Zur Familie der Rosaceae gehörig, wird vermutet,
dass der Kirschbaum einst zusammen mit den ersten indogermanischen Einwanderungswellen
aus Asien nach Europa gelangte; es gibt aber auch die Hypothese, der Baum
habe zunächst die italienische Halbinsel erreicht und habe sich dann
nach Norden und Westen über den Zug der Vögel verbreitet, die
ja gerne Kirschen verspeisen. Die Pflanzen könnten also Etappe um
Etappe aus dem Kaukasus, Armenien, Kleinasien entlang den Vogelzugrouten
Deutschland, die Schweiz und Dänemark erreicht haben.
Unsere Kulturkirschen entstammen zwei Spezies, die sich durch besondere
Merkmale ihrer Früchte und der Pflanzen unterscheiden, so die weichfleischigen
von den hartfleischigen. Einige Autoren schreiben der Süßkirsche
(Prunus avium) die erste Qualität zu, während die andere der
Sauerkirsche (Prunus cerasus) zugeordnet wird. Als Pflanze von 10 bis 25 m
Höhe hat die Kirsche einen geraden Stamm von 50 bis 70 cm Durchmesser,
eine schwärzliche oder dunkelgraue, glatte oder raue Rinde.
Die Knospen stehen aneinandergedrängt oder frei, einzeln oder in Gruppen,
die Blütenknospen sind größer als die Triebknospen. Die
Blätter sind groß und je nach Spezies mehr oder weniger hängend,
mit einer ovallänglichen Blattfläche, spitz zulaufend, mit doppelter
Zackenreihe und in einem schönen glänzenden Grün. Die zu
drei bis sechs in sitzenden Blätterdolden oder Sträußen
in Dolden zusammenstehenden Blüten verfügen über einen rötlichen
Kelch, weiße und duftende Blütenblätter, zwanzig bis fünfunddreißig
Staubblätter mit gelben Staubgefäßen und einen freien Fruchtknoten.
Die Frucht ist eine hängende, ovale oder herzförmige Beere. Die
Farbe reicht vom fleischfarbenen Gelb über Rosarot bis zu Dunkelrot.
Die Frucht der Kirsche wird meist direkt verbraucht, wird aber auch zu
Marmelade, Sirup oder kandierten Früchten verarbeitet. Das Öl
der Kirsche wird für Sirup und Marmelade, während die Stiele
heilpflanzlich verwendet werden; besonders gerne wird auch das Holz dieser
Spezies genutzt.
Die Kirsche als
Bonsai
Zurzeit sind Kirschen in der Bonsaiwelt nicht sehr verbreitet. Obwohl
es sich um den Baum handelt, dessen Blüte das Emblem Japans ist,
gibt es, mit Ausnahme der Variante Fuji-zakura, keine Schriftstücke,
die seine Beliebtheit nachweisen, nicht einmal aus der Zeit des Booms
der Blütenbäume. Die Spezies werden nicht so sehr wegen ihrer
winterlichen Silhouette, sondern wegen ihrer spektakulären Blüte
im Frühjahr kultiviert. In der Bonsaikunst werden Prunus avium,
die in ganz Europa wild wächst, Prunus cerasus und Prunus serrulata
japanischer Herkunft verwendet. Die Spezies eignet sich zur Gestaltung
im locker aufrechten, Kaskaden- und Halbkaskadenstil.
Vermehrung
Unter den Vermehrungsmethoden ist die über Stecklinge die beste,
die Vermehrung kann aber auch durch Samen und Pfropfen erfolgen. Sobald
die Früchte reif sind, können die Kerne verwendet werden. Bevor
man sie in eine Mischung aus Torf und Sand pflanzt, muss das Fruchtfleisch
von den Samen entfernt werden. Die Samen keimen im nachfolgenden Frühjahr,
im Winter muss das Beet aber vor Frost geschützt werden. Die Aussaat
kann auch im Herbst erfolgen, nachdem die Samen einige Monate gelagert
worden sind.
Der ideale Zeitraum für die Vermehrung über Stecklinge ist
der März oder der Monat Juni (Sommerstecklinge). Beim Frühjahrssteckling,
der Erfolg versprechender ist, werden Zweige aus dem vorherigen Jahr
mit einer Länge von 35 cm abgeschnitten. Erfolgt die Vermehrung
mit Junitrieben, reicht dagegen eine Länge von 7–8 cm.
