von Hermann Haas
Rezension aus BONSAI ART 198
Seit Jahrzehnten ist Hermann Haas in der deutschen und europäischen Bonsai-Szene bekannt für seine selbst gestalteten und vielfach prämierten Bonsai heimischer Arten, die er auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt hat. Die wunderbaren Birken-Bonsai des sympathischen Mannes aus Hennef haben der Bonsai-Gemeinschaft einst vor Augen geführt, wie geeignet und begehrenswert diese Art als Bonsai ist. Die frisch erschienene 3. Auflage seines Bestsellers wurde erneut um einige Kapitel erweitert.
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Viele Bonsai-Enthusiasten beschränken sich längst nicht mehr auf aus Japan importierte Baumarten, sondern arbeiten besonders gerne mit heimischen Baumarten. Material dieser Arten ist leicht zu bekommen und gedeiht im vertrauten Lebensraum in der Regel problemlos, zudem hat man die natürlichen Vorbilder im eigenen Umfeld stets vor Augen. Hermann Haas verfolgt diesen Ansatz bereits seit langer Zeit und hat seine selbst gesammelten Rohlinge nicht nur konsequent zur Reife gebracht und erfolgreich auf Ausstellungen präsentiert, sondern ihre Entwicklung auch von Anfang gewissenhaft dokumentiert. Das in diesem Buch verwendete Daten- und Bildmaterial erzählt die Geschichten seiner Bonsai, beginnend beim Sammeln in der Natur, über die Erstversorgung und Pflege- und Gestaltungsarbeiten im Verlauf der Jahre, mit allen Höhen und Tiefen.
Auf den mittlerweile 385 Seiten der neu erschienenen 3. Auflage setzt Hermann Haas seine teilweise über mehrere Jahrzehnte gehenden Bonsai-Geschichten fort, dokumentiert einige zuvor nicht enthaltene Bonsai weiterer Arten und liefert zudem ein neues Kapitel über Kusamono und Shitakusa, denen er sich ebenfalls mit Freude und Sachverstand widmet.
In jedem Kapitel gibt es viel informativen und unterhaltsamen Text zu lesen, aus dem Haas‘ liebenswerter Charme
und seine Freude am Thema sprechen. Auch Rückschläge bei eigenwilligen Baumarten, oder durch Stürme und einen hungrigen Rehbock verursachte Schäden werden thematisiert und der beharrliche Wille zum Weitermachen und Neubeginn vorgelebt. Mancher hätte nach dem Verlust von 50 guten Bonsai in einem besonders frostigen Winter vielleicht das Handtuch geworfen, nicht jedoch Haas, der mit seinen Erfahrungen möglicherweise seine Leser vor ähnlichen Katastrophen bewahren kann.
Viele bewährte Techniken, clevere Tipps und Tricks, Erfahrungswerte, Werkzeuge und Gerätschaften kommen zur
Sprache und sind mit vielen guten Fotos illustriert. Vom Hubtisch über die elektrische Seilwinde, die XXL-Schlauchtrommel, einen besonderen Schubkarreneinsatz und die Düngertafel bis zum „Bonsai-Mobil“ ist vieles zu sehen, was beim Management einer umfangreifen Sammlung großer und schwerer Bonsai hilfreich ist.
Die Schilderungen von Yamadori-Sammelurlauben und Workshops mit touristischem und kulinarischem Rahmenprogramm
klingen verlockend, wobei allerdings die Strapazen und Mühen unverkennbar sind, die das Ausgraben und
der Abtransport der schweren Bäume aus unwegsamem Gelände bedeuten.
In diesem Buch werden auch die unvergessenen deutschen Bonsai-Pioniere Wolfgang Käflein und Horst Krekeler gewürdigt, die Hermann Haas‘ Bonsai-Werdegang über viele Jahre geprägt haben und auch manchen Lesern in guter Erinnerungsein dürften.
Die Entwicklungsdokumentationen von Haas‘ prachtvollen Bonsai, die sich zum Teil über weit mehr als 30 Jahre erstrecken, werden vielen Bonsai-Freunden helfen, mehr Vorstellungskraft und Zielstrebigkeit bei der langfristigen Gestaltung ihrer heimischen Bäume zu erlangen. (HvG)
„Bonsai-Geschichten – oder wie aus heimischen Findlingen Bonsai wurden“, Hermann Haas, Edition BONSAI ART, 3., erweiterte Auflage, ca. 385 Seiten, viele Farbfotos, Hardcover, Format 21 x 30 cm, Einführungspreis: 49,95 €, Art.-Nr. 3331
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