Schalenmotive – Temari

erschienen in BONSAI ART 199

Gerade aus Japan oder China fazinieren uns die unterschiedlichsten Schalenmotive. Doch was bedeuten sie, was stellen sie dar? In dieser Rubrik wollen wir die Geschichte hinter den Darstellungen beleuchten.

Schale von Da De Tang, China.

Auf einigen Schalen finden sich wunderschön verzierte Bälle, oft auch zusammen mit Kindermotiven. Diese
Bälle werden als Temari bezeichnet. Wie viele andere Dinge auch gelangte ein Fußballspiel, Kemari genannt,
im 7. Jahrhundert von China nach Japan. Aus diesen einfachen Bällen entwickelten sich später Temari (bestehend
aus den Zeichen für Hand und Ball). Früher wurden die Bälle mit Stoff resten oder mit einem Beutel voller Reishülsen gefüllt. Frauen aus dem Adel begannen diese Bälle mit kunstvollen Mustern zu verzieren.
Besonders ab der Edo-Zeit (1603-1868) entwickelten sich diese Bälle dann vom bloßen Spielzeug für Kinder zu
Kunstobjekten, da die Muster immer aufwändiger und das Handwerk weiter verfeinert wurde.
Mit der Einführung von Gummi in Japan wandelte sich der Umgang mit den bunten Bällen: Während sie als
Spielzeug von anderen Bällen abgelöst wurden, begann ihr Siegeszug als Kunstobjekte. Heute bestehen Temari
aus einem Kern aus Plastik oder Styropor, umwickelt mit Garn. Mit einer Vielzahl von farbigen Garnen werden
dann die aufwendigen Motive als geometrische Formen auf die Bälle gestickt. Die Motive sind häufig von der Natur inspiriert, z. B. mit Blumen und Wellenmustern. Es finden sich aber auch gänzlich abstrakte geometrische
Muster.
Wurden Temari-Bälle früher häufig zu Neujahr an Kinder verschenkt, dienen sie heute eher als Accessoire für Kimonos oder Wohnungsdekoration. Da sie symbolisch für Kinder und Weiblichkeit stehen, sind sie zudem typische Geschenke zur Verlobung oder Heirat. Auch heute noch basteln manche Mütter ihren Kindern
Temari und sie gelten auch als besonderes Geschenk zwischen Freunden als Ausdruck von tiefer Verbundenheit
und Loyalität.
Besonders auf der japanischen Insel Shikoku wird die Tradition der Temari bis heute bewahrt, indem Temari-
Meister:innen ihr Wissen über dieses beeindruckende Kunsthandwerk an die nächste Generation weitergeben.
(CH)