| Diese Art, die wegen eines alten und ungelösten
Streits von den einen Stewartie und von den anderen Stuartie genannt wird,
wobei erstere die korrektere Bezeichnung zu sein scheint, wird zur Familie
der Theaceae gerechnet. Zur ihr zählen nur sechs Spezies, die unregelmäßig
über Amerika, Japan und ein begrenztes Gebiet in China verteilt sind.
Die Pflanzen ähneln eher Sträuchern, seltener Bäumen oder
baumartigen Pflanzen, mit einer glatten Rinde und abfallenden Blättern,
die mit einem aufrechten Habitus und eher dichten, aber weit auseinander
stehenden Zweigen wachsen. Sehr faszinierend ist die feuerrote Farbe des
herbstlichen Blattwerks und wunderschön das Wachstum im Frühling
in einem intensiven Grün, das sich von der leuchtend glänzenden
Rinde abhebt. Die Blätter sind wechselständig, mit kurzem Blattstängel,
gezahnt, auf der Unterseite haarig. Die großen oder mittelgroßen
Blüten mit einem maximalen Durchmesser von 56 cm sind weißlich
bis rosa. Die Blütezeit liegt in den Monaten Juni/Juli. Die Frucht
ist eine hölzerne, eiförmige Kapsel mit fünf Kammern, die
pro Kammer 14 Samen enthält, die im Herbst reifen. Folgende Spezies
werden kultiviert: Stewartia ovata, St. pseudocamellia (japanischen Ursprungs,
die in der Natur eine Höhe von bis zu 20 m erreicht) und St. sinensis
(chinesischen Ursprungs, die eine Höhe von bis zu 10 m erreicht).
In Baumschulen sind manchmal auch St. serrata, St. monadelpha und St. pseudocamellia
var. koreana zu finden. Diese Pflanzen werden in Südeuropa ausschließlich
als Zierpflanzen in Gärten verwendet.
Die Stewartie als Bonsai
Stewartia zeichnet sich durch einen eleganten, aufrechten Habitus und
ihre feine Verästelung aus. Die schöne, leuchtend kupferrote
Rinde und das glatte und zarte Zweigwerk sowie das prächtige herbstliche
Laubwerk, das in scharlachroten bis purpurnen Farbtönen leuchtet,
machen aus ihr eine hochinteressante Spezies für die Bonsaikultur.
Diese Vorzüge vereinen sich mit der zart weißlichen bis rosafarbenen
Blüte, die danach wunderschönen, herbstlichen Früchten
Platz macht, die zwischen den feuerroten Blättern hindurchscheinen.
Stewartia monadelpha und Stewartia pseudocamellia sind die Spezies, die
sich für die Bonsaikultur am besten eignen. Diese Exemplare werden
vor allem im Winter wegen der Qualität ihres Stamms und ihrer Rinde
geschätzt. Die Stile, die für die Scheinkamelie am besten geeignet
sind, sind streng aufrecht, Gruppenpflanzungen und die Floßform.
Vermehrung
Die Vermehrung über Aussaat, zusammen mit der über Stecklinge,
Absenker und Abmoosen, ist eine der für diese Spezies besonders geeigneten
Formen der Vermehrung. Das beste Saatgut erhält man aus den Früchten,
die im Oktober/November reif werden. Stewartia bringt alle 34 Jahre
reichlich Früchte hervor, weshalb bei mehreren Exemplaren einige
sicherlich viele Samen liefern. Die Samen können aber auch erworben
werden, dabei sollte man sich aber vergewissern, dass sie nicht älter
als ein Jahr sind, da die Sämlinge sonst nicht richtig wachsen. Nach
dem Sammeln werden die Früchte geöffnet und die Früchte
in einem mittelgroben Sieb zerrieben. Die sehr kleinen Samen werden ausgesiebt,
die anderen verwendet. Bevor man Mitte März die Aussaat im Gewächshaus
vornimmt, werden die Samen, sobald die Temperatur 1213° C
erreicht, über 24 Stunden in Wasser gelegt. Als Behälter kann
man einen Styroporkasten oder eine Schale mit guten Dränageeigenschaften
und eine Mischung aus 50 % Sand und 50 % Torf als Substrat verwenden.
In den Boden werden Furchen von 5 mm Tiefe eingebracht, in die die
Samen gestreut werden. Der Kasten wird danach in den Schatten gestellt.
