Wer ist eigentlich ... Jarek Lenarczyk

Name:
Jarek Lenarczyk


Wohnort /Arbeitskreis:
Polen – Wroclaw


Jarek Lenarczyk bei der Euro Bonsai Gala 2002


Meine Begeisterung für die Bonsaikunst hat schon in der Jugendzeit angefangen, seit vielen Jahren machten mich die Kultur und die Kunst Japans neugierig

Mein erster Schritt war die Teilnahme an einem Karate-Training (Kyokunshinkai) und Kendo, dann lernte ich die Schönschreibekunst kennen.
Ein Wendepunkt folgte, als ich erstmals mit den Materialien über Gärten und ihre Pflege Kontakt bekam. So gegen 1996 fand ich in einer Buchhandlung das erste Bonsaibuch, es war ,,Der Weg zum Meister“ von Horst Stahl. Seit dieser Zeit bin ich ganz von dieser Kunst absorbiert. Dann habe ich auch noch viele andere Bonsai-Bücher gekauft.
Als ich schon diese Bücher hatte, wollte ich auch einen Baum haben. Ich habe Ficus retusa gewählt. Sehr langsam fing ich an, die Pflegekunst meines Baumes kennen zu lernen. Ich kaufte ein paar Pflanzen, und so begann meine Erfahrung mit der Bonsaikunst.
Ein Zufall, ein sehr glücklicher Zufall, war mein Treffen mit einem Menschen, der sich seit über 20 Jahren mit der Bonsaikunst beschäftigt – Wlodek Pietraszko. Er hat im Bonsai Zentrum Breslau diese Art der japanischen Kunst propagiert, indem er Seminare, Ausbildungswerkstätten und Ausstellungen organisierte.
Dort habe ich viele interessante und wertvolle Menschen kennen gelernt, die dieselben Interessen wie ich haben. Diese Werkstätten fanden alle zwei Monate statt, und ich nahm immer mit großer Freude teil, weil ich etwas Neues erfahren konnte, meine Erfahrungen mitteilte und vor allem mit Menschen, die auch von der Bonsaikunst begeistert waren, zusammen sein konnte.
Ich hatte immer größeren Wissensdurst, ich bekam neue Bücher und ausländische Fachpresse. Mit großer Begeisterung und großem Enthusiasmus nahm ich weiter an allen Seminaren und Treffen teil, ich besuchte viele ausländische Ausstellungen und half bei der Organisation verschiedener Ausstellungen in Polen.
Anlässlich einer Ausstellung habe ich Salvatore Liporace kennen gelernt, der heute mein Freund ist, was für mich eine große Ehre ist. Ich war sowohl von seinen Fertigkeiten als auch von seiner Persönlichkeit begeistert. Es gibt einen Spruch: Wenn der Schüler bereit ist, kommt der Lehrer bestimmt. Also: Ich war fertig und der Lehrer kam.
Ich wurde von Salvatore in Milano zum Studio Botanico eingeladen. Es ist ein Platz, wo sich viele Menschen treffen, die einen neuen Blick auf die Bonsaikunst, Inspirationen und Ideen suchen. Drei Jahre lang besuchte ich das Studio und meinen Meister, von dem ich auch ein Stipendium bekam. In Milano habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich mich professionell mit der Bonsaikunst beschäftigen werde, und als ich immer mehr konnte, wusste ich, dass mein Entschluss richtig war. Die Bonsaikunst wurde meine Lebensart, mein Lebensweg.
Dank der Hilfe und Unterstützung meiner Familie konnte ich meine Lehre fortsetzen. Nachdem mein Stipendium zu Ende gegangen war, beschloss ich, einen neuen Ort zu finden, wo ich weiter arbeiten und meine Interessen entwickeln konnte. Dann habe ich die Adresse von Hermann Pieper bekommen, der die Bonsaischule in Enger betreibt. Ich hatte noch einmal Glück und wurde schon nach dem ersten Telefongespräch nach Enger eingeladen.
Hermann Pieper ist ein sehr netter Mensch und natürlich auch guter Fachmann, mit großer Erfahrung. Die Schule in Enger ist ein echtes Paradies für einen Bonsailiebhaber.
In Enger konnte ich auch die botanische Seite dieser Kunst lernen. Die Herzlichkeit und häusliche Atmosphäre, die in dieser Bonsaischule herrschten, gaben mir viel Kraft und ich wollte noch länger da bleiben. Meine gute Zusammenarbeit mit Hermann dauert bis heute und ist erfolgreich. Ich habe eine Möglichkeit, mit vielen Bäumen aus aller Welt zu tun zu haben. Das sind Bäume verschiedener Art, die sowohl aus Baumschulen kommen, als auch aus Japan, China und Korea eingeführt wurden.
Ich arbeite auch mit Yamadori, aber ich kann noch nicht sagen, dass ich eine Art bevorzuge oder besonders mag. Am meisten arbeite ich mit dem, was ich eben habe, weil meiner Meinung nach jede Pflanze etwas Besonderes, Schönes in sich hat, was zeigens- und sehenswert ist. Das will ich in meinen Werken zeigen.
Ich bewundere vor allem die Werke der japanischen Bonsaimeister: Masahiko Kimura, Kunio Kobayashi. Ich kenne auch die Werke von europäischen Künstlern, wie Salvatore Liporace, Marc Noelanders, Danny Use, Serge Clèmence, Vaclav Novak, Hotsumi Terakawa, Jürgen Zaar. Viele von diesen Personen habe ich auch persönlich kennen gelernt. Ich beobachtete, wie sie arbeiten, manchmal konnte ich ihnen auch bei der Arbeit vor einer Ausstellung helfen. Mein Vorbild ist John Naka, sein Buch „Bonsai Technik“ ist eine Bibel für einen Bonsaikunstliebhaber.
Ich lese nicht nur Fachliteratur über Bonsaikunst, sondern habe auch viele Bücher über Geistentwicklung, Meditation und Selbstvervollkommnung ge-lesen. Zuletzt habe ich „Hagakure – das geheime Buch der Samurai“ und „Hundert Zen-Schlüssel“ gelesen. Ich liebe auch Kino, Musik, besonders Jazz, weil Jazz eine echte Improvisation ist.
Schöpfungsfreude, das harmonische Leben und Gleichgewicht aller Dinge, Übereinstimmung meiner Worte, meiner Gedanken und meiner Taten ist heute mein Lebensweg, der mir eine Möglichkeit gibt, mich über mein Leben und meine Selbstentwicklung zu freuen; gute, dauerhafte Änderungen in meinem Leben zu machen. Üben, um immer mehr vollkommen zu sein, ist meine Leidenschaft. Ich freue mich sehr darüber, dass ich „immer lernen und üben“ kann. Diese Maxime habe ich über der Tür jenen Karatesaals gesehen, und heute kann ich sagen, dass diese Worte nicht nur im Sport wichtig und wertvoll sind, sondern auch in der Bonsaikunst.
Ich danke herzlich allen Menschen für ihre Hilfe, für Erfahrungen, die ich sammeln konnte, und für ihr Wissen, das mit mir geteilt wurde. Vielen Dank an meine Freunde und Lehrer. Mit ihnen hat mein Abenteuer mit der Bonsaikunst begonnen.




 
 

 

Wer ist eigentlich ... Jarek Lenarczyk