewichts
besonders geeignet. Die Rinde wird außerdem zum Gerben von Tierhäuten
verwendet. Durch das Destillieren des Harzes der Kiefer erhält man
Terpentin, das nicht nur in der Kosmetik und in Farben verwendet wird, sondern
auch für antirheumatische Salben Verwendung findet und außerdem
ein gutes antiseptisches und balsamisches Produkt bei Entzündung der
Atemwege ist.
Die Pinus als Bonsai
Sowohl die heimischen wie auch die importierten Arten (Pinus parviflora,
Pinus thunbergii, usw.) nehmen unter den beliebtesten Bonsai den ersten
Rang ein. Die Pflanze ist ausgesprochen langlebig und hat gezeigt, dass
sie als Bonsai mehrere hundert Jahre alt werden kann. Für viele Bonsailiebhaber
war sie sicherlich der Einstieg in die Bonsaikunst. Verschiedene Stile
sind für die Kiefer geeignet: Bunjin, streng und locker aufrecht,
geneigte Form, Halbkaskaden- und Kaskadenform. Wie auch immer, sie ist
auch für andere Formen geeignet, die aber manchmal etwas unnatürlich
wirken. Mit zunehmendem Alter prägen sich ihre Charaktereigenschaften
noch weiter aus: Die rissiger werdende Rinde wird immer interessanter,
das Triebwachstum wird reicher und die Kiefer bildet wunderschöne
Etagen aus. Ihre große Widerstandskraft gegen klimatische Schwankungen
und andere Umwelteinflüsse beschert der Kiefern eine Langlebigkeit,
die, vor allem im Heimatland des Bonsai Japan, zu uralten, eindrucksvollen
Exemplaren geführt hat. Diese werden von Generation zu Generation
weitergegeben und erzählen ihre individuellen Geschichten.
Vermehrung
Die Vermehrung der Kiefer aus den Samen ist sicherlich das einfachste,
wirtschaftlichste und dankbarste Verfahren, auch wenn es lange dauert.
Man muss 5 bis 7 Jahre veranschlagen, bevor man den Baum gestalteten kann.
Die reifen, dunkelbraunen Kieferzapfen werden im Herbst mit noch geschlossenen
Schuppen eingesammelt. Nach dem Einsammeln werden sie für ungefähr
zwei Stunden in ein Bad mit einer desinfizierenden Flüssigkeit (ideal
ist verdünntes Jinmittel) gelegt. Nach dem Herausnehmen werden die
Zapfen im Schatten getrocknet, damit sie sich öffnen und die Samen
freigeben. Diese werden nach dem Entfernen der Flügel bis zum Frühjahr
an einem trockenen Ort verwahrt. Im März werden die Samen rund vierundzwanzig
Stunden in Wasser gelegt und die schwimmenden aussortiert.
Die Saatkiste kann ein nicht sehr hoher und mit Drainagelöchern ausgestatteter
Styroporkasten sein. Als Substrat kann getrockneter Sand/Kies in drei
Körnungen verwendet werden: 1 mm für die Oberflächenschicht,
1 bis 3 mm als Kultursubstrat und der grobe Kies als Drainageschicht.
Bevor die Samen gepflanzt werden, wird gründlich gewässert,
damit sich das Substrat setzen kann. Mit einem kleinen Holzstab werden
kleine, 1 cm tiefe Furchen gezogen. Die Samen werden in einem Abstand
von 2 cm gesetzt und mit Komposterde bedeckt, womit die Aussaat beendet
ist. Wichtig ist, dass der Boden bis zum Austreiben nie vollständig
austrocknet. Nach ungefähr 15 Tagen entwickeln sich die Wurzeln,
und eine Woche später bilden sich die ersten Blätter. Sobald
die Samen ausgetrieben sind, können sie nach und nach an die Sonne
gewöhnt werden.
Neben der Vermehrung aus Samen ist auch das Ausgraben in der Natur möglich,
was bei mangelnder Kenntnis aber sowohl für die Pflanze als auch
für die Umwelt mit einem hohen Risiko verbunden ist. Nur mit einer
gewissen Erfahrung und der entsprechenden Erlaubnis sollte man diesen
Weg wählen. Als ideales Material erscheinen oft alte Kiefern, die
in Felsspalten wachsen. Einen solchen Baum zu entnehmen ist aber schwierig
und endet für die Pflanze meist tödlich. Einfacher und mit weniger
Risiko für Pflanzen und Umwelt verbunden ist das Suchen von Rohmaterial
in Baumschulen. In Töpfen als Zierpflanzen gezüchtete Kiefern
sind für Anfänger ideal, da sie häufig einen gut ausgebildeten
Wurzelballen haben. Das reduziert die Gefahr des Scheiterns auf ein Minimum.