Das Austreiben beginnt ungefähr zwei Wochen später. Die kleinen
Pflänzchen können mit organischem Flüssigdünger gedüngt
werden, sobald sich die ersten zwei Blätter bilden.
Für das Pflanzen von Stecklingen werden reife Triebe verwendet, die
im Herbst nur in Sand gesteckt und an einen geschützten, frostfreien
Ort gestellt werden. Sie entwickeln mit steigenden Temperaturen Wurzeln
und können im Frühjahr in einzelne Zuchtschalen gepflanzt werden.
Als Stecklinge können auch Wurzelschösslinge benutzt werden,
die immer im September/Oktober gepflanzt werden. Möchte man einen
Doppelstamm oder eine locker aufrechte Form kultivieren, ist eine unfehlbare
Methode die Vermehrung durch Absenker. Diese erfolgt im Frühjahr
vor dem Einsetzen des Wachstums und wenn alles nach Plan läuft, kann
man die neue Pflanze schon im Juni/Juli trennen. Diese Methode bietet
den Vorteil, dass die Pflanze, sobald man den Absenker getrennt hat, weiterhin
bis in den Herbst neue Wurzeln bilden kann. Ein alternativer Zeitpunkt
ist der Juni, was aber einen Zeitverlust gegenüber der eben erwähnten
Methode bedeutet. Stewartia lässt sich auch sehr leicht über
Abmoosen vermehren. Hierfür ist der beste Zeitpunkt Februar/März
vor Einsetzen des Wachstums. Im Sommer kann oft bereits die Trennung von
der Mutterpflanze erfolgen. Die am besten geeignete Methode ist die Entfernung
eines Rindenrings am Stamm oder Ast. Möchte man den Wurzelansatz
breiter haben, kann man die Ringmethode mit der des Einschnürens
mit Draht kombinieren.
Standort
Stewartia braucht kühles Klima, um wachsen zu können, weshalb
sie im Hochsommer auch keine übermäßige Hitze und keine
Mittagssonne verträgt. Sie ist zudem sehr kälteempfindlich,
weshalb ihr im Winter eine Mindesttemperatur von 5° C garantiert
werden muss. In den kälteren Regionen nördlich des Mains sollte
man sie, wie die meisten aus Japan stammenden Bonsai, besser im Kalthaus
überwintern.
Gießen
Wie bei allen Pflanzen mit feinen Blättern aus der Familie der Theaceae
mag Stewartia keine trockenen Böden und die Blätter welken bei
Wassermangel sofort. Im Sommer ist daher besonders darauf zu achten, dass
die Blätter nicht verbrennen. Bei sehr hohen Temperaturen verlangsamt
sich die Aktivität der Wurzeln und damit ihre Aufnahmefähigkeit,
während die Verdunstung über die Blätter weiterhin sehr
stark ist. Wird das Gleichgewicht zwischen beiden Prozessen gestört,
entsteht Wassermangel und die Blätter verbrennen. Eine gute Gegenmaßnahme
ist das Gießen selbst zur Mittagszeit, um die Schalen abzukühlen
und dem Wassermangel vorzubeugen. Alternativ dazu kann man die Abstellbänke
mit Schattennetzen oder Matten schützen, die die Umgebung kühl
halten. Steigen zu diesem Zeitpunkt die Temperaturen auf über 30°C,
kommen Wachstum und Aktivität der Wurzeln ganz zum Erliegen. Die
zarten Wurzeln müssen aber immer feucht gehalten werden, worauf besonders
zu achten ist, weil der Überfluss oder der Mangel an Wasser das Überleben
der Pflanze gefährdet. Während der Wachstumsphase sollte reichlich
gegossen werden, vielleicht sogar zweimal am Tag, wenn dies notwendig
wird. Im Winter wird dann die Häufigkeit verringert, der Boden aber
immer leicht feucht gehalten.
Beschneiden
Neben dem Herbst ist der beste Zeitpunkt für das Beschneiden das
Frühjahr unmittelbar vor Einsetzen des Wachstums. In beiden Fällen
ist der Baum kahl, weshalb man leichter entscheiden kann, welche Zweige
beschnitten werden müssen. Um das Zweigwerk zu erhalten, werden nur
die Spitzen der kräftigen Zweige auf zwei oder drei Knoten zurückgeschnitten.
So kann man das Profil des Baumes ordnen. Im Oktober kommt das Wachstum
der Triebe ganz zum Erliegen; besteht die Möglichkeit, den Baum im
Winter entsprechend geschützt unterzustellen, kann man auch zu diesem
Zeitpunkt leichter beschneiden. Die Arbeit wird dann im Frühjahr
mit einem stärkeren Rückschnitt vervollständigt.