Ratsam ist, einen konkaven Schnitt vorzunehmen, um gut verteiltes radiales,
statt stark seitlich orientiertes Wachstum der Wurzeln zu erzielen. Die
Stecklinge werden in einen Styroporkasten mit Löchern im Boden in
Kanuma (leicht saure japanische Erde) gepflanzt. Beim Frühjahrssteckling
muss der Zweig auf die Hälfte seiner Länge eingesetzt werden,
weil der Schnittbereich durch tieferes Einpflanzen von einer höheren
Temperatur profitieren kann. Was die im Juni gepflanzten Stecklinge angeht,
so werden diese nur zu einem Drittel ihrer Länge eingepflanzt. Der
ideale Standort für beide Arten von Stecklingen ist vor Sonneneinstrahlung
und Wind geschützt. Die Frühjahrsstecklinge müssen allerdings
im Juni, die des Sommers im September, an einen sonnigen und gut belüfteten
Standort gebracht werden.
Das Pfropfen von Zweigen erfolgt bei der Kirsche nur im März, wenn
die Pflanze, die die Unterlage bildet, gerade austreibt. Diese wird dann
ungefähr 10 cm vom Wurzelansatz entfernt abgeschnitten. Das
Reiß wird auf beiden Seiten längs und schräg zum Ansatz
eingeschnitten, wobei einer der Schnitte leicht kürzer ist. An der
Unterlage wird ein senkrechter Schnitt vorgenommen, der nur wenig länger
ist, als der des Pfropfreises, damit die Verbindung der Veredelung genau
passt. Ist das Reiß einmal in die Unterlage eingesetzt, wird das
ganze stramm mit Raffia oder Folienband zusammengebunden. Im ganzen ersten
Jahr lässt man den Baum frei wachsen. Die Wurzeln treiben in der
Regel nach einigen Monaten aus, brauchen aber ungefähr ein Jahr,
um sich zu stabilisieren.
Standort
Die Spezies mag sonnenreiche Standorte, besonders in der Zeit der Ausbildung
der Unterschiede bei den Knospen in den Monaten Juni und Juli. Generell öffnen
sich die Blütenknospen, die vor dem Winter ausgebildet sind, nachdem
sie niedrigen Temperaturen ausgesetzt gewesen sind. Damit Kirschen
blühen, müssen sie im Winter über einen Zeitraum zwischen
einer Woche und einem Monat niedrigen Temperaturen (zwischen 0 und
5°C) ausgesetzt werden. Deshalb sollten Kirschen im Herbst nicht
zu früh ins Kalthaus gebracht werden. Ideal ist, wenn dies nach
den ersten Kälteeinbrüchen geschieht.
Gießen
Da es sich um eine Spezies handelt, die reichlich Blattwerk bildet, weswegen
der Wasserverbrauch entsprechend hoch ist, muss eher häufig gegossen
werden. In der Blütezeit muss ebenso zusätzlich Wasser gegeben
werden, was auch für die Zeit der Bildung der Blütenknospen
im Sommer gilt.
Beschneiden
Generell wird die Kirsche nach der Blüte beschnitten, wobei die
Zweige auf 1–2 Knoten zurückgeschnitten werden; dann erneut
im Herbst, nach dem Abfallen der Blätter, oder besser noch, wenn
die Blätter beginnen, ihre Farbe zu wechseln. Bei den Kirschenarten,
die gleichzeitig austreiben und blühen, sollten die kräftigen
Spitzenknospen abgeschnitten werden, bevor sich die Blüten öffnen,
sonst konzentriert sich die Lebenskraft allein auf die starken Knospen
an den Enden. Die Folge wäre, dass sich die Knospen im Innenbereich
nur schwach entwickeln und noch vor dem Öffnen abfallen können.
Nachdem sich im Mai die neuen Triebe ausgebildet haben, werden die Enden
der kräftigen Triebe pinziert. Das Bremsen des Wachstums der kräftigen
Bereiche ist ein zentraler Punkt bei der Kultivierung.