Standort
Kiefern benötigen sonnige und luftige Plätze, weshalb sie immer
draußen stehen sollten. Sind die Schalen allerdings von sehr begrenzter
Größe, sollten sie im Winter vor kalten Nord- und Ostwinden
geschützt werden. Diese trocknen die Bäume sonst aus. Besteht
in den heißesten Tagen des Sommers nicht permanent die Möglichkeit,
zum richtigen Zeitpunkt zu gießen, kann es notwendig sein, die Pflanzen
während des Tages unter ein Schattierungsnetz zu stellen und sie
abends wieder herauszusetzen, damit sie den nächtlichen Tau genießen
können.
Gießen
Im Allgemeinen vertragen Kiefern Trockenheit ganz gut. Lässt man
die Erde zwischen zwei Gießzyklen gut antrocknen, wird das Blattwerk
kompakter. Nachmittags möglichst nicht mehr gießen, denn Kiefern
mögen nachts keine kalten Füße.
Beschneiden
Der Rückschnitt von Ästen oder der Krone erfolgt ausschließlich
im Winter, wenn sich der Baum in der Ruhephase befindet und der Saftdruck
minimal ist. Trotzdem sickert aus den Wunden Harz, auch wenn sie mit Wundverschlusspaste
geschützt werden. Beim Beschneiden sollte ein Stumpf stehen bleiben.
Dieser wird mit Wundverschlusspaste behandelt und kann im folgenden Jahr
entfernt werden. Der Erhaltungsschnitt besteht im Zurücksetzen der
Astspitzen auf einen weiter innen wachsenden Zweig. Zu lange Triebe werden
abgeschnitten und durch kürzere seitliche ersetzt. Gleichzeitig werden
die nach unten und in andere nicht erwünschte Richtungen wachsenden
Triebe entfernt. Wichtig ist, daran zu denken, dass Kiefern eine starke
Tendenz zum Spitzenwachstum haben. Die einzige Methode, dieses vertikale
Wachstum zu bremsen, ist das Fördern des horizontalen Wachstums.
Drahten
Die für diese Arbeit beste Jahreszeit ist der Winter. Die Kiefern
erlauben das starke Biegen der Äste und des Stammes, was bei anderen
Spezies undenkbar ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die
notwendigen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Da das Holz sehr elastisch
ist, sollten entweder dickerer Draht oder Spanndrähte verwendet werden,
da sonst der geformte Ast oder Zweig in wenigen Minuten in seine Ausgangsposition
zurückginge. Nach dem Drahten wird der Baum in den Schatten gestellt
und ein paar Mal am Tag mit Wasser besprüht.
Pinzieren
Mädchenkiefer: Der neue Zuwachs sollte gegen April/Mai, wenn die
Triebe in Kerzenform in die Länge wachsen, so pinziert werden, dass
das Wachstum ausbalanciert wird. Durch entschiedenes Stutzen der längsten
und kräftigsten Kerzen und nur leichtes Kürzen oder freies wachsen
lassen der schwächeren Triebe wird die Entwicklung des Baumes harmonisiert.
Schwarzkiefer: Der beste Zeitpunkt für das Pinzieren der reifen Kerzen
hängt vom Klima ab, liegt aber zwischen Mitte Juni und Ende Juli.
Zu diesem Zeitpunkt werden die Triebe vollständig entfernt (Bei uns
nicht in jedem Jahr). Zunächst werden die schwächeren und nach
zwei Wochen die kräftigen Kerzen heraus geschnitten. Sollten sich
im Zweitaustrieb wieder drei oder vier Triebe an der gleichen
Stelle bilden, werden die kräftigen entfernt und die schwächeren
im kräftigeren Bereich bleiben stehen. In den schwächeren Bereichen
werden die schwächeren Triebe entfernt und die kräftigeren bleiben
erhalten.
Umpflanzen
Junge Exemplare werden alle drei Jahre umgepflanzt, die reiferen dagegen
alle fünf bis sieben Jahre. Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Ende
Winter und Anfang Frühling, wenn die Knospen anschwellen, die Kerzen
sich aber noch nicht gebildet haben. Das ideale Substrat besteht aus Akadama
und grobkörnigem Sand, der eine optimale Drainage sicherstellt. Nach
Beendigung des Umpflanzens wird kräftig gewässert und der Baum
in den Schatten gestellt. Die Nadeln werden zweimal am Tag besprüht.
Erst wenn sich die Nadeln vollständig geöffnet haben, kann die
Kiefer an die Sonne gewöhnt werden.
Düngen
Geeignet sind organische Düngekugeln, die sich nur langsam zersetzen.
Sie werden sowohl im Frühling als auch im Herbst aufgelegt. Nach
dem Umpflanzen muss aber vor dem erneuten Düngen eine fünfwöchige
Pause eingelegt werden. Bäume im Bunjinstil werden nur wenig gedüngt,
damit ihr Wachstum kontrolliert und verhindert werden kann, dass sie zu
schnell ihre Form verlieren.
Krankheiten
Die Kiefern können in der Wachstumsperiode von Parasiten wie Blattläusen
und Spinnmilben befallen werden, die sofort mit den entsprechenden Produkten
behandelt werden müssen. Zur Prävention sollte die Krone im
Winter mit verdünnter Jinflüssigkeit (1:30) besprüht werden.
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