Die Eibe ist eine immergrüne Konifere, die zur
Familie der Taxaceae gehört. Ihr Name ist von dem griechischen Wort
Taxis (Reihe) abgeleitet, was sich auf ihre Nadeln bezieht, die in einer
Reihe geordnet stehen. Einzelne Eiben werden sehr alt. In Großbritannien
gibt es Exemplare, deren Alter auf ungefähr 2500 Jahre geschätzt
wird. Im Laufe ihres Lebens lässt ihre Wüchsigkeit jedoch nach.
Es gibt nur sechs wild wachsende Arten. Neben der heimischen Eibe (Taxus
baccata) und der japanischen (Taxus cuspidata) findet man die Arten T. brevifolia,
T. canadensis, T. chinensis und T. sumatrana, die durch etwa vierzig gezüchtete
Varietäten ergänzt werden. Auf der Grundlage gefundener Fossilien
geht man davon aus, dass die Eibe in prähistorischer Zeit auf dem Globus
sehr viel verbreiteter war. Heute ist sie auf die kühleren Bereiche
Europas, Asiens und Amerikas beschränkt.
Eiben sind entweder kleinere Bäume oder große Sträucher
mit unregelmäßiger Beastung und mehrjährigen Nadelblättern.
Ihre Rinde ist graubraun gefärbt. Lösen sich abgestorbene Rindenteile,
dann wird die darunter liegende, auffallend rote innere Rinde sichtbar.
Die Eibe ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt, es gibt männliche
und weibliche Bäume. Die männlichen Bäume öffnen im
Frühjahr ihre kleinen gelben Blüten und verstäuben bei Berührung
auffallend üppig ihren Pollen. Die weiblichen Eiben erkennt man im
Herbst an den fleischig ringförmigen Früchten in roter Farbe.
Alle Teile der Eibe außer dem roten Samenmantel sind giftig. Das Holz
dieser Pflanze wurde im Mittelalter in England aufgrund seiner Biegsamkeit
und Widerstandskraft häufig für den Bau von Langbögen verwendet.
Heute wird es vor allem im Bootsbau und für dauerhafte Außenholzanlagen
genutzt. In Japan, das seismisch instabil ist, wird das Holz der Eibe wegen
seiner elastischen Eigenschaften vor allem für den Bau von Wohnungen
eingesetzt, wodurch deren Erdbebensicherheit erhöht wird.
In Europa findet sich diese Spezies, die einst in den Bergregionen sehr
verbreitet war, vor allem auf Kirch- und Friedhöfen. Die Tradition,
Eiben an geweihten Orten zu pflanzen, geht auf die alten christlichen Missionare
zurück, die unter diesen Bäumen Predigten hielten, da sie aufgrund
ihrer Langlebigkeit als Symbole ewigen Lebens galten. Es gibt aber auch
profane Gründe dafür, Eiben vorwiegend auf Kirchhöfe zu pflanzen:
Der Gottesacker war oft der einzige eingezäunte Bereich in einem Ort.
Das freilaufende Vieh konnte so vor Vergiftungen durch die wegen ihres Holzes
wertvollen, für die Tiere aber schädlichen Pflanzen geschützt
werden.
Die Eibe als Bonsai
Einige Eigenschaften machen den Taxus zu einem begehrten Baum für
die Bonsaikultur. Die für ein Nadelgehölz sich schnell entwickelnde
Verzweigung erleichtert die Gestaltung einer geschlossenen Silhouette.
Die Wurzelentwicklung ist so, dass die Kriterien für ein schönes
Nebari oft schon von Natur aus gegeben sind. Außerdem zeigt sich
der Baum, ist er gut eingewurzelt, ausgesprochen robust, was den Rückschnitt
von Ästen und Wurzeln betrifft. Dies macht ihn zu einer für
Anfänger durchaus geeigneten Art. Obwohl es sich um eine Konifere
handelt, ist die Eibe nicht harzhaltig. Sie verliert daher beim Beschneiden
keine großen Mengen an Pflanzensaft.
