Wer ist eigentlich ... Peter Schardt

Name: Peter Schardt

Wohnort: Altenkunstadt



Natürlich begeistert es einen am meisten, wenn man etwas selbst geschaffen hat und von dem Ergebnis auch überzeugt ist.


Schon mein ganzes Leben lang haben mich große alte Bäume in der freien Natur fasziniert. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon vor einer alten Eiche oder Linde gestanden habe und überwältigt war von der Ausstrahlung und Kraft, die ein mächtiger Baum von sich gibt.
Mein Lebenslauf in Bezug auf Freizeit­aktivitäten ähnelt wohl dem vieler Bonsaienthusiasten: Kampfsport schon als Kind, Angeln, Aquariumfische, viel in der freien Natur, im Wald Pilze suchen und letztendlich als Höhepunkt Bonsai, das alles andere mit der Zeit in den Hintergrund treten ließ und verdrängte.
1986 fielen mir in einer Gärtnerei Bonsaibücher auf und ich kaufte mir das Taschenbuch „Bonsai für die Wohnung“ von Paul Lesniewicz. Mein erstes Versuchsobjekt war dann auch ein Ficus benjamini, der übrigens heute noch lebt. Dies blieb dann auch mein letzter Zimmerbonsai und ich konzentrierte mich ausschließlich auf Outdoors. Dass ich im Vorjahr ein Haus gebaut hatte und der Garten noch angelegt werden musste, erwies sich als glücklicher Zufall. Auch ein Gewächshaus, das ich aus alten Fenstern einer Schule und ein paar Balken und Brettern aus einer Sägemühle selbst zusammenbaute, musste her. Inzwischen zählt meine Sammlung 60 Bonsai und noch mehr Bücher darüber, aus denen ich mir regelmäßig Anregungen hole. Besonders die Kokufu-Jahrbücher haben es mir angetan.
Im Jahr 1992 wurde ich von einem jetzt guten Bekannten angesprochen und wir gründeten den Verein „Bonsaifreunde Altenkunstadt u.U.“. Seit dieser Zeit bin ich erster Vorstand dieses Vereins, der jetzt 29 Mitglieder betreut und als eingetragener und gemeinnütziger Verein registriert ist. Natürlich sind wir auch AK beim Bonsai Club Deutschland, wo bereits der eine oder andere meiner Bäume auf der Jahresausstellung ausgezeichnet wurde. Ein Höhepunkt in unserem Vereinsleben war die Euro Bonsai Gala, die unser Vereinsmitglied Kurt Gagel in Bad Staffelstein organisierte.
Als ich vor einigen Jahren eine Ausschreibung für die Ausbildung einer Bewertergruppe für den BCD las, bewarb ich mich. So bewerte ich jetzt auch regelmäßig auf der Jahresausstellung, was mir viel Freude macht, auch wenn die Ergebnisse oft umstritten sind. Es kommt schon vor, dass man sich den Angriffen von Ausstellern entgegenstellen muss, die sich ungerecht behandelt fühlen. Aber ich finde die Arbeit mit der Bewertergruppe gut, vor allem weil eine Lösung gefunden werden musste. Unzufriedene gibt es immer und ich denke, bei früheren Prämierungen noch mehr als heute.
Eine Lieblingsbaumart oder einen Lieblingsstil habe ich nicht. Ich arbeite an Importmaterial genauso gerne wie an Yamadori. Natürlich begeistert es am meisten, wenn man selbst etwas geschaffen hat und von dem Ergebnis auch überzeugt ist. In meiner Sammlung finden sich neben etlichen Fächerahornen und Azaleen auch Fichten, Lärchen, Kiefern und viele Laubbaumarten. Als gute Yamadoriquelle hat sich für mich der Garten von Wolfgang Käflein erwiesen, wo ich gute Rohware erstehe. Aber natürlich nicht nur dort.
Als Gestalter beeindruckt mich immer wieder Walter Pall, der nicht nur hervorragende Bonsai erschafft, sondern es auch versteht, sein Wissen zu vermitteln. Ein Workshop oder eine Demo mit ihm ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Trotz der Differenzen um Einhaltungen der Stilrichtungen bin ich für alle Möglichkeiten offen, die die Kunst Bonsai uns bietet. Jeder kann sich hier verwirklichen, wie es seinem Geschmack entspricht. Wenn das Ergebnis andere beeindruckt und inspiriert, ist es ein guter Bonsai.
Ein besonderer Höhepunkt war für mich eine Japanreise mit Harald Lehner 2001, die uns neben den Gärten bekanntester Bonsaigestalter auch durch die Kokufu führte. Eine solche Perfektion an Bonsai ist in Europa nicht errreicht, auch wenn viele das denken.
Ebenso beeindruckend waren für mich Reisen in die Länder, in denen besonders die Naturschauspiele unvergesslich blieben, wie die riesigen Mammutbäume in der Sierra Nevada oder die jahrtausendealten Grannenkiefern mit ihren natürlichen Jins östlich davon. Dieses Jahr werde ich wohl den Westen Kanadas erkunden.