Wer ist eigentlich ... Hartmut Münchenbach

Name:
Hartmut Münchenbach


Wohnort /Arbeitskreis:
Pfronten/AK Ostallgäu


Hartmut Münchenbach auf der Ichi Shun-ten in München


Bäume zogen mich schon immer in ihren Bann. In meiner Kindheit kletterte ich in die höchsten Wipfel – später in den Felswänden der Alpen. In vielen Klettertouren dienten oftmals bizarr gewachsene Bergkiefern als Standplatz und sicherer Zufluchtsort. Während meiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Berg- und Skiführer nutzte ich jede Gelegenheit, Baumveteranen ausfindig zu machen – auch um einen Lichtbildervortrag zu diesem Thema zu gestalten.
Auf einer meiner Vortragsreisen über meine Expeditionen zu den Bergen der Welt erstand ich auf einem Weihnachtsmarkt einen Baum im Miniformat – einen kleinen Fächerahorn. Das war 1988. Danach ging alles sehr schnell. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass Bäume meinen Lebens­rhyth­mus in derartiger Form prägen werden. Heute beanspruchen 150 Bäume in allen Entwicklungsstufen alle Zeit für Pflege und Weiterentwicklung, die mir neben meiner jetzigen Tätigkeit als Hauptschullehrer bleibt.
Die Sammlung wuchs ständig. Zu Jungpflanzen und einigen Importen gesellten sich bald die ersten Yamadori, die ich auf meinen Bergtouren entdeckte. Erste Fachkenntnisse erwarb ich durch Literatur. Vor allem die Bücher von John Naka begeisterten mich damals, dann die Werke von Masahiko Kimura und die Bildbände der Kokufu- Ausstellung. Anders als viele andere Bonsaifreunde ließ und lasse ich mich von der Qualität der gezeigten Werke nicht abschrecken, sondern sehe sie als Vorbild und versuche, ihnen möglichst nahe zu kommen.
Auf meinen Vortragsreisen besuchte ich alle mehr oder weniger auf der Strecke liegenden Bonsaizentren. Prägenden Eindruck hinterließ bei mir die Bonsai-Galerie Rüger. Sein Streben nach Perfektion spiegelte sich auch in den präsentierten Bäumen. Gerne noch denke ich an die Stunden, die ich mit seinem damaligen Mitarbeiter Nobujuki Kajiwara verbrachte. Sein Schaffen war genau das Gegenteil der auf meinen ersten Demos gesehenen groben Arbeit mit Kettensäge und Feuer. 1990 organisierte ich mit Nobu für unseren damals neu gegründeten Arbeitskreis Ostallgäu einen Workshop mit Themenschwerpunkt Drahten.
Von Nobu lernte ich eine Grundregel meines Gestaltens: Je mehr Zeit ich in die Entwicklung eines Bonsai investiere, desto höher ist die zu erzielende Qualität. Wenn ich in wenigen Jahren eine Jung- oder Rohpflanze „ausstellungsreif“ – und sei es „nur“ im eigenen Garten – zeigen will, muss ich mich sofort mit der Gestaltung der Äste und Feinstruktur befassen. Nutze ich diese Zeit zur Verbesserung der wesentlichen Qualitätsmerkmale wie Wurzelansatz und Stamm, die ich in der Verfeinerungsphase nicht mehr entscheidend verbessern kann, habe ich halt noch keine vorzeigbaren Exemplare. So sind viele Bäume bei mir seit Jahren in großen Schalen, Kisten oder gar im Feld kultiviert – mit entsprechend starkem Wachstum. Mein besonderes Augenmerk gilt immer dem Wurzelansatz, und bevor dieser nicht entwickelt ist, kommt bei mir kein Baum in die Schale zur Weiterentwicklung.
Da auch die Bereitschaft, viel Zeit zu investieren, ohne entsprechendes Können nicht erfolgreich ist, bin ich um ständige Weiterbildung bemüht. Neben Workshops mit Pius Notter und Marc Noelanders beeindruckten mich besonders die „Japaner“. Die umfassendste Ausbildung bietet zur Zeit die Scuola d’Arte Bonsai mit dem Lehrmeister Hideo Suzuki. 1997 begann ich als erster deutscher Teilnehmer mit den Kursen. Nach sieben Jahren Ausbildung ist auch dieser Abschnitt kommendes Jahr zu Ende.
Nach 16 Jahren Arbeit zeigen die ersten Bäume meiner Sammlung einen Entwicklungsstand, um auch auf großen Ausstellungen wie dem Weltkongress, der Sakka-ten oder Ichi Shun-ten bestehen zu können. Auf der letzten Sakka-Ten wurde ich als Mitglied in die Nippon Bonsai Sakka Kyookai aufgenommen.
Nicht nur auf Ausstellungen sondern auch zu Hause ist die Präsentation von Bonsai für mich von Bedeutung. Daher gilt seit dem vergangenen Jahr mein Haupt­augenmerk der Gestaltung meines Gartens.
In den 16 Jahren Bonsai habe ich aber auch viele liebe Freunde gewonnen, was für mich persönlich sehr wichtig ist. Genau so wie die Toleranz gegenüber dem Schaffen anderer. Es besteht immer wieder die Tendenz, mehr zu kritisieren als die guten Aspekte in den Werken anderer zu suchen. Selbst einfache oder noch zu verbessernde Bonsai können uns einen Weg weisen. Dazu brauche ich nur die Freude in den Augen ihrer Besitzer und Gestalter sehen und schon wird die Hauptsache bewusst: Bonsai soll Freude und Zufriedenheit vermitteln.

Kerbbuche (Fagus crenata)


Bergkiefer (Pinus mugo) in Gestaltung
Fichte (Picea)

Bergkiefer (Pinus mugo)