Die außerordentliche Biegsamkeit ihres Holzes ist wohl einer
der für die Kultivierung zum Bonsai interessantesten Aspekte. Diese
Eigenschaft erlaubt die Gestaltung fast aller Stilformen, sogar die des
streng aufrechten Stils. Gerade mit der Eibe lässt sich dieser Stil
im Gesamtkonzept und im Detail perfekt realisieren. Die Fähigkeit,
immer wieder im alten Holz auszutreiben, und das stabile Wachstum lassen
einen gut zu planenden Aufbau von Struktur und Verfeinerung zu.
Vermehrung
Neben der häufigen Verwendung von alten Baumschulpflanzen, die sich
aufgrund der beschriebenen Eigenschaften zu ausgezeichneten Exemplaren
entwickeln lassen, vermehrt man Eiben durch Aussaat, Stecklinge oder Abmoosen.
Die einfachste Methode ist das Aussäen der ganzen Frucht im Herbst.
Die Keimung erfolgt nach ungefähr acht Monaten. Ein häufig verwendetes
Substrat besteht aus 1/3 Torf, 1/3 Sand und 1/3 Akadama. Die Saatkiste
kann den gesamten Winter über draußen verbringen, sollte aber
an klaren Tagen nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt und vor
zuviel Regen geschützt werden. Außerdem sollten die Samen durch
ein feinmaschiges Netz vor dem Fressen durch allzu gierige Vögel
bewahrt werden. Nach dem Keimen werden die jungen Pflanzen in den nächsten
vier oder fünf Jahren weiterhin an heißen Tagen schattiert.
Sobald die Pflänzchen eine Höhe von 15 cm erreicht haben, haben
sich die Hauptwurzeln gebildet. Sie können einzeln verpflanzt werden.
Mit dieser Vermehrungsmethode erhält man optimales Material für
Shohin-Bonsai. Die Samenvermehrung ist aber sicher nicht die beste Methode,
um mittelgroße Exemplare zu gestalten.
Die Reproduktion über Stecklinge kann sehr langwierig sein, garantiert
aber z.B. das richtige Geschlecht. Vorzugsweise sollten zwei Jahre alte
Zweige verwendet werden, deren untere 2 cm von der Rinde befreit werden.
Dieser Bereich des Stecklings wird mit Bewurzelungshormonen bestäubt,
bevor er in eine Substratmischung von 50% Torf und 50% Sand gesteckt wird.
Stecklinge, die an einem halbschattigen Ort stehen, schlagen nach ungefähr
einem Jahr Wurzeln. Während dieser Zeit sollte vor allem in den Monaten
August und September auf feuchtes Substrat geachtet werden. Sobald neue
Triebe entstehen, muss umgepflanzt werden. Nach dem Entnehmen der Pflänzchen
werden die Pfahlwurzel und die zu großen Oberflächenwurzeln
zurückgeschnitten. Die Pflanzen werden dann in eine flache Schale
eingetopft, wobei der Wurzelapparat horizontal ausgebreitet wird. Besonders
wichtig ist eine gute Drainage.
Eine weitere Möglichkeit an stärkeres Material zu kommen ist
das Abmoosen. Die Monate Februar, März und April sind dafür
gut geeignet. Ideal ist die Methode, bei der um einen Stamm oder einen
Ast herum ein Schnitt durch die Rinde ausgeführt wird. Von diesem
Schnitt aus werden im Abstand von 3 mm zwei Längsschnitte nach oben
gemacht. Das wird um den Stamm/Ast herum mehrfach wiederholt. Die dabei
entstehenden Rindenzungen werden vorsichtig angehoben, um zwischen Holz
und Rinde mit Bewurzelungshormonen bestäubtes Moos einzubringen.
Dieser Teil wird danach mit feinem Netz umwickelt, in das feines Substrat
eingefüllt wird. Das Ganze wird mit Folie umhüllt und feucht
gehalten. Will man einen Baum im Topf abmoosen, dann kann dieser auch
bis zur Abmoosungsstelle in die Erde oder in eine größere Schale
gesetzt werden, so dass der Absenker, natürlich ohne Folie, in Kontakt
mit dem offenen Boden ist.
Standort
Die Eibe verträgt die direkte Exposition der Sonne gut, sollte aber
nach dem Umpflanzen oder dem drastischen Rückschnitt lieber an einen
halbschattigen Ort gestellt werden. Wird die Pflanze über lange Zeit
während der heißesten Jahreszeit der direkten Sonneneinstrahlung
ausgesetzt, so können die Blätter ein bräunliches Aussehen
annehmen! Es bilden sich dann weniger Triebe.