Drahten
Gedrahtet werden kann zu jeder Jahreszeit, wobei der beste Zeitpunkt aber
der Winter oder die Zeit nach dem Entlauben (Juni/Juli) ist, weil der
Baum, wenn er kahl ist, leichter gedrahtet werden kann. Die Stewartia
hat eine sehr empfindliche Rinde. Um die nicht zu ruinieren, sollte man
den Draht mit Kreppklebeband umwickeln, bevor er angelegt wird.
Pinzieren
Die Faszination dieser Spezies besteht in der feinen Verzweigung. Leider
wachsen die Triebe der jungen Bäume gerade und sehr kräftig.
Erst wenn der Baum eine gewisse Reife erreicht hat, tendieren die Zweige
dazu, ihre Entwicklung zu bremsen. Bei dieser Spezies besteht das Hauptziel
des Pinzierens eher im Bremsen der Vitalität der Zweigenden, um die
Wuchsenergie nach innen zu lenken. So vermehrt man die Verzweigung besser
und erreicht verkürzte Internodien. Die Triebe werden bis auf zwei
Nodien pinziert, wenn sie eine Länge von sechs Knoten erreicht haben.
Möchte man dagegen das Verdicken eines Zweigs fördern, bleiben
vier Blätter stehen. Gleichzeitig sollte man zu große Blätter
entfernen. Möchte man den Baum in Blüte sehen, darf man ein
Jahr lang nicht pinzieren.
Stewartia kann auch einen Blattschnitt erhalten, wendet man diese Technik
allerdings häufig an, muss man damit rechnen, dass einige dünne
Zweige während der Winterruhe verloren gehen. Man kann im Juni/Juli,
allerdings nur bei jungen Exemplaren, entlauben. Es ist eher sinnvoll,
einen Teilblattschnitt durchzuführen und dabei nur die großen
Blätter nahe den Zweigenden zu entfernen. Am Ansatz des Zweigs sollten
immer zwei oder drei Blätter stehen bleiben.
Umpflanzen
Junge Pflanzen werden alle 12 Jahre umgepflanzt, die älteren
alle 34 Jahre. Der dafür am besten geeignete Zeitpunkt ist
der Frühling, sobald die Knospen zu schwellen beginnen. Der Boden
muss gut dränieren, weshalb Akadama als Substrat besonders gut geeignet
ist. Nach dem Beschneiden der Wurzeln darf der Boden nicht durchnässen
und man muss wenigstens vier Wochen abwarten, bevor das Düngen wieder
aufgenommen werden kann. Da die jungen Wurzeln sehr dünn und empfindlich
sind, muss der Baum gut in der Schale verankert werden. Der Wurzelapparat
von Stewartia wächst langsam, weshalb das Nebari (Wurzelbasis) nur
langsam breiter wird. Um diesem Missstand abzuhelfen, kann man durch Wurzelpfropfen
eine breite Basis schaffen (siehe BONSAI
ART 51, S.16).
Düngen
Gedüngt werden muss vom Frühjahr bis in den Herbst, außer
in den heißesten Monaten Juli und August. Man kann wahlweise alle
810 Tage ein Flüssigprodukt oder stattdessen festen Dünger
verwenden, der alle 2025 Tage aufgelegt wird. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass fester Dünger nach etwa 2025 Tagen erschöpft ist,
auch wenn auf der Oberfläche Reste davon zurückbleiben. Diese
sollten entfernt und durch den neuen Dünger ersetzt werden.Gedüngt
werden muss vom Frühjahr bis in den Herbst, außer in den heißesten
Monaten Juli und August. Man kann wahlweise alle 810 Tage ein Flüssigprodukt
oder stattdessen festen Dünger verwenden, der alle 2025 Tage
aufgelegt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass fester Dünger
nach etwa 2025 Tagen erschöpft ist, auch wenn auf der Oberfläche
Reste davon zurückbleiben. Diese sollten entfernt und durch den neuen
Dünger ersetzt werden.
Krankheiten
Diese Spezies ist gegen Parasiten und Pilze recht resistent. Trotzdem
sollte man die Blätter besonders im Frühjahr und Sommer regelmäßig
überprüfen, um eventuell problematische Pflanzenkrankheiten
feststellen zu können.
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