Meine Begeisterung
für die Bonsaikunst hat schon in der Jugendzeit angefangen, seit
vielen Jahren machten mich die Kultur und die Kunst Japans neugierig
Mein erster Schritt war die Teilnahme an einem Karate-Training (Kyokunshinkai)
und Kendo, dann lernte ich die Schönschreibekunst kennen.
Ein Wendepunkt folgte, als ich erstmals mit den Materialien über
Gärten und ihre Pflege Kontakt bekam. So gegen 1996 fand ich
in einer Buchhandlung das erste Bonsaibuch, es war ,,Der Weg zum Meister
von Horst Stahl. Seit dieser Zeit bin ich ganz von dieser Kunst absorbiert.
Dann habe ich auch noch viele andere Bonsai-Bücher gekauft.
Als ich schon diese Bücher hatte, wollte ich auch einen Baum
haben. Ich habe Ficus retusa gewählt. Sehr langsam fing ich an,
die Pflegekunst meines Baumes kennen zu lernen. Ich kaufte ein paar
Pflanzen, und so begann meine Erfahrung mit der Bonsaikunst.
Ein Zufall, ein sehr glücklicher Zufall, war mein Treffen mit
einem Menschen, der sich seit über 20 Jahren mit der Bonsaikunst
beschäftigt Wlodek Pietraszko. Er hat im Bonsai Zentrum
Breslau diese Art der japanischen Kunst propagiert, indem er Seminare,
Ausbildungswerkstätten und Ausstellungen organisierte.
Dort habe ich viele interessante und wertvolle Menschen kennen gelernt,
die dieselben Interessen wie ich haben. Diese Werkstätten fanden
alle zwei Monate statt, und ich nahm immer mit großer Freude
teil, weil ich etwas Neues erfahren konnte, meine Erfahrungen mitteilte
und vor allem mit Menschen, die auch von der Bonsaikunst begeistert
waren, zusammen sein konnte.
Ich hatte immer größeren Wissensdurst, ich bekam neue Bücher
und ausländische Fachpresse. Mit großer Begeisterung und
großem Enthusiasmus nahm ich weiter an allen Seminaren und Treffen
teil, ich besuchte viele ausländische Ausstellungen und half
bei der Organisation verschiedener Ausstellungen in Polen.
Anlässlich einer Ausstellung habe ich Salvatore Liporace kennen
gelernt, der heute mein Freund ist, was für mich eine große
Ehre ist. Ich war sowohl von seinen Fertigkeiten als auch von seiner
Persönlichkeit begeistert. Es gibt einen Spruch: Wenn der Schüler
bereit ist, kommt der Lehrer bestimmt. Also: Ich war fertig und der
Lehrer kam.
Ich wurde von Salvatore in Milano zum Studio Botanico eingeladen.
Es ist ein Platz, wo sich viele Menschen treffen, die einen neuen
Blick auf die Bonsaikunst, Inspirationen und Ideen suchen. Drei Jahre
lang besuchte ich das Studio und meinen Meister, von dem ich auch
ein Stipendium bekam. In Milano habe ich die Entscheidung getroffen,
dass ich mich professionell mit der Bonsaikunst beschäftigen
werde, und als ich immer mehr konnte, wusste ich, dass mein Entschluss
richtig war. Die Bonsaikunst wurde meine Lebensart, mein Lebensweg.
Dank der Hilfe und Unterstützung meiner Familie konnte ich meine
Lehre fortsetzen. Nachdem mein Stipendium zu Ende gegangen war, beschloss
ich, einen neuen Ort zu finden, wo ich weiter arbeiten und meine Interessen
entwickeln konnte. Dann habe ich die Adresse von Hermann Pieper bekommen,
der die Bonsaischule in Enger betreibt. Ich hatte noch einmal Glück
und wurde schon nach dem ersten Telefongespräch nach Enger eingeladen.
Hermann Pieper ist ein sehr netter Mensch und natürlich auch
guter Fachmann, mit großer Erfahrung. Die Schule in Enger ist
ein echtes Paradies für einen Bonsailiebhaber.
In Enger konnte ich auch die botanische Seite dieser Kunst lernen.
Die Herzlichkeit und häusliche Atmosphäre, die in dieser
Bonsaischule herrschten, gaben mir viel Kraft und ich wollte noch
länger da bleiben. Meine gute Zusammenarbeit mit Hermann dauert
bis heute und ist erfolgreich. Ich habe eine Möglichkeit, mit
vielen Bäumen aus aller Welt zu tun zu haben. Das sind Bäume
verschiedener Art, die sowohl aus Baumschulen kommen, als auch aus
Japan, China und Korea eingeführt wurden.
Ich arbeite auch mit Yamadori, aber ich kann noch nicht sagen, dass
ich eine Art bevorzuge oder besonders mag. Am meisten arbeite ich
mit dem, was ich eben habe, weil meiner Meinung nach jede Pflanze
etwas Besonderes, Schönes in sich hat, was zeigens- und sehenswert
ist. Das will ich in meinen Werken zeigen.
Ich bewundere vor allem die Werke der japanischen Bonsaimeister: Masahiko
Kimura, Kunio Kobayashi. Ich kenne auch die Werke von europäischen
Künstlern, wie Salvatore Liporace, Marc Noelanders, Danny Use,
Serge Clèmence, Vaclav Novak, Hotsumi Terakawa, Jürgen
Zaar. Viele von diesen Personen habe ich auch persönlich kennen
gelernt. Ich beobachtete, wie sie arbeiten, manchmal konnte ich ihnen
auch bei der Arbeit vor einer Ausstellung helfen. Mein Vorbild ist
John Naka, sein Buch Bonsai Technik ist eine Bibel für
einen Bonsaikunstliebhaber.
Ich lese nicht nur Fachliteratur über Bonsaikunst, sondern habe
auch viele Bücher über Geistentwicklung, Meditation und
Selbstvervollkommnung ge-lesen. Zuletzt habe ich Hagakure
das geheime Buch der Samurai und Hundert Zen-Schlüssel
gelesen. Ich liebe auch Kino, Musik, besonders Jazz, weil Jazz eine
echte Improvisation ist.
Schöpfungsfreude, das harmonische Leben und Gleichgewicht aller
Dinge, Übereinstimmung meiner Worte, meiner Gedanken und meiner
Taten ist heute mein Lebensweg, der mir eine Möglichkeit gibt,
mich über mein Leben und meine Selbstentwicklung zu freuen; gute,
dauerhafte Änderungen in meinem Leben zu machen. Üben, um
immer mehr vollkommen zu sein, ist meine Leidenschaft. Ich freue mich
sehr darüber, dass ich immer lernen und üben
kann. Diese Maxime habe ich über der Tür jenen Karatesaals
gesehen, und heute kann ich sagen, dass diese Worte nicht nur im Sport
wichtig und wertvoll sind, sondern auch in der Bonsaikunst.
Ich danke herzlich allen Menschen für ihre Hilfe, für Erfahrungen,
die ich sammeln konnte, und für ihr Wissen, das mit mir geteilt
wurde. Vielen Dank an meine Freunde und Lehrer. Mit ihnen hat mein
Abenteuer mit der Bonsaikunst begonnen.