In der Regel bilden sich die Blütenknospen im Juli. Beim Beschneiden
ist zu berücksichtigen, dass die Kirsche, wenn die Zweige im Mai/Juni
aggressiv zurückgeschnitten werden, leicht unter Saftrückzug
leiden können. Die ein Jahr alten Zweige können ruhig zurückgeschnitten
werden. Die Zweige, die bereits eine gewisse Konsistenz erreicht haben,
sollten beim Umpflanzen im Oktober oder nach der Blüte abgeschnitten
werden. Grobe Schnitte müssen immer nachbearbeitet und mit Wundverschlusspaste
behandelt werden.
Drahten
Solange der Baum noch jung ist, wächst das Zweigwerk dünn und
sehr kräftig. Wenn man die kräftigen Äste beschneidet,
bilden sich kaum neue Zweige. Deshalb gestaltet man in der Regel durch
Drahten, vor allem, wenn es sich um einen noch jungen Sämling handelt.
Möchte man besondere Formen gestalten, wie einen gewundenen Stamm
oder einen Stamm im Halbkaskadenstil, ist es sicherlich ratsam, die Kultivierung
mit einer jungen Pflanze zu beginnen, so dass die Grundform durch frühes
Biegen des Stämmchens geschaffen werden kann. Ein letzter Rat besteht
darin, die neuen kräftigen Triebe beim Drahten nach unten zu biegen.
Die Kirsche tendiert dazu, die Wachstumsenergie besonders in den stark
entwickelten Bereichen (zum Beispiel an den Zweigenden) zu konzentrieren,
die unteren und inneren Zweige verlieren dagegen schnell an Kraft. Deshalb
versucht man, dass Wachstum in die schwachen Bereiche zu lenken (zum
Beispiel die niedrig entspringenden Zweige) und kontrolliert die kräftig
sich entwickelnden Bereiche, sobald der Baum im Frühjahr zu wachsen
beginnt.
Pinzieren
Die Kirschen verzweigen sich tendenziell schlecht und mit langen Internodien.
Das ist leider unvermeidbar. Dennoch kann man mit der Regulierung der
neuen Triebe im Frühjahr optimale Ergebnisse erzielen. Die Wachstumsrichtung
muss beim Kürzen auf den zweiten oder dritten Knoten der Zweige,
deren Wachstum gebremst werden soll, kontrolliert werden. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass neue Triebe keine Blütenknospen
tragen.
Umpflanzen
Vorzugsweise sollte diese Spezies zwischen Oktober und November unmittelbar
vor dem Abfallen der Blätter oder unmittelbar danach umgepflanzt
werden. Innerhalb mehr oder weniger eines Jahres bilden sich reichlich
Wurzeln, die den in der Schale verfügbaren Raum ausfüllen.
Deshalb sollten zumindest die jungen Pflanzen einmal im Jahr umgepflanzt
und dabei zwei Drittel der Wurzeln entwirrt und aggressiv zurückgeschnitten
werden. Man kann auch im Frühjahr, bevor sich die Blütenknospen öffnen,
zwischen Ende Februar und Mitte März umpflanzen. Bei allen Spezies,
die zur Familie der Rosaceae gehören, ist aber das Umpflanzen
im Herbst zu empfehlen. Beim Umpflanzen dürfen die Wurzeln, die
nach unten wachsen, nicht erhalten werden. Außerdem muss der
Wurzelapparat und sein Wachstum in die verschiedenen Richtungen sorgfältig
geprüft werden.
Düngen
Da ständig gedüngt werden muss, ist ein langsam sich zersetzender
organischer Dünger von Vorteil. Man düngt in der Zeit von nach
der Blüte bis Ende August und ersetzt den alten Dünger ungefähr
alle 20 Tage durch neuen.
Krankheiten
Vorsicht vor dem Befall von Pilzen und Parasiten, insbesondere von Blattläusen.
In der Wachstumsphase sollte die Pflanze täglich auf Schädlinge
kontrolliert und ggf. behandelt werden. Zwischen Dezember und Januar
darf die Winterspritzung mit Jinmittellösung (im Verhältnis
von 1:20 mit Wasser gemischt) nicht vernachlässigt werden. Um Krankheiten
zu unterbinden, hilft die Wahl eines gut belüfteten Standortes.
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