Gießen
Während der Wachstumsperiode müssen Eiben reichlich und häufig
gegossen werden. Außerdem muss das Blattwerk benetzt werden. Diese
Art benötigt selbst dann reichlich Wasser, wenn sie geschwächt
wirkt. Wichtig ist eine gute Drainage. Selbst nach drastischem Rückschnitt
und Umpflanzen sollte man sie regelmäßig gießen. Die
Versorgung mit Wasser wird jedoch zum Winter hin nach und nach reduziert,
wobei der Boden aber nie austrocknen darf.
Beschneiden
Der Astrückschnitt sollte im Winter erfolgen, wenn weniger Baumsaft
zirkuliert. Damit der Baum die Schnitte vernünftig schließen
kann, sollte natürlich Wundverschlusspaste aufgebracht werden. Auf
gleicher Höhe wachsende Äste werden bis auf einen entfernt.
Die Eibe produziert regelmäßig Triebe am alten Holz. Entfernt
werden alle Triebe, die nach oben und unten wachsen sowie der Zuwachs,
der für die Gestaltung des Baumes überflüssig ist. Das
Beschneiden zur Erhaltung der Struktur wird vor allem im Frühjahr
und im Herbst durchgeführt.
Drahten
Es gibt bei dieser Spezies beim Anlegen des Drahtes keine besonderen Probleme.
Das trifft vor allem zu, wenn die Pflanze noch jung ist. Das Einzige,
was es zu beachten gilt, ist, den Draht nicht zu lange zu belassen. Sommer
oder Winter sind die besten Jahreszeiten für das Drahten, trotzdem
kann man eigentlich zu allen Jahreszeiten drahten und formen. Beim Anlegen
des Drahtes in der Wachstumszeit (Frühling) ist jedoch Vorsicht geboten,
weil die Pflanze dann besonders kräftig an Umfang zunimmt. Wenn der
Draht nicht gut beobachtet und rechtzeitig entfernt wird, kann er in die
Rinde einschneiden.
Pinzieren
Um unerwünschte und zu dicht stehende Triebe zu entfernen, sollte
während der gesamten Wuchsperiode mit der Schere pinziert werden.
Davon ist hauptsächlich der obere Teil des Baumes betroffen, weil
dieser am kräftigsten wächst. Das Pinzieren kann bei den frischen
Trieben mit den Fingern durchgeführt werden, wobei die Mitte des
neuen Triebes ausgezupft wird. Es ist auch möglich, das neue Wachstum
ab 1 cm Länge mit einer Schere zurückzunehmen. Nach allgemeiner
Regel wird im Sommer das neue Wachstum wiederholt pinziert, so dass jeder
Ast seine optimale Form entwickelt. Im Winter wird die Verzweigung durch
Rückschnitt optimiert.
Umpflanzen
Die für das Umpflanzen am besten geeigneten Monate sind März,
April und Oktober. Ist die Pflanze bereits gestaltet, so werden 2 cm des
unteren Teiles des Wurzelballens und 2 bis 4 cm von dessen Rändern
entfernt. Dabei werden die kleinen Wurzeln beschnitten und die toten und
zu dicken Wurzeln komplett entfernt. Befindet sich der Baum noch in der
Gestaltungsphase, dann können die interessantesten Wurzeln stehen
gelassen und rund 1/3 des Wurzelballens entfernt werden. In den ersten
drei Jahren wird jedes Jahr umgepflanzt, danach alle drei bis vier Jahre.
Als Substrat hat sich eine Mischung aus 80% Akadama und 20% Kies bewährt.
Düngen
Die Zufuhr von Dünger während der Wachstumsperiode ist wichtig.
Jeden Monat sollten die organischen Düngekugeln erneuert und alle
zwei Wochen einmal mit Flüssigdünger gegossen werden. Das Fehlen
von Dünger kann das Wachstum der Triebe verlangsamen oder ganz blockieren.
Krankheiten
Aufgrund seiner außergewöhnlichen Widerstandskraft ist die
Eibe vielleicht eine der robustesten Pflanzen überhaupt. Sie wird
nur selten von Pilzen oder Milben angegriffen. Schildläuse kommen
bei schwachen Pflanzen jedoch regelmäßig vor.
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