von der Nippon Bonsai Association
Rezension aus BONSAI ART 197
Japan ist das Land, in dem der moderne Bonsai vor etwa 150 Jahren entstanden ist. Dementsprechend gibt es viele alte Bonsai-Meisterwerke in Japan, die im Land hoch geschätzt werden und die in der dortigen Bonsai-Szene weithin bekannt sind. Einige sind in wenigen Jahren aus Rohmaterial bis zur Ausstellungsreife gebracht worden, andere können eine jahrzehntelange Gestaltungsgeschichte aufweisen, die bis in die Meiji- bzw. Taisho-Periode zurückreicht.

Das vorliegende Buch, herausgegeben 2016 von der Nippon Bonsai Association, stellt einige dieser berühmten Meisterwerke in Wort und Bild vor, zweisprachig in Japanisch und (leicht verständlichem) Englisch. Offensichtlich sollte das Werk der Beginn einer Serie sein, die bisher jedoch nicht fortgesetzt wurde.
Jeder vorgestellte Baum ist Preisträger mindestens einer der beiden großen Ausstellungen in Japan, also der Taikan-ten oder/und der Kokufu-ten. Bei beiden Veranstaltungen werden die Exponate unter dem Namen ihres aktuellen Eigentümers ausgestellt. Das vorliegende Buch stellt auch den oder die Gestalter der jeweiligen Bonsai sowie ihre prägendsten Eigentümer im Text vor. Es ist damit kein reiner Bildband, auch wenn jeder Baum auf einer oder zwei Seiten mit großformatigen Fotos gezeigt wird. Die Kombination aus Text und Bildern vermittelt recht verblüffende Einblicke in die japanische Bonsai-Szene. So war ich erstaunt, wie oft manche Bäume den Besitzer wechselten, während andere über Jahrzehnte vom selben Gespann aus Gestalter und Eigentümer weiterentwickelt wurden. Beispielweise wurde eine beeindruckende Zelkove (Exponat Nr. 59, S.106) von Fusazo
Takeyama, dem Inhaber der Fuyo-en Gärtnerei in Omiya, aufgebaut und 1975 von Tadao Yoshimoto gekauft. Der
Baum verblieb zur Pflege bei Takeyama. Nach dessen Tod „erbte“ dessen Sohn und Nachfolger Hiroshi Takeyama die Pflege des Baumes. 20 Jahre nach dem Erwerb durch Yoshimoto gewann der Baum, vorbereitet von Hiroshi Takeyama, den Kokufu-Preis – ein schönes Beispiel für eine langjährige, generationenüberspannende Zusammenarbeit von Kunde und Bonsai-Profi.
Die ersten Bilder eines Schwarz-Kiefer-Bonsai über Fels mit dem Namen Zuiko (Exponat Nr. 38, S. 70) stammen aus dem Jahr 1935. Zuiko wechselte in der Folge mehrfach den Besitzer und wurde wiederholt auf großen Ausstellungen gezeigt, bevor er 1990 einen Kokufu-Preis gewann. Der Baum steht heute im Bonsai-Museum in Omiya.
Ein weiterer Baum, dessen Geschichte bis in die 1920er Jahre zurück reicht (Exponat Nr. 29, S. 56) und der ebenfalls bereits in den 1930er Jahren als fertig gestalteter Bonsai dokumentiert war, ging einige Jahre, nachdem er 1987 den Preis der Kokufu-ten gewann, ein. Dieser Wacholder steht exemplarisch für die Meisterwerke, die im Buch vorgestellt werden und heute nicht mehr existieren.
Als einer der vielen Preisträger-Bäume, die von Masahiko Kimura gestaltet wurden, sei ein Wacholder genannt (Exponat 34, S. 64), der von Kimura in nur 7 Jahren aus Rohmaterial zu einem Kokufu-Preisträger entwickelt wurde.
Dieses Buch ist jedem Freund des japanischen Bonsai-Stils zu empfehlen. Der Anschaffungspreis ist nicht hoch und die erstklassigen Bilder, Entwicklungsgeschichten der Bäume inklusive der damit einhergehenden Moden bei Gestaltung und Schalenwahl vermitteln hochinteressante historische Aspekte der Bonsai-Szene. (TG)
„The Bonsai Masterpiece Collection Vol. 1“, Modern Publishing 2016, Softcover, 112 Seiten, Preis: 2530 ¥ (ca. 14 €), zzgl. Versand und Importkosten. Zu beziehen über die Nippon Bonsai Association, www.bonsai.co.jp
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