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Bonsaikunst bedeutet für mich, aus einem Baum in der Schale durch
Gestalten und Pflegen ein Kunstwerk der Natur zu schaffen, das durch seine
stetige Veränderung und Entwicklung fasziniert
Es war ein Zufall, als ich im Sommer 1992 in einem Blumengeschäft
in der Düsseldorfer Innenstadt auf einen Bonsai aufmerksam wurde,
der mich auf Anhieb faszinierte. Es war ein Fukien-Tee in einer alten
chinesischen Schale. Ich kaufte ihn spontan und nahm ihn in meine damalige
Stadtwohnung mit. Schon nach kurzer Zeit wurden die Blätter welk,
obwohl ich doch den Ratschlägen des Blumenhändlers gefolgt war.
Es packte mich der Ehrgeiz, diesen Baum zu erhalten und ihn zu neuem Wachstum
zu bringen. So suchte ich Rat und stieß dabei direkt auf die Düsseldorfer
Bonsai-Szene.
Um es kurz zu machen, der Baum war inzwischen so geschwächt, dass
er trotz der Ratschläge der Fachleute meine Pflege nicht überlebte.
Dieses negative Erlebnis prägte bis heute meine Einstellung zum Bonsai
als pflanzlichem Lebewesen. In einem Düsseldorfer Ar-beitskreis
habe ich die ersten wichtigen Informationen erhalten und Workshops für
Einsteiger und später für Fortgeschrittene besucht. So lernte
ich nationale und internationale Bonsai-Gestalter kennen. Sehr beeindruckt
hat mich seinerzeit Marc Noelanders. In diesen ersten Jahren musste ich
aber auch erkennen, dass die Gestaltung eines Baumes nicht mit dem handwerklichen
Einsatz von Schere und Draht endet.
Meine Nähe zu Tieren und Pflanzen führte mich in den sehr wichtigen
Bereich der Pflege und Gesunderhaltung eines Baumes vor und nach seiner
Gestaltung. Das Behandeln von Krankheiten und die Bekämpfung von
Schädlingen waren und sind mir ein besonderes Anliegen und führten
zu einem intensiven Erfahrungsaustausch mit meinen Bonsai-Freunden.
Meine zweite ausgeprägte Leidenschaft ist das Fotografieren. Die
fotografische Dokumentation bzw. Darstellung eines Schädlings oder
eines Krankheitsbildes mit Hilfe der Makro-Fotografie erleichterte mir
die Diagnose und die Maßnahmen zur Heilung und Bekämpfung.
Darüber hinaus erhielt ich einen faszinierenden Einblick in die Makrowelt
mit ihren beindruckenden Farben und Formen. Inzwischen verfüge ich
zu diesem Thema über ein beachtliches Bildarchiv, das sich ständig
vergrößert.
Die Ausbildung zum Bewerter, die mir der BCD ermöglichte, bestärkte
mich in meiner Einstellung, dass die optimale Pflege unter Beachtung der
Naturgesetzte ebenso wichtig ist wie die handwerkliche Gestaltung eines
Baumes.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich Helmut Rüger und
Udo Fischer erwähnen. Sie verzichten bewusst auf modische Trends
und vordergründige Aktionen, die den Baum schädigen oder vernichten
könnten. Sie betreiben außerdem einen hohen pflegerischen Aufwand,
um die Bonsai zu einer beachtlichen Reife und Ausstrahlung zu führen.
Als begeisterter Naturfotograf be-trachte ich immer wieder gute Bildvorlagen,
um meine eigene Bildgestaltung zu verbessern. Bei der Auswahl und der
Gestaltung meiner Bäume orientiere ich mich gern an den jährlichen
Bildbänden der Kokufu-ten. Die abgebildeten Bäume sind für
mich zwar unerreichbar, aber dennoch großes Vorbild.
Für mich hat Bonsai immer etwas mit Emotionen zu tun. So lag es nahe,
dass ich schon bald in der Satsuki-Azalee meinen absoluten Lieblingsbaum
fand. Meine aufmerksame Pflege quittieren sie mir jedes Jahr mit einem
bezaubernden Blütenmeer. Die Blüten sind in ihren Farben und
Formen so überwältigend, dass die Satsuki-Azalee in Japan ihre
eigene nationale Ausstellung hat. Für mich wäre es hohe Zeit,
dass diese Pflanze in Deutschland mit einer eigenen nationalen Ausstellung
ihre besondere Anerkennung findet. Mein heutiger Beitrag soll ermutigen,
die erste bundesdeutsche Azaleenausstellung auf den Weg zu
bringen